Zehn Jahre Pfarrei Seliger Johannes Prassek

„Wir wachsen noch zusammen“

Gedenkstele für Johannes Prassek geschmückt mit Blumen.

Foto: Matthias Schatz

Die Gedenkstele für Johannes Prassek befindet sich neben der Treppe, die an der Farmsener Landstraße zur Kirche Heilig Kreuz hinaufführt.

Die Pfarrei Seliger Johannes Prassek war vor zehn Jahren neben Katharina von Siena eine der ersten, die in Hamburg im Zuge der Strukturreform gegründet wurden. Eine Reihe von Jubiläumsveranstaltungen soll nun das Zusammengehörigkeitsgefühl ihrer fünf Gemeinden stärken.

„Durch gemeinsame Orte und eine gemeinsame Geschichte entwickelt sich langsam auch eine gemeinsame Identität.“ So ist der Eindruck von Franziska Hoppermann, Mitglied der nun seit zehn Jahren bestehenden Pfarrei Seliger Johannes Prassek, Die CDU-Bundestagsabgeordnete des Bezirks Hamburg-Wandsbek sagte dies am 27. Mai in ihrer Volksdorfer Heimatgemeinde Heilig Kreuz bei einer Veranstaltung, die zu einer gemeinsamen Identität der fünf Gemeinden beitragen mag, die die Pfarrei bilden: der Enthüllung einer Gedenkstele für Johannes Prassek, einem der vier Lübecker Märtyrer, die 1943 wegen ihrer Opposition zum Nazi-Regime hingerichtet wurden. Prassek feierte seine Heimatprimiz 1939 in Heilig Kreuz. 

Die Stele wurde allerdings nicht auf Initiative der Pfarrei errichtet, sondern auf die der Bezirksversammlung Wandsbek. Sie ist eine Station des entstehenden „Wandsbeker Wegs der Erinnerung an Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus“, der durch den gesamten Bezirk verläuft. Enthüllt wurde sie indes von Gemeindemitglied Anke Laumayer, Enkelin Karl Friedrich Stellbrinks, einem weiteren der Lübecker Märtyrer.

So war die Enthüllung denn auch eingebunden in eine Reihe von Veranstaltungen, mit der die Pfarrei ihr zehnjähriges Bestehen über das ganze Jahr hinweg begeht. Dazu zählen beispielsweise noch ein Patronatsfest am 30. Juni in Heilig Kreuz, eine Wanderung zu allen fünf Kirchen – also auch nach St. Bernard in Poppenbüttel, Mariä Himmelfahrt in Rahlstedt, Heilig Geist in Farmsen und St. Wilhelm in Bramfeld – am 7. Juli, ein Sommerfest im August und ein Chor-Konzert im November. „Das Jubiläum ist eine Chance, die anderen Gemeinden der Pfarrei kennenzulernen und bei der Zusammenarbeit einen Schritt voranzukommen“, sagt Carsten Tonn, der die Veranstaltungsreihe mit organisiert und zur Gemeinde St. Wilhelm gehört.

„Es fehlt jeder Gemeinde ein prägendes Gesicht“

Das ist offenbar selbst nach zehn Jahren noch nötig. „Wir wachsen immer noch zusammen“, berichtet Bernd Steinmetz aus der Volksdorfer Gemeinde. Für jeden gebe es eine emotionale Verbundenheit zur Heimatgemeinde. „Andererseits werden die Chöre aus Volksdorf, Rahlstedt, Poppenbüttel und Farmsen im nächsten Jahr zusammengelegt.“ Klaus Lutterbüse aus Bramfeld, der ebenfalls die Jubiläumsveranstaltungen mit organisiert, berichtet, dass die einzelnen Gemeinden sich anfangs noch abkapselten. „Heute fehlt das prägende Gesicht der Gemeinde. Das ist ein Grundproblem, das nicht überwunden wurde.“ 

Drei Generationen, eine Pfarrei (v. li.) : Carsten Tonn (54), Jan Heitmann (25) und Klaus Lutterbüse (84). Foto: Matthias Schatz

Lutterbüse plädiert dafür, dem Subsidiaritätsprinzip zu folgen, also alles, was auf Gemeindeebene geregelt werden kann, auch dort zu regeln. Auch Carsten Tonn möchte, dass sich die Pfarrei als „Dienstleister der Gemeinden“ begreift, es so zu Synergieeffekten kommt, also die Stärken der Gemeinden durch Zusammenarbeit der gesamten Pfarrei zugute kommen. Wünschenswert wäre dabei, dass die Geistlichen der Pfarrei schwerpunktmäßig einer Gemeinde zugeordnet würden. 

Eine gemeinsame Identität stiften, das ist auch eine Aufgabe für Jan Heitmann, den Vorsitzenden des Pfarrpastoralrats. Da er erst seit vier Monaten im Amt sei, sei er noch dabei, sich ein Urteil zu bilden, wie er sagt.

Matthias Schatz