Auf ein Wort

Wenn Gott bei mir einzieht

Eine starke Ansage, findet unsere Autorin im Evangelium: Jesus und Vater wollen "Wohnung nehmen". Das heißt, sie kommen nicht mal eben so zu Besuch, sondern wollen einziehen!

Na, das ist ja schon eine Ansage: Jesus und sein Vater wollen bei mir „Wohnung nehmen“, das heißt, sie kommen nicht mal eben so zu Besuch, sondern wollen bei mir einziehen! Ich bin mir noch gar nicht so sicher, was ich davon halten soll.

Jetzt muss ich mich wohl entscheiden: Gebe ich den beiden den Hausschlüssel – oder quartiere ich sie doch lieber im Hotel ein? Lade ich sie eventuell nur zur großen Familienfeier ein, weil es sich ja so gehört – und dann mögen sie bitte wieder gehen, damit wir unter uns bleiben? Dürfen sie auch all das Durcheinander bei mir sehen? Vielleicht sollte ich doch erst noch aufräumen …

Ich glaube, Jesus weiß, was er sagt. Und er sagt eben nicht: Ich komme dich besuchen, sondern: Wir wollen bei dir wohnen. Und dann wird er wohl ahnen, worauf er sich da einlässt. 

Zugegeben – wenn Gott bei mir wohnt, dann wird er sicher nicht den Mülleimer rausbringen oder das Badezimmer putzen. Und doch mag sich das Leben anders anfühlen. Ich bin nicht auf mich allein gestellt, sondern es ist einer da, der alle Wege mitgeht. Dann habe ich einen Freund an meiner Seite, der nicht erschrickt, wenn er die dunklen Seiten an mir wahrnimmt. Der bedingungslos an mich glaubt – sogar dann, wenn ich nicht mehr an mich glaube.

Was es von mir her braucht? Jedenfalls keine aufgeräumte Wohnung. Sondern nur meine Liebe, meine Sehnsucht, meine Offenheit. Ich muss nichts tun, machen oder leisten. Einfach nur bereit sein, ihn kommen zu lassen – und die Tür aufzumachen.

Andrea Schwarz