Vorsitzender Josef Meyer erklärt die Beweggründe
Waldbühne Ahmsen spielt keine religiösen Stücke mehr
Foto: Waldbuehne Ahmsen
Schon mit dem „Weißen Rössl“ hatte die Waldbühne Ahmsen 2025 kein religiöses Stück mehr gespielt. Ein kompletter Kurswechsel soll das aber nicht sein.
Die Waldbühne ist seit Jahrzehnten für ihre Schauspiele mit religiösem Inhalt bekannt. Warum ändert sich das jetzt?
Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass die Zuschauerzahlen bei unseren religiös motivierten Stücken, die ja meist auch einen ernsten Hintergrund hatten, zurückgegangen sind – gerade auch nach Corona. Unser Eindruck ist daher, dass die Leute einfach leichtere Unterhaltung wollen – dass sie sich auf einen schönen Abend mit Lachen, Musik und Tanz freuen. Wenn man auf die ganzen Krisen und Kriege in der Welt, auf die ständig schlechten Nachrichten schaut, kann man das sogar verstehen.
Gab es noch weitere Gründe?
Tatsächlich ja. Es gibt heute kaum noch neuere religiöse Stücke. Und die alten Stoffe von früher wie „Kreuz gegen Kreuz“ oder „Die große Not“ sind heute nicht mehr spielbar, das passt nicht mehr in unsere Zeit. Aber zwischen denen von ganz früher und dem, was wir jetzt anpeilen, ist noch viel machbar.
Ist das jetzt ein kompletter Richtungswechsel?
Nein – wir werden uns definitiv nicht komplett von Theater mit religiösem Hintergrund verabschieden. Das sage ich hier ganz deutlich. Auch in den vergangenen Jahren haben wir ja Stücke wie „Luther“ oder die „Passion“ gespielt. Auch „Jesus Christ Superstar“ könnte ich mir gut vorstellen in Ahmsen. Es wird wohl eine Mischung sein: mit anspruchsvollen, ernsthafteren Themen, aber eben künftig auch mehr Komödie und Musik. Das entspricht nebenbei unserer Satzung, denn die verpflichtet uns nicht dazu, nur religiöse Stücke zu zeigen.
Wie haben das Publikum und die Spielschar auf diese Änderung reagiert?
Ehrlich gesagt, so viele Reaktionen von den Gästen gab es dazu nicht – ich kann mich nur an einen kritischen Brief erinnern. Die Besucherzahlen sind eher wieder gestiegen. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Publikum heute ein anderes ist als noch vor 20 Jahren. Wie sonst in der Gesellschaft, lässt vermutlich die kirchliche Bindung auch an dieser Stelle immer mehr nach, leider. Was die Spielschar angeht, da haben wir sogar eher den Eindruck, dass die Programmänderung eine Chance ist. Wir hatten das Glück, gerade in letzter Zeit mehr Frauen als neue Mitglieder zu gewinnen. In Musicals gibt es für sie größere und interessantere Rollen – das war bei den früheren religiösen Stücken nicht immer so.
Worum geht es in diesem Jahr – und auf was dürfen sich die Gäste 2027 auf der Waldbühne freuen?
Das Stück dieses Jahr heißt „Schlager lügen nicht“: eine bunte Revue mit viel Musik aus den Siebzigern, die die Zuschauer sicher zum Teil mitsingen können. Und ganz aktuell haben wir gerade diese Entscheidung getroffen für das Schauspiel 2027: Im nächsten Jahr werden wir „Romeo und Julia“ aufführen. Unsere neue Regisseurin Judith Röser aus Osnabrück wird das Stück inszenieren.

Josef Meyer ist erster Vorsitzender der Waldbühne Ahmsen, die 1948 durch einen Maristenpater gegründet worden ist. Im vergangenen Jahr hat der 300 Mitglieder zählende Verein 43 000 Gäste begrüßt. Die Premiere des Musicals „Schlager lügen nicht“ findet am Samstag, 23. Mai, um 19.30 Uhr statt.