Geprägte Zeiten: Schwerpunkt der Verlagsgruppe Bistumspresse
Wie Christen die Fastenzeit nutzen
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Kraft der Verwandlung: Wie die Raupe zum Schmetterling wurde, so können auch Christen sich in der Fastenzeit verändern.
Eine Zeit, um mich zu öffnen
Seit ich wieder im Rheinland wohne, wo intensiv Karneval gefeiert wird, hat der Übergang in die Fastenzeit noch einmal an Intensität gewonnen. Auf den ersten Blick erscheint der Übergang von Rosenmontag auf Aschermittwoch als harter Bruch, was sowohl die Themen als auch die Stimmung angeht. Beiden besonderen Jahreszeiten gemeinsam ist, dass ich hineingezogen werde in eine Stimmung und mir Themen gesetzt werden. Wie immer wieder in der Liturgie, in der die biblischen Texte jeden Tag ein Thema vorgeben, merke ich, dass es zwar eine Herausforderung darstellt, nicht weiter meinen Themen und Gedanken nachzugehen, sondern mich hineinziehen zu lassen in einen anderen Film und das Angebot anzunehmen, mich auf diese Gedanken einzulassen und die Schwingung aufzunehmen.
Das gilt für den Karneval ebenso wie für die Fastenzeit. Meine Gemeinde lädt jedes Jahr zu einem offenen Singen der Karnevalslieder mit Orgel und Chor ein. Ich erlebe diesen Raum nicht an vielen anderen Tagen so lebendig wie in dieser Stunde und lasse mich gerne hineinnehmen in die fröhliche Stimmung. Es fasziniert mich dabei, dass viele der Karnevalslieder durchaus nachdenkliche Töne anschlagen.
Der närrischen Zeit kann ich in Bonn zwischen Weiberfastnacht und Karneval nicht entkommen, alle werden von diesen Tagen erfasst. Das ändert sich schlagartig mit dem Aschermittwoch. Aber da beginnt im öffentlichen Leben eben nicht die nächste besondere Zeit, sondern es kehrt einfach Alltag ein.
Da sind Zeichen und Zeiten eine Hilfe, die mich im Fluss des Alltags immer wieder daran erinnern, dass alles anders als Alltag ist. Dass die Naschstation im Sekretariat, die ich doch gerne mal besuche, in dieser Zeit im Schrank verschwindet, ist dabei ebenso eine Hilfe wie der bewusste Verzicht auf Alkohol.
Daneben sind mir Zeiten wichtig, um über die gesamte Fastenzeit hinweg der besonderen Qualität dieser Zeit einen Raum zu geben. Die Probe des Domchores in Limburg, in dem ich noch mitsingen darf, ist hier ein für mich ganz wichtiger Ort, weil beim Proben der liturgischen Gesänge die Botschaft nicht nur oft wiederholt, sondern auch über die Musik in einer ganz anderen Dimension erschlossen wird. Die Spätschicht in meiner Gemeinde ist eine weitere Gelegenheit, auch mit anderen Menschen zu hören und Resonanz zu geben auf den Ruf Gottes.
Ich bin gespannt, wohin mich diese Zeit führt. Der Ruf vor dem Evangelium an Aschermittwoch ermutigt uns: „Wenn ihr heute seine Stimme hört, verhärtet nicht euer Herz“ (Ps 95,7.8). Das ist ein spannendes Programm für die kommenden 40 Tage; denn da gibt es keinen Zielplan, den ich in dieser Zeit abarbeiten kann, sondern es wird eine Einladung ausgesprochen. Und im Wissen darum, dass die Botschaft, die wir zu hören bekommen, eine Herausforderung darstellt, wird dieser ergänzt um die Bitte, offen zu bleiben. Ich bin gespannt, wofür ich mich in der Fastenzeit 2026 öffne.
Beate Gilles ist Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz.
Eine Zeit, auf die Menschen sich freuen
Wenn dieses Jahr am Aschermittwoch gleichzeitig der Ramadan beginnt, wird mir in Jerusalem wieder überdeutlich vor Augen geführt, dass Fastenzeiten kein Spezifikum des Christentums, der katholischen Kirche oder gar von uns Benediktinermönchen sind: Ich bin umgeben von Glaubensgeschwistern anderer Kirchen, von gläubigen Juden und Muslimen, für die Zeiten des Fastens ganz selbstverständlich zu ihrer Religion und ihrer Glaubenspraxis dazugehören. Interessant finde ich dabei, dass solche Fastenzeiten hier in meiner Wahlheimat sehr positiv besetzt sind, während in meiner Geburtsheimat Deutschland doch eher die Mentalität herrscht: Jetzt lasst uns im Karneval oder Fasching nochmal ordentlich das Leben feiern, denn dann kommt die traurige Zeit des Verzichtens.
Hier in Jerusalem sind solche Fastenzeiten zwar auch Zeiten des Verzichtens, aber gleichzeitig Zeiten, auf die Menschen sich ganz ironiefrei freuen. Wenn ich mit meinen muslimischen Freunden spreche, dann berichten sie mir, wie schön das tägliche gemeinsame Fastenbrechen für sie ist, wie sehr sie den Ramadan auch als eine Zeit der spirituellen Erneuerung erleben, in der sie sich nochmal intensiver mit ihren geistlichen Wurzeln beschäftigen.
Ähnliche Gespräche führe ich mit meinen jüdischen Freunden. Der Versöhnungstag, der Jom Kippur, ist für sie nicht nur ein Tag des Fastens, sondern auch der heilsamen Unterbrechung, in der fast die gesamte Welt angehalten wird: Der israelische Luftraum ist für 25 Stunden gesperrt, die Autobahnen frei von Autoverkehr, Radio und Fernsehen haben Sendepause; es ist ein Tag, in der das Stehen vor Gott, die Versöhnung mit Gott und Mensch, der geistliche Neuanfang, im Zentrum steht und alles andere ganz wortwörtlich Sendepause hat.
Und ja, auch für uns Lateinische Christen – wie wir hier genannt werden – bedeutet die Fastenzeit eine Zeit des besonderen liturgischen Reichtums. Jeden Samstag gibt es einen feierlichen Einzug in die Grabes- und Auferstehungskirche und in jeder Nacht von Samstag auf Sonntag eine feierliche Vigil am Auferstehungsort Jesu, ein bisschen Osternacht in klein. Auch wir Benediktiner singen die schönsten Hymnen und Antiphonen im Jahr in der Fastenzeit. Ich habe den Eindruck, als ob alle Kinder Abrahams das berühmte Wort aus dem Buch Deuteronomium auf ihre je eigene Art und Weise mit Leben füllen: „Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des HERRN spricht“ (Dtn 8,3b), das ja Jesus fastend in der Wüste dem Teufel entgegenschleudert (Mt 4,4). Bei uns im Kloster nimmt sich etwa jeder von uns Mönchen bewusst ein Buch der Bibel vor, das er in der Fastenzeit durchkaut. Kurz gesagt: Ich freue mich auf die Fastenzeit, diese Zeit der geistlichen Fülle und Intensität!
Nikodemus Schnabel ist Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem.
Eine Zeit des inneren und äußeren Aufräumens
Jedes Jahr unterbricht die Fastenzeit spürbar meinen Alltag. Sie ist wie ein stilles Signal: „Halte inne, schau genauer hin.“ In einer Welt, die uns ständig antreibt, empfinde ich diese Wochen als wohltuende Gegenbewegung. Sie erinnern mich daran, dass Leben nicht darin besteht, immer mehr zu haben oder schneller zu werden, sondern tiefer zu schauen – auf Gott, auf andere Menschen, auf mich selbst.
Ich nutze die Fastenzeit, um bewusst Raum zu schaffen. Für Stille, für Gebet, für das Lesen der Bibel. Eine Zeit des inneren und äußeren Aufräumens.
Fastenzeit bedeutet für mich auch mehr, als auf etwas zu verzichten. Ich nutze sie vor allem dazu, mich zu fragen, was ich wirklich nur für mein Leben brauche. Was mein Leben ausmacht. Wo ich teilen und für andere da sein kann. Mir ist wichtig, Zeit zu schenken – auch Freunden, einem Menschen, der reden will, vielleicht einen Rat oder Hilfe braucht. Fasten heißt für mich nicht nur Weglassen, sondern Freimachen: für Begegnung, für Solidarität.
Geistlich ist diese Zeit anders, weil sie mich herausfordert: Wo bin ich verstrickt in Gewohnheiten, die mich unfrei machen? Wo muss ich jetzt neu anfangen? Die Fastenzeit führt mich zurück zu den Wurzeln meines Glaubens: Gott will Leben in Fülle – nicht Überfluss, sondern Tiefe. Wenn ich mich von Überflüssigem löse, spüre ich diese Freiheit. Und ich entdecke neu, dass mein Leben nicht mir allein gehört. Es ist Teil einer großen Gemeinschaft, die Hoffnung teilt.
Darum ist die Fastenzeit für mich keine Pflichtübung, sondern eine Einladung: zu mehr Einfachheit, mehr Achtsamkeit, mehr Vertrauen. Sie öffnet den Blick für das Wesentliche – und das ist für mich immer auch der andere Mensch.
Genau hier sehe ich die Verbindung zu Misereor: Fasten bedeutet nicht nur, sich selbst zu verändern, sondern auch die Welt ein Stück gerechter zu machen. Wenn wir teilen, spenden, uns für die Armen und Benachteiligten einsetzen, uns über sie wirklich tiefergehend informieren, dann wird aus Verzicht Hoffnung. Die Fastenaktion von Misereor erinnert mich jedes Jahr daran: Mein persönlicher Weg ist Teil eines großen Ganzen – einer weltweiten Solidarität, die Leben verändert.
Oft denke ich in der Fastenzeit an eine Textstelle aus dem Buch Jesaja: „Ist das nicht ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Joches zu entknoten, Versklavte freizulassen?“
Hier wird deutlich, wofür Misereor im Kern steht: Fasten ohne das Streben nach Gerechtigkeit bleibt leer.
Andreas Frick ist Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Misereor.
Eine bunte Zeit voller Augenblicke mit Gott
Einige Jahre habe ich in einem sehr strengen, beschaulichen Kloster gelebt. Da war die Fastenzeit wirklich eine Zeit voller Verzicht, Schweigen, Sünden bereuen, kargem Essen, Buße tun und Kreuzwegen. Das war für mich teilweise heftig, denn man musste es einfach tun, ansonsten gab es noch mehr Bußübungen und öffentliche Rügen. Es wurde gesagt, dass Gott dies so haben möchte. Wir sollen mit IHM zusammen leiden. Und wenn wir es nicht schaffen, dann wäre da der Teufel am Werk, der schon Jesus in der Wüste versucht hat. Es wäre also unsere Schuld, wenn wir da nicht stark genug wären.
Seit dieser Zeit bin ich sehr verhalten, wenn es um die Fastenzeit geht. Verzicht ist etwas, was bei mir lange Zeit eine Art Trotz hervorgerufen hat. So habe ich NICHT auf Süßes verzichtet wie so viele oder meinen Facebook-Account NICHT deaktiviert. Einfach, weil ich es konnte. Das fühlte sich frei an. Und doch irgendwie nicht.
Erst nach und nach habe ich mir erarbeitet, dass es ein gutes Verzichten gibt. Ich habe es ausprobiert mit „7 Wochen OHNE“ und „7 Wochen MIT“, mit Exerzitien im Alltag, guten Vorsätzen, einem geistlichen Buch, das ich lesen wollte. So richtig funktioniert hat es selten, zumindest nicht sieben Wochen lang. Da bin ich einfach nicht gut drin.
Und damit bin ich inzwischen ausgesöhnt. Inzwischen ist die Fastenzeit und der damit verbundene Frühling eine Zeit, die ich nutze, um mich bewusst mit meinem Leben und mit meiner Gottesbeziehung auseinanderzusetzen. Einem Gott, der das volle Leben bejaht, der voller Kraft und neuer Energie ist, der mich liebt, einfach nur so, meinen Alltag und meine Fehler. Das ist meine Fastenzeit-Grundhaltung und das reicht für die Zeit.
Mit den Kindern, die bei mir leben, habe ich in den vergangenen Fastenzeiten Tagesvorsätze geschrieben. Mal einen Tag kein Süßes, mal eine Stunde Zeit miteinander für Spiel oder Lesen, mal überlegen, wem man etwas Gutes tun kann. Wir sammeln gemeinsam, was es sein kann, schreiben das auf Zettel und ziehen einen pro Tag. So entsteht ein Fastenzeitkalender. Die Vorsätze sind überschaubar und machbar. Sie engen mich nicht ein (denn so ein bisschen Fastenzeit-Rebellin ist da immer noch in mir), ermöglichen aber gute Erfahrungen und vielleicht Lust auf Mehr.
Manchmal vermisse ich noch das Gefühl an Ostern, wenn es dann endlich wieder Schokolade gibt, weil ich so lange darauf verzichtet habe. Aber das gönne ich nun anderen, die das besser können.
Ich bin sicher, dass auch die kommende Österliche Bußzeit eine bunte Zeit voller Augenblicke mit Gott und mit anderen wird. Ich freue mich drauf.
Schwester Jordana Schmidt gehört den Dominikanerinnen von Bethanien an. Sie lebt in einer sozialpädagogischen Lebensgemeinschaft mit zwei Kindern in Krefeld.
Eine Zeit für die frohe Botschaft
Wenn man das Wort „Fasten“ hört, so denkt man unwillkürlich an Verzichten, Sich-Enthalten oder Reduzieren. In diesem Sinne gibt es alle möglichen Formen von Fasten: Vom klassischen Verzicht auf Nahrungs- und Genussmittel über Autofasten oder Handyfasten. Es geht also um ein Weniger an Essen, Trinken, Rauchen oder Mobilität.
Ich frage mich zu Beginn der jährlichen Fastenzeit: Was ist denn das Mehr, auf das ich mich konzentrieren will? Denn es geht ja nicht um einen Verzicht als solchen, sondern um ein Reduzieren im Dienst einer anderen Qualität. Das biblische Wort für „Umkehr“ (Meta-noia) meint ein neues Denken, ein bewussteres Leben. Was will ich also loslassen, um ein anderes Bewusstsein zu gewinnen? Was will ich „mehr“?
Ich bin neugierig und interessiere mich für vieles. Darin liegt auch die Versuchung, mich mit Nachrichten zu überfüllen. Die politischen Ereignisse der letzten Zeit haben mich derart beschäftigt, dass ich mehr Zeit und Energie für Nachrichten investiert habe, als mir gut tut. Ich schaue immer öfter, was gerade in Washington und Moskau, in Berlin und Rom los ist. Dabei laufe ich Gefahr, dem Negativen zu viel Raum zu geben und mich von Pessimismus und ohnmächtiger Wut besetzen zu lassen.
In der Fastenzeit 2026 will ich daher den Medienkonsum und zwar vor allem die Fixierung auf Nachrichten stark reduzieren. Und stattdessen meine Aufmerksamkeit auf Positives richten. Aber nicht digital, sondern ganz konkret: Ich will in diesem Jahr ganz bewusst Flüchtlingsfamilien besuchen, bei denen ich schon lange nicht mehr war. Dort werde ich gewöhnlich mit einem üppigen Essen empfangen. Das passt zwar nicht in ein Diät-Fastenprogramm, aber ich erfahre Neues aus dem Leben dieser Familien: Wie es den Kindern in der Schule geht oder wie die Arbeit läuft. Und vor allem erlebe ich konkrete Hoffnung als „Mehr-Wert“. Denn Menschen, die alles verloren haben, bauen sich mit Geduld und Zuversicht eine neue Zukunft auf.
Ein anderes „Mehr“ ist mir in der Fastenzeit noch wichtig: Statt mich mit negativen Nachrichten zu beschäftigen, will ich ganz bewusst eine „Frohe Botschaft“ lesen. Konkret: Das Markusevangelium, verteilt auf 40 Tage, so dass ich an Ostern bei der Botschaft von der Auferstehung ankomme. Die tägliche Lektüre gibt mir einen roten Faden durch diese Zeit. Und ich erhoffe mir ein Mehr an Ermutigung, meinen Lebensweg als Weg der Freundschaft mit Jesus zu erfahren. Meine Fixierung auf mich selbst, meine Beschäftigung mit Nachrichten soll abnehmen. „Er aber soll wachsen.“ (vgl. Joh 3,30).
Andreas Knapp gehört der Gemeinschaft der Kleinen Brüder vom Evangelium an und ist Autor mehrerer geistlicher Bücher.
Eine Zeit, mich neu zu sortieren
Für mich startet die Fastenzeit immer damit, dass ich mir zusagen lasse: „Kehr um und glaub an das Evangelium!“ Ich mag das körperliche Zeichen des Aschenkreuzes und höre das Zitat aus Markus 3,15 wie eine Einladung.
Dieser Zuspruch „Kehr um und glaub an das Evangelium“ ist bei Markus der erste Satz, der Jesus in den Mund gelegt wird. Wie ein Auftakt als Grundlage für alles weitere. Vom Begriff geht es bei Umkehr (griechisch: meta-noia) weniger um eine räumliche oder moralische Bewegung. Die Gedanken oder sogar mein ganzes Denken beweglich machen, das ist gemeint. Es geht um das, was mein Kopf macht! Es geht darum, gewohnte Denkmuster mal durcheinander zu bringen, mich neu zu sortieren, vielleicht etwas zu vergessen und dann neu lernen und üben zu dürfen. In ganz alltäglichen Dingen und Gesprächen und in den beruflichen. Dieser erste Satz Jesu ist eine Denkaufgabe und ganz sicher ein Prozess, nicht ein Moment.
Die ersten Adressatinnen und Adressaten des Markusevangeliums hörten gewiss noch die politische Dimension mit. Von einem „Evangelium“ sprach auch die römische Macht. Der Kaiser Vespasian ließ im ganzen Reich „sein Evangelium“ verkünden. Sein Evangelium lautete so: „Vespasian hat die Welt befriedet. Vespasian ist Sohn eines Gottes. Vespasian sorgt für umfassenden Frieden.“ Dieser Friede im römischen Reich war auf Gewalt, Unterdrückung und Versklavung aufgebaut. Ein machtvolles Imperium. Aber eben nicht menschenfreundlich.
Ich kann nicht anders, als die Situation damals im 1. Jahrhundert nach Christus mit unserer jetzt zu vergleichen. Deshalb ist mein erster Vorsatz für diese Fastenzeit, der Versuchung zu widerstehen, diese neuen Realitäten auszublenden. Was geschieht gerade in der Welt? Was bedeutet das und welche Aufgaben kommen da auf mich zu? Darauf will ich mein Denken richten.
Deshalb habe ich mir in diesem Jahr ein paar Bücher zur Lektüre vorgenommen. Begonnen habe ich schon jetzt mit der Lektüre des Buches „Verbinden statt spalten“ von Gilda Sahebi. Auf dieser Spur werde ich bleiben. Dazu habe ich mir eine Wahrnehmungsaufgabe vorgenommen: Was unterstützt „Verbindung statt Spaltung“ und wo und wie ist meine Positionierung nötig? Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag eine Beobachtung oder eine Reflexion dazu aufzuschreiben. Ich bin gespannt, wo mich das hinführt.
Bevor ich schreibe, will ich das bekannte Gebet der liebenden Aufmerksamkeit üben. Weil ich fest daran glaube, dass immer und gerade jetzt der kairos, die erfüllte Zeit, ist.
Katrin Brockmöller ist Direktorin des Katholischen Bibelwerk e.V. in Stuttgart.