Zwei Ehrenamtliche berichten über ihr Engagement
Mobiler Einkaufswagen unterstützt beim eigenständigen Einkaufen
Foto: Anton Kensbock
Oliver Schallenberg und Heino Theilen sind beim Mobilen Einkaufswagen engagiert.
Jeder muss irgendwann mal einkaufen gehen. Den klobigen Einkaufswagen ungelenk durch die viel zu engen Gänge und unaufmerksamen Menschenmengen zu schieben, um dann im Kassenbereich die langsamere der beiden Schlangen gewählt zu haben, birgt Frustrationspotential. Doch auch schon davor kann die gute Laune verloren gehen: Das Regal ist zu hoch und man reicht mit den Armen nicht an die gewünschte Ware heran. Oder es ist zu niedrig und beim Bücken streikt der Rücken. Und dann die Schlepperei. Doch es geht auch anders. Mit dem Mobilen Einkaufswagen der Malteser wird das Einkaufen erleichtert. Ehrenamtliche ermöglichen Menschen ein selbstständiges Einkaufen, wenn sie das aus eigener Kraft nicht mehr können.
Die Ehrenamtlichen des Mobilen Einkaufswagen in Osnabrück holen alle zwei Wochen die Kunden nacheinander zu Hause ab und bringen sie zu einem größeren Einkaufszentrum. Heute fahren Heino Theilen und Oliver Schallenberg die Tour im Stadtteil Wüste und bringen vier Seniorinnen zum Supermarkt. Vor dem ersten Abholstopp ist die Stimmung der beiden schon locker. „Ich hatte meine Malteserweste mal nicht an. Die Dame dachte, ich sei ein Versicherungsvertreter“, erzählt Heino Theilen lachend auf dem Beifahrersitz im großen Bus der Malteser. „Weil Nähe zählt“, steht auf den blauen Westen, die die beiden tragen.
Beim ersten Stopp eilt Heino Theilen nach draußen und hilft der Seniorin beim Einsteigen. Er legt eine Europalette als Einstiegshilfe vor das Auto und räumt ihren Einkaufstrolley in den Wagen. Dann zeigt Theilen ihr die Griffe an der Tür und stützt sie beim Einsteigen in das hohe Auto. Angekommen beim Einkaufzentrum schwärmen die Seniorinnen sofort aus. „Hat jemand noch einen Chip für den Einkaufswagen?“, fragt eine, Heino Theilen hilft. Dann sind sie verschwunden in der Tiefe des Ladens.
Die Seniorinnen kaufen weitgehend eigenständig ein. Die beiden Ehrenamtlichen bleiben in der Nähe, helfen beim Erreichen von hohen Regalen und beim Tragen. Eine Frau möchte unbedingt noch in die Drogerie, eine andere steuert zielstrebig den Erdbeerstand an.
Lange war Heino Theilen Abteilungsleiter in der Industrie. Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand. Darauf anspielend scherzt er: „Ich habe ja jetzt sozusagen 100 Prozent Homeoffice“. Nur herumsitzen möchte er nicht. Für den Mobilen Einkaufswagen ist er seit etwa einem halben Jahr aktiv. Mal als Fahrer, mal als Beifahrer.
Sein Kollege, Oliver Schallenberg, sitzt heute hinter dem Steuer. Er fand während eines Sabbatjahres zu den Maltesern. Er kündigte seinen Job und verbrachte 2025 mit Reisen, dem Lernen von Fremdsprachen und diesem Ehrenamt. Seit Januar hat er einen neuen Job. Alle zwei Monate begleitet er eine Tour – das lässt sich gut mit seiner neuen Vollzeitstelle verbinden, sagt er. Dass er im Gleitzeitmodell arbeitet, macht es einfacher.
Auch die Kundinnen vom Mobilen Einkaufswagen sind dankbar für das Angebot. Dinah Blut freut sich über die „tolle Truppe“ und besonders darüber, dass die Ehrenamtlichen ihren Einkauf bis in die Küche tragen, erzählt sie. Seit mehr als zehn Jahren fährt sie mit.
Helga Hellen nimmt seit 2019 den Mobilen Einkaufswagen in Anspruch. Auch sie hat im Stadtteilmagazin davon gelesen, war aber unsicher, ob sie dieses Angebot nutzen könne. „Ob man das denn einfach so machen darf?“, fragte sie sich und zögerte. Doch sie fasste sich ein Herz, rief bei Birgit Menke an und hat diese Entscheidung „nicht einen Tag bereut“.
Menke sucht weiter nach Ehrenamtlichen – denn die Nachfrage nach dem Mobilen Einkaufswagen ist groß. Es gibt schon eine Warteliste für Kunden. Mitmachen kann jeder, der einen Führerschein der Klasse B hat, bereit ist, eine Einweisung zu machen und motiviert zur Mitarbeit ist. „Jeder ist herzlich willkommen“, sagt Menke. Das Angebot ist für beide Seiten kostenlos, auch Geld- oder Sachspenden dürfen Ehrenamtliche nicht annehmen. Mittwochs werden die Stadtteile Darum, Gretesch, Lüstringen und Voxtrup angefahren, donnerstags die Stadtteile Wüste, Kalkhügel und der westliche Teil des Stadtteils Schölerberg. Menke weiß auch, was das Wichtigste am Mobilen Einkaufswagen ist: „Es muss ein Café dabei sein“, für das gemeinsame Kaffeetrinken danach. Nicht nur Dinah Blut freut sich über diese Möglichkeit, bei der alle Einkäufer und Ehrenamtlichen „ein bisschen schnacken können“.