Auf ein Wort
Wie eine Mutter
Meine Mutter ist früh gestorben, da war ich Anfang 20. Vielleicht ist mir der Satz aus dem Propheten Jesaja deswegen so besonders nah: „Wie einen seine Mutter tröstet, so tröste ich euch.“ Ich erinnere mich an doppelte Verzweiflung damals: Die Mutter war nicht mehr da. Und mit ihr war die gegangen, die doch am besten trösten konnte. Meine Mutter war die Person, die mich in den Arm nahm, wenn ich in Tränen aufgelöst war. Die für mich kämpfte, wenn ich ungerecht behandelt wurde. Die mich wieder auf die Füße stellte, wenn ich am Boden lag. Für mich ist Gott bis heute genau so: wie eine Mutter, die mich tröstet, für mich da ist, für mich kämpft.
Auch Musik, die von Gott als Trösterin erzählt, ist mir nah: Im Requiem von Johannes Brahms ist der Satz aus dem Propheten Jesaja so vertont, dass mir die Tränen kommen, wenn ich es höre oder singe: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Und dann gibt es diese wunderbare Vertonung des Psalm 23 von Bobby McFerrin: Da wird der gute Hirt zur guten Hirtin. „Sie lässt mich lagern auf grünen Auen … Sie lässt meine Seele wieder aufleben … Sie deckt mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde … In ihrem Haus werde ich leben für immer.“ Bobby McFerrin hat den Song seiner Mutter gewidmet.
„Gott ist Vater – und mehr noch: Mutter“, hat Papst Johannes Paul I.einmal gesagt. Für mich ist das lange schon die Erfahrung: Gott ist wie eine Mutter. Sie schenkt mir Leben, sie gibt mir mein täglich Brot, sie vergibt mir, sie tröstet mich.