Kirche muss Nachfolger suchen
Bätzing gibt Bischofskonferenz-Vorsitz ab
Foto: Harald Oppitz/kna
Verzichtet auf zweite Amtszeit: Bischof Georg Bätzing
Vertreter aus Politik und Kirche haben mit Bedauern auf den angekündigten Rückzug von Bischof Georg Bätzing reagiert. Der 64-jährige Bischof von Limburg hatte am Montag mitgeteilt, nicht mehr für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung zu stehen. Bei der Vollversammlung vom 23. bis 26. Februar in Würzburg wird nun ein Nachfolger für die kommenden sechs Jahre gewählt.
Bedauern in Politik und Kirche
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, bedauerte Bätzings Entschluss. "Zugleich hat dieser Schritt meinen vollen Respekt", sagte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Dem ZdK war er ein kollegiales, wahrhaftiges und hochengagiertes Gegenüber", so die Präsidentin des höchsten repräsentativen Gremiums der katholischen Laien in Deutschland.
Ähnlich äußerte sich die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs. Zugleich würdigte die Hamburger Bischöfin die gemeinsame Arbeit mit Bätzing. "Uns verbindet eine lange, vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der wir gemeinsam an unterschiedlichen Orten Verantwortung getragen und wichtige Fragen von Kirche und Gesellschaft im guten ökumenischen Miteinander beraten haben."
Politiker in Berlin hoben das Wirken Bätzings hervor. Dieser habe mit großer Umsicht die Bischofskonferenz geleitet, so der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU). Auch im politischen Raum genieße Bätzing hohes Ansehen, "weil er die Anliegen der katholischen Kirche differenziert und deutlich vertritt".
Der religionspolitische Sprecher der SPD und ehemalige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagte, Bätzing habe wichtige Debatten angestoßen. Heils Kollege in der Unionsfraktion, Norbert Altekamp (CDU), betonte, dass er Bätzing menschlich und theologisch sehr schätze.
Brief von Bätzing an seine Mitbrüder
In einem der KNA vorliegenden Brief an alle Mitglieder der Bischofskonferenz hatte Bätzing diese darüber in Kenntnis gesetzt, dass er für eine erneute Wahl nicht zur Verfügung stehe. Er habe sich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden. Nähere Gründe für seine Entscheidung nannte er nicht. Für die Wahl selbst wünsche er dem "Miteinander in der Konferenz weiterhin den Mut zum offenen Wort, zu konstruktivem Ringen und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen - um miteinander den Gläubigen in unserem Land und vielen mehr die Freude des Glaubens zu bezeugen".
Der Limburger Bischof, der im März 2020 auf den Münchner Kardinal Reinhard Marx gefolgt war, betonte weiter: "Es waren sechs intensive Jahre, in denen wir Bischöfe gemeinsam mit vielen anderen aus dem Volk Gottes einiges bewegen und für eine tragfähige Zukunftsgestalt von Kirche in unserem Land realisieren konnten. Jetzt ist es Zeit, diese für die Arbeit der Bischofskonferenz wichtige Aufgabe in andere Hände zu legen. Und ich bin mir sicher, es wird gut weitergehen."
Bei seiner Wahl galt Bätzing als behutsamer Reformer. Seine Amtszeit war geprägt von Debatten rund um den von seinem Vorgänger Marx mit dem ZdK angestoßenen Synodalen Weg. Der Dialog zur Zukunft der katholischen Kirche ging konservativen Kräften zu weit; Befürworter von Änderungen des kirchlichen Lebens dagegen vermissten tiefergehende Reformen. Mehrfach musste Bätzing im Vatikan für den Synodalen Weg werben.
Zur Sache
Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eines der 27 (Erz-)Bistümer oder unterstützen diese als Weihbischöfe. Derzeit hat die Bischofskonferenz 59 Mitglieder.
Die Konferenz mit Sitz in Bonn dient der Förderung der gemeinsamen Aufgaben, der Beratung und der Koordinierung der Arbeit. Sie gibt Richtlinien vor und pflegt Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Organ ist die jeweils im Frühjahr und im Herbst tagende Vollversammlung.
Die Frühjahrstreffen finden an wechselnden Orten statt. Die Herbstvollversammlung tagt normalerweise in Fulda und damit am Grab des "Apostels der Deutschen", des heiligen Bonifatius.
Vorsitzender der Bischofskonferenz ist seit März 2020 der Limburger Bischof Georg Bätzing. Nach dessen Amtsverzicht, soll bei der Vollversammlung vom 23. bis 26. Februar in Würzburg ein Nachfolger für die kommenden sechs Jahre gewählt werden.