Warum katholische Schulen so beliebt sind
Volle Klassen, hohe Erwartungen
Foto: Schulstiftung
Weg von starren Klassenräumen, hin zu offenen, flexiblen Lernlandschaften - ein neues innovatives Raumkonzept der Drei-Religionen-Schule.
Mehr Bewerbungen, mehr Nachfrage, mehr Vertrauen: Die Schulen der Schulstiftung im Bistum Osnabrück starten mit einem Rekord ins neue Schuljahr. Insgesamt gingen 4003 Anmeldungen ein – 1000 mehr als im Jahr zuvor. Der Erfolg wirft Fragen auf: Was überzeugt Eltern und Schüler? Wie verhindert die Schulstiftung, dass Schulgeld ausgrenzt? Und wie bleibt das katholische Profil in einer säkularen Gesellschaft glaubwürdig? Der Vorstandsvorsitzende der Schulstiftung, Thomas Weßler, gibt Antworten.
Wie erklären Sie sich die hohen Anmeldezahlen?
Ich kann mir das vor allem dadurch erklären, dass unsere Schulen in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet haben. Eltern sehen, dass wir nicht nur „normale“ Bildung anbieten, wie sie auch an staatlichen Schulen stattfindet. Wir versuchen, Schule mit einem Mehrwert zu gestalten. Dazu gehört auch eine werteorientierte Persönlichkeitsbildung. Wir wollen den ganzen Menschen mit seinen Fähigkeiten, Begabungen und Entwicklungsmöglichkeiten sehen. Deshalb fragen wir uns immer wieder: Was brauchen junge Menschen zusätzlich zu den Lehrplänen, um wachsen und sich entfalten zu können?
Und was wäre das?
Ich glaube, Eltern nehmen wahr, dass wir Schulentwicklung sehr bewusst gestalten und uns an der Lebenswirklichkeit junger Menschen orientieren. Lehrpläne verändern sich oft nur sehr langsam. Die gesellschaftliche Realität entwickelt sich dagegen deutlich schneller weiter. Deshalb ist es wichtig, über die Vorgaben hinauszudenken und Kindern und Jugendlichen zusätzliche Erfahrungsräume zu eröffnen.
Werden die katholischen Schulen mit einem Schulgeld von teilweise bis zu 80 Euro im Monat zu Eliteschulen?
Diese Gefahr besteht grundsätzlich für alle Schulen in freier Trägerschaft. Deshalb setzen wir uns in Niedersachsen und Bremen für eine deutlich bessere staatliche Finanzierung ein. Beide Länder gehören bei der Finanzierung freier Schulen bundesweit zu den Schlusslichtern. Hier braucht es in den kommenden Jahren dringend Verbesserungen.
Wie unterstützen Sie als Schulträger?
Wir achten darauf, das Schulgeld sozial verträglich zu gestalten. Zwar gibt es einen festgelegten Höchstbetrag, aber Familien mit geringerem Einkommen können eine deutliche Ermäßigung erhalten. Darüber hinaus haben wir Härtefallregelungen. Wenn Familien etwa durch Arbeitsplatzverlust, Krankheit oder andere schwierige Lebenssituationen in Not geraten, können die Beiträge weiter reduziert oder sogar vollständig erlassen werden. Am Geldbeutel darf der Besuch unserer Schulen nicht scheitern – und das tut er auch nicht. Dabei hilft auch die große Solidarität unserer Elternschaft. Viele Eltern unterstützen durch Spenden, sodass wir einen Teil der entstehenden Ausfälle ausgleichen können.
Wie viele Familien machen von den Härtefallregelungen Gebrauch?
Die Zahl der Familien, die eine solche Regelung in Anspruch nehmen, liegt bei unter einem Prozent. Das ist vergleichsweise wenig. Natürlich stellt sich die Frage nach der Hemmschwelle. Unser Weg ist möglichst unkompliziert: Die Familien können sich an das Sekretariat oder die Schulleitung wenden und ihre Situation schildern. Oft handelt es sich dabei um Familien, die bereits aufgrund ihres Einkommens eine Schulgeldreduzierung erhalten und bei denen sich die Lebenssituation zusätzlich verschlechtert hat. Dann liegen die erforderlichen Informationen in vielen Fällen bereits vor, sodass schnell und unbürokratisch geholfen werden kann.
Wie wollen Sie die hohe Qualität der Schulen langfristig sichern?
Mit dem Bistum vereinbaren wir ein festes Kontingent an Planstellen. Werden solche Stellen frei, können sie grundsätzlich wieder neu besetzt werden. Aktuell beschäftigt uns eine andere Entwicklung stärker: Viele junge Lehrkräfte kehren nach Elternzeiten häufig mit einem reduzierten Stundenumfang zurück. Das müssen wir durch angestellte und teilweise befristet beschäftigte Lehrkräfte auffangen.Es gelingt uns weiterhin, sehr qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen. Ein Indikator dafür ist, dass wir nur sehr wenige Quereinsteigende beschäftigen. Das zeigt, dass unsere Schulen als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Langfristig wird aber die Frage der Finanzierung entscheidend sein. Wenn die staatliche Finanzhilfe und die kommunalen Sachkostenzuschüsse verbessert würden, könnten wir die Qualität unserer Schulen sichern, ohne zusätzliche Belastungen über das Schulgeld ausgleichen zu müssen.
Wie viel katholische Identität können und wollen Sie bewahren?
Wenn wir unser katholisches Profil verlieren, verlieren wir unsere Daseinsberechtigung. Dann bräuchte es unsere Schulen nicht mehr. Entscheidend ist die Frage, was katholische Schule heute bedeutet. Darüber wird immer wieder neu nachgedacht. Aus meiner Erfahrung – unter anderem beim Aufbau katholischer Schulen in Mecklenburg und Schleswig-Holstein – weiß ich, dass katholische Schule nicht von der Zahl katholischer Schüler abhängt. An manchen Standorten war nur etwa ein Drittel der Schülerschaft katholisch. Trotzdem waren die Schulen klar katholisch geprägt.
Wie kann das gelingen?
Entscheidend ist das Bildungs- und Werteverständnis: eine Persönlichkeitsbildung auf der Grundlage des christlichen Glaubens. Das finden auch Familien anderer Konfessionen oder Religionen attraktiv. Gleichzeitig leben wir den Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften. Junge Menschen lernen dadurch unterschiedliche religiöse und kulturelle Perspektiven kennen und erwerben wichtige Kompetenzen für eine vielfältige Gesellschaft. Unser katholisches Profil bleibt erhalten. Katholisch bedeutet dabei nicht eng oder ausschließend. Das Wort selbst steht für Weite und Offenheit. Diesen Anspruch wollen wir auch in Zukunft leben.
Die Schulstiftung im Bistum Osnabrück wurde 2001 gegründet und ist mittlerweile der größte freie Schulträger in Niedersachen und Bremen. Fast 13 000 Kinder und Jugendliche besuchen die 21 Schulen mit ihren etwa 1200 Lehrkräften.
Die Stiftung verwaltet das Personalwesen, die Finanzbuchhaltung und die Steuerung von Bauprojekten. Auch die Organisation von Aus- und Fortbildungen für Lehrkräfte gehört zu ihren Aufgaben.
Zur Schulstiftung gehören folgende Schulen: Osnabrück: Angelaschule, Ursulaschule, Thomas-Morus-Schule, Drei-Religionen-Schule, Berufsbildende Schule Marienheim. Lingen: Franziskusgymnasium, Fachschule St. Franziskus, Marienschule. Meppen: Marianum, Johannesschule, Marienhausschule. Papenburg: Mariengymnasium, Michaelschule. Twistringen: Hildegard-von Bingen-Gymnasium. Bad Bentheim: Missionsgymnasium St. Antonius. Bremen: St.-Antonius-Schule, St.-Johannes-Grundschule, St.-Johannes-Schule, St.-Marien-Schule, St.-Pius-Schule.