Auf ein Wort
Wider die Faulenzer
Faulenzer: In den politischen Diskussionen heute sind das oft die vom unteren Rand der Gesellschaft. Bürgergeld-Empfänger. Geflüchtete. Menschen, die angeblich arbeiten können, aber nicht wollen und dem Sozialstaat auf der Tasche liegen. Beim Propheten Amos stammen die Faulenzer aus einem anderen Teil der Gesellschaft: Es sind die Wohlhabenden. Sie schwelgen im Luxus. Mit ihrer Verschwendung schaden sie Mitwelt und Menschen.
Und damit ist Amos wohl realistischer als manch populistischer Politiker heute. Denn auch heute sind die Armen ja nicht faul. Der allergrößte Teil der Bürgergeld-Empfänger sucht nach Arbeit oder pflegt Angehörige, ist unter 15 oder über 67 Jahre alt. Und Flüchtlinge und Migranten können nicht arbeiten, wenn sie keine Berufsanerkennung oder Arbeitserlaubnis bekommen. Dagegen gibt es Menschen, die gar nicht arbeiten müssen, weil sie reich geerbt haben. Oder weil sie schon genug Dollar-Milliarden verdient haben.
Was würde Amos dazu sagen? Vielleicht (wie Misereor): Milliardäre müssen weltweit stärker zur Finanzierung des Gemeinwohls herangezogen werden, etwa durch eine globale Vermögenssteuer. Oder (wie Papst Leo): Die Gehälter von Top-Managern sind viel zu hoch! Arbeiter sollten mehr, Top-Manager weniger verdienen, damit die Kluft zwischen Arm und Reich kleiner wird und es gerechter zugeht in unserer Welt.
Das Fest der Faulenzer wäre so vorbei – und das Fest der Menschen, die von ihrer Arbeit gerecht und gut leben können, könnte beginnen.