St. Michael in Frankfurt wird zum Kolumbarium
Erste Begräbniskirche in Hessen
Foto: MeixnerSchlüter_Wendt
Die denkmalgeschützte Kirche St. Michael im Frankfurter Nordend wurde zu einer Begräbniskirche umgebaut. Die Urnen sollen in zylinderförmigen Raumkörpern ihren Platz finden.
Es soll ein guter Ort für Trauernde werden, an dem sich Leben und Tod nahe kommen können, an dem deutlich wird: Leben und Tod gehören zusammen. Dass dieser Ort jetzt Gestalt annimmt, darüber freut sich Trauerseelsorgerin Verena Kitz. Nach dem Sommer wird die Begräbniskirche St. Michael in Frankfurt offiziell eröffnet. Künftig sollen 2500 Urnen darin Platz finden. Sollte die Nachfrage größer werden, kann nachverdichtet werden. „Ich bin sehr froh, dass wir bald diese Begräbniskirche anbieten können. Es gibt viele, die sich dafür interessieren. Es ist für sie eine Erleichterung, wenn sie sagen können: ‚So jetzt hab ich das geregelt. Ich weiß, da müssen sich meine Kinder keine Gedanken darum machen‘“, sagt Kitz.
St. Michael in Frankfurt wird die erste Begräbniskirche in Hessen. In anderen Teilen der Bundesrepublik sind Kolumbarien (lateinisch für Taubenschlag) in Gotteshäusern schon seit vielen Jahren etabliert. Kolumbarien sind oberirdische Bauwerke, die der Aufbewahrung von Urnen oder Särgen dienen. Die erste dieser Art Begräbniskirche wurde 2004 in Krefeld eröffnet. In Rheinland-Pfalz gibt es bereits einen solchen Bestattungsort. 2021 wurde in der Gelöbniskirche Maria Schutz in Kaiserslautern ein Kolumbarium für mehr als 1600 Urnen eingeweiht.
St. Michael ist seit 2007 keine klassische Pfarrkirche mehr. 2015 wurde sie zum Zentrum für Trauerseelsorge umgewidmet, das bis heute besteht. Insgesamt 3,1 Millionen Euro kostet nun der Umbau. 1,4 Millionen Euro trägt das Bistum Limburg. Der Rest wird über den Verkauf der Urnenplätze finanziert. Gut 2650 Euro kostet dieser für eine Ruhezeit von 15 Jahren. 500 Plätze sind für Menschen mit geringem Einkommen vorgesehen, die je 1500 Euro kosten sollen. Die Preise orientieren sich an den Preisen für Urnengräber auf den städtischen Friedhöfen. Den Ort, an dem die Urne Platz finden wird, kann sich anfangs jeder selbst aussuchen. Jede Nische wird mit einer Namensplakette gekennzeichnet, auf die zusätzlich die Daten und ein Symbol eingraviert werden können. Sie kann auch mit einer Blume geschmückt werden.
Zentrumsleiterin Kitz findet, dass die Architektur von St. Michael sehr gut zu einer Begräbniskirche passt. Nach einer niedrigen Eingangszone tritt man in den weiten, geschwungenen Innenraum. Das Gebäude von 1953 sollte nach einer Idee des Architekten Rudolf Schwarz an eine Schlucht erinnern. „Es ist ein sehr besonderer Raum, mit seiner großen Höhe von 15 Metern und seiner Schlichtheit und Klarheit.“ Den Besuchern und Besucherinnen eröffne sich beim Eintreten eine große Weite. Die Urnenwände, die die gerundete Form der Kirche aufgreifen, böten gleichzeitig Geborgenheit. „Das finde ich für eine Begräbniskirche eine ganz gelungene Kombination“, sagt Kitz.
"Die Urnenwände bieten Geborgenheit"
Foto: wikipedia/Karsten11
Das Frankfurter Architekturbüro Meixner Schlüter Wendt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die denkmalgeschützte Kirche für die 2500 Urnengräber so umzugestalten, dass die Wirkung des Raumes nicht beeinträchtigt wird. Die Form der sich öffnenden Schlucht haben sie besonders berücksichtigt. „Der offene Ring öffnet sich nach dem Architekten der Kirche, Rudolf Schwarz, dem Unendlichen. Die Öffnung stellt eine Schwelle vom Weltlichen zum Ewigen, zwischen Diesseits und Jenseits dar. Diese Figur erschien uns geeignet für die zylinderförmigen Raumkörper, in denen die Urnengräber untergebracht werden“, erklärt das Architekturbüro. Die unterschiedlich weiten Urnenwände sind entlang der von Taufstein und Altar bestimmten Längsachse spielerisch angeordnet. Sie sind im Sinne eines ausgewogenen Gleichgewichts austariert. So sollen unterschiedlichste Raumanordnungen entstehen. Die Urnenwände haben eine individuelle Stellung zu der Ausrichtung der Kirche und zum einfallenden Licht. „Jeder Zylinder und entsprechend jede Grabstätte erhalten so eine Identität. Es entstehen Rückzugsorte, die aber auch stets Blickbeziehungen und Verbindungen zum Kirchenraum haben. Dabei scheinen die gebogenen Raumkörper die Trauernden schützend zu umarmen“, erklären die Architekten.
Die Trauernden sollen sich gut aufgehoben fühlen, das wünscht sich auch das Team der Trauerseelsorge. 25 Ehrenamtliche sind für den Präsenzdienst inSt. Michael geschult. Sie wurden ein Jahr lang auf ihre Aufgabe vorbereitet. „Manchmal tut es Trauernden gut, wenn da jemand ist, der einfach mal zuhört. Manchmal ist es eine Beruhigung zu wissen, es ist jemand da. Manche Besucher und Besucherinnen möchten auch ein paar Auskünfte haben zur Architektur oder dazu, wie man sich hier anmelden kann“, sagt Verena Kitz.
In der Begräbniskirche sollen weiterhin regelmäßig Wortgottesdienste oder Abendgebete stattfinden. Zusätzlich sind Veranstaltungen geplant wie Konzerte oder Ausstellungen, die thematisch passend sind. „Früher war dieser Gedanke, dass die Lebenden und die Toten zusammengehören noch viel präsenter. Aber wir wissen, da ist noch viel von einem Leben übrig, das uns die Toten überlassen haben. An einem Ort wie diesem können wir spüren, was uns verbindet. Wir haben hier eine große Chance“, sagt Kitz.
Infos zum ehrenamtlichen Engagement in der Begräbniskirche St. Michael und zu den Urnenplätzen: trauerseelsorge@bistumlimburg.de
Zur Sache
Am Dienstag, 16. Juni, um 19 Uhr, ist die Architektin Claudia Meixner vor Ort und stellt die neu gestaltete Begräbniskirche St. Michael vor (Gellertstraße 37). Sie gibt Einblick, wie Architektur und Design zusammenwirken, um den Bedürfnissen der Lebenden gerecht zu werden und gleichzeitig die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod zu fördern. Die Veranstaltung ist Teil der World Design Capital-Frankfurt-Reihe.