Kirchliche Umbauprozesse aller Orten – auch in der kirchlichen Verwaltung?
Und ihr? Ändert ihr euch auch?
In allen Bistümern in Deutschland laufen große Umbauprozesse: So auch in Fulda, Limburg und Mainz. Mit Hilfe moderner Analysemethoden und mit den Prinzipien der Kirchenentwicklung wird fieberhaft nach passenden Strukturen und Inhalten mit Charisma gesucht. Pfarrgebiete werden größer, Kirchorte lebendig sichtbar. Doch in allem Mühen und Verändern fragen sich viele in den Gemeinden: Und die Bistumsverwaltung? Ändert die sich auch? Die Kirchenzeitung gibt Einblicke in das Maß des Änderns in den Bischöflichen Ordinariaten Limburg und Mainz und im Generalvikariat Fulda.
Fulda: Aus Acht mach’ Fünf
Der Prozess der Veränderung hat auch in Fulda einen Namen: „zusammen wachsen – Bistum Fulda 2030“. Im Gespräch erläutert Generalvikar Christof Steinert das neue Leitbild – das auch für die Verwaltungszentrale im Generalvikariat gilt.
Von Hans-Joachim Stoehr

steht die inhaltliche Veränderung der Arbeit auf der Agenda – gemäß einem
neuen Leitbild. Foto: Archiv
Mit der „Struktur der Verwaltung“ befasst sich innerhalb des Bistumsprozesses Fulda 2030 eine eigene Fachgruppe. Geleitet wird sie vom Fuldaer Generalvikar Christof Steinert. Da die meisten der Mitglieder der Fachgruppe eine räumliche Nähe zu Fulda haben, konnte die Gruppe gut weiterarbeiten in den vergangenen Monaten. Dabei geht es um Veränderungen im Generalvikariat, der diözesanen Verwaltung.

Christof Steinert
Foto:
Hans-Joachim
Stoehr
Inzwischen hat die Gruppe ein „Funktions-Modell“ erarbeitet. Das bedeutet: Es sind noch keine Stellen festgelegt, aber die verschiedenen Bereiche und ihre Zuordnung. „Die derzeitige Struktur des Generalvikariats stammt im Wesentlichen aus den 1980-er Jahren. Vor allem in den vergangenen Jahren hat sich viel verändert“, betont Generalvikar Steinert. Er nennt das Beispiel der Bauabteilung. Dort gibt es bisher eine regionale Aufteilung. Künftig wird hier in inhaltliche Bereiche aufgegliedert wie etwa „baurechtliche Fragen“, „Mieten und Pachten“ oder „Denkmalschutz“.
„Wichtig ist es, Synergien zu schaffen“, unterstreicht Steinert. Und dies auch mit Blick auf die Zukunft, in der sich die finanzielle Situation wahrscheinlich verschlechtern wird. Zum anderen ist es dem Verwaltungschef des Bistums wichtig, dass die Strukturen nach außen nachvollziehbar sind. Denn, so sagt er: „Wir sind zum einen eine Behörde, zugleich aber vor allem Dienstleister für die Kirchengemeinden und Innovationszentrale für das Bistum.“
Das bedeutet für Steinert dann auch, dass neben der gebotenen Transparenz auch eine Flexibilität nötig ist, was die verschiedenen Aufgabenbereiche anbelangt. Dies sei ein dynamischer Prozess, ist er überzeugt. Als Konsequenz daraus müsse die Frage nach dem „Warum und Wozu“ immer wieder neu gestellt werden.
Bisher gab es im Fuldaer Generalvikariat neben den Stabsstellen, die direkt dem Generalvikar zugeordnet waren, acht Abteilungen. Künftig ist geplant, diese Abteilungen durch fünf Fachbereiche zu ersetzen. So werden die Abteilungen „Seelsorge“, Erwachsenenbildung“ und Schule/Hochschule/Medien“ zu einem Bereich „Pastoral, Bildung, Kultur“ zusammengeführt. „Hier gibt es viele Schnittpunkte. Manches ist bisher auch nebeneinander gelaufen“, sagt der Generalvikar. Als Beispiel nennt er das Referat Schülerseelsorge im Seelsorgeamt und den Bereich Schulpastoral in der Abteilung Schule/Hochschulen. Dies werde künftig zusammengeführt.
Ein anderes Beispiel für eine solche Vernetzung ist der Bereich Caritas. Da ist zum einen der Bereich des Caritasverbands und seiner Dienste. Wie der Verband als Fachbereich angekoppelt werden kann, soll in einem eigenen Prozess geklärt werden. Neben der verbandlichen Caritas gibt es noch das weite Feld der Caritasarbeit in den Gemeinden. Dies soll künftig die Abteilung „Diakonische und kategoriale Pas-toral“ im Fokus haben. Sie ist im Fachbereich „Pastoral, Bildung und Kultur“ angesiedelt.
Zu dem Fachbereich gehört auch die Abteilung „Bildung und Kultur“ – bislang die Abteilungen Schule und Erwachsenenbildung. Zum Tätigkeitfelds dieser Abteilung zählen auch die Theologische Fakultät oder die Kirchenmusik mit dem diözesanen Institut. Diese Bildungsstätten bleiben allerdings weiterhin eigenständig – wie etwa auch die katholischen Schulen im Bistum, führen aber kein Eigenleben ohne Einbindung in das weite Feld von Seelsorge und Bildung.
Die bisherigen zwei Abteilungen „Personal“ und „Pastorale Dienste“ werden zu einem Fachbereich „Personal“ zusammengeführt. Hinzu kommen als neue Aufgabenfelder Fachstellen wie etwa „Intervention und Prävention“ oder „Arbeitsschutz“.
Mainz: Prozessabläufe ändern

Das Bistum Mainz befindet sich derzeit in allen 20 Dekanaten auf dem Pastoralen Weg. Was sich dabei im Bischöflichen Ordinariat tut, erklärt Generalvikar und Weihbischof Udo Markus Bentz.

Weihbischof Udo
Markus Bentz
Foto: Bistum
Mainz / Werner
Feldmann
„Aktuell sind in der Struktur des Bischöflichen Ordinariats keine größeren Veränderungen vorgesehen. Die hatte es bereits 2019 gegeben: So wurden die Dezernate Weiterbildung sowie Hochschulen und Schulen als Dezernat Bildung zusammengeführt; außerdem wurde das Dezernat Jugend und das Dezernat Pastorale Räte ins Seelsorgedezernat integriert.
Natürlich ist für die Zukunft grundsätzlich nicht auszuschließen, dass es auch im Bischöflichen Ordinariat in Mainz zu weiteren Veränderungen kommt. Denn auch das Ordinariat ist Teil des Pastoralen Wegs, einem Weg, der nicht nur pastorale Erneuerungen, sondern auch eine Vielzahl struktureller Veränderungen und Anpassungen mit sich bringen wird. Diesen Veränderungsprozess begleitet das Bischöfliche Ordinariat.
Uns beschäftigen unter anderem auch vielfältige betriebswirtschaftliche und organisatorische Maßnahmen, die für das Bistum in der Fläche gut vorbereitet, aufgestellt und unterstützt werden müssen. Hier sei beispielhaft das NFK-Projekt, die ,Neue Finanzbuchhaltung Kirchengemeinden‘, genannt, die derzeit läuft.
Geplant sind aber personelle Veränderungen, die auch wichtig sind für den Pastoralen Weg: So wird es zukünftig eine Stelle für Strategieentwicklung IT und Digitalisierung geben, die die IT-Strategie und die aktuelle Digitalisierung des Bistums entwickeln wird. Hier gab es Ende August eine Stellenausschreibung.
Auch im Bereich der Organisationsentwicklung sowie im Prozessmanagement und Prozesscontrolling wird es in den kommenden Monaten zu weiteren Veränderungen kommen.
Denn an vielen Stellen ist spürbar, dass unsere bisherigen Prozess-abläufe den veränderten Bedingungen nicht mehr entsprechen.
Dies wird im Blick auf die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen im Rahmen des Pastoralen Wegs noch dringlicher werden.“
Limburg: Grundhaltung auf allen Ebenen ändern
Die Volkskirche läuft aus. Das ist der Grund, warum im Bistum Limburg ein Transformationsprogramm, ein Umbau, nötig wurde. Auf allen Ebenen. Auch im Bischöflichen Ordinariat, in der Bistumsverwaltung. Wie Johannes Weuthen, Chef des Programms, betont.
Von Heike Kaiser

Das Transformationsprogramm im Bistum Limburg setzt nicht an der Änderung von Strukturen an, wie dies eine Organisationsentwicklung tun würde: „Es geht um die Gewinnung eines gemeinsamen Blicks auf die Frage: Für wen sind wir als Kirche da? Dieser Blick fordert zu einer echten Teilhabe am Leben der Menschen, ihren Fragen, Nöten und Sorgen auf. Nachdem sich Einrichtungen, Initiativen und Pfarreien vor einigen Jahren in diesem Sinne auf den Weg gemacht haben, soll das Transformationsprogramm nun Kirchenentwicklung auf den Ebenen der Bezirke und des Bistums anstoßen und damit auch im Bischöflichen Ordinariat“, erläutert Johannes Weuthen, der das Programm intern leitet. Es startete im August 2019 und soll Ende September 2021 abgeschlossen sein. „Diese Zeitspanne wird eingehalten“, sagt Weuthen. „Der Prozess der Kirchenentwicklung jedoch geht weiter.“

Foto: Bistum Limburg
Warum wurde das Transformationsprogramm nötig? „Weil die Volkskirche ausläuft, in der Gesellschaft fortlaufend an Bedeutung verliert und weil die Bindekraft der Kirche nach innen rapide nachlässt“, antwortet Weuthen. „Wir stehen damit vor einer riesigen Herausforderung“, ergänzt er.
Es gelte, die Grundhaltungen der Kirchenentwicklung miteinander einzuüben – wie zum Beispiel, offen zu sein für die Zeichen der Zeit, vertrauen zu können und vertrauenswürdig zu sein, Beteiligung zu ermöglichen, Innovation zuzulassen, fehlerfreundlich und konfliktfähig zu sein. „Wir müssen die Kirche von der Zukunft her denken und sie nicht als Verlängerung der Gegenwart gestalten wollen“, macht Weuthen klar. „Bischof Georg Bätzing fragt bei Visitationen nicht: ,Was gibt es alles bei euch?‘, sondern er will wissen: ,Was ist bei euch gewachsen, neu entstanden?‘ Oft sind die Menschen überrascht darüber, wie ernst es ihm damit ist, aus dieser Perspektive heraus die Kirche zu gestalten.“
Damit das gelingt, gelte es, sich den Lebenssituationen der Menschen zu stellen und aus der Jesus-Haltung heraus zu fragen: Was kann ich dir tun? Wie kann ich mit dir leben? Wie kann deine Lebensgeschichte mit der großen Heilszusage in Verbindung kommen, für die wir als Christen Zeugnis geben dürfen? „Da setzt die Kirche künftig viel mehr an und wird im Sinne von Papst Franziskus wohl so manche Beule erhalten.“
Um diese Bewegung mit Kraft zu versehen, wird eine zentrale Frage dabei sein: „Wo werden zukünftig welche Ressourcen verantwortet? Damit das, was wächst, auch möglichst gut unterstützt werden kann. Diese Bewegung unterscheidet sich fundamental von der der Volkskirche “, unterstreicht der interne Programmleiter.
In fünf Handlungsfeldern soll erkennbar sein, dass Kirche sich in diesem Sinne entwickelt – unter anderem in einer neuen Art der Kommunikation, im Leitungshandeln, in Beratungs- und Entscheidungsprozessen. Erkenntnisse darüber, wie das gelingen kann, seien unter anderem in vielen Exkursionen gewonnen worden. „Überall, wo Kirche wächst, sind diese Grundhaltungen der Kirchenentwicklung anzutreffen – egal, ob in Südamerika, auf den Philippinen oder in Frankreich. Es geht nicht um ein Kopieren, sondern um ein Kapieren und Einüben auf unsere Situation hin“, sagt Weuthen.
Das Bischöfliche Ordinariat und die Bezirke der Zukunft werden sich völlig neu aufstellen müssen, um diese Bewegung des Wachsens unterstützen zu helfen, ist sich Johannes Weuthen sicher. Für das Bischöfliche Ordinariat bedeutet dies ein Umdenken, wie in Zukunft Dienstleis-tungen und Aufsicht in einer dienenden und ermöglichenden Weise erbracht werden können: „Was können wir dafür tun, damit das, was vor Ort beginnt, soviel Unterstützung erhält, damit es Kraft bekommt?“ „Ein hoch emotionales Thema“, sagt Weuthen. „Weil Veränderung auch wehtut. Ich muss abgeben und loslassen, um etwas anderes stark zu machen. Das haben wir bislang nicht eingeübt.“ Aber es ist notwendig, um in einer neuen Kirchengestalt die Begegnung von Gott und Menschen erleben zu können.
Zur Sache: Wie viele in der Verwaltung?
Im Bischöflichen Generalvikariat Fulda (BGV) sind 170 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Voll- und Teilzeit tätig.
Im Bischöflichen Gericht (Offizialat) arbeiten sieben weitere Männer und Frauen.
Das Bischöfliche Ordinariat in Limburg (BO) hat sechs Dezernate: Pastorale Dienste, Schule und Bildung, Kinder, Jugend und Familie, Caritas, Personal sowie Finanzen, Verwaltung und Bau. In der Zentralen Verwaltung sind rund 400 Frauen und Männer beschäftigt.
Im Bischöflichen Ordinariat des Bistums Mainz (BO) gibt es sieben Dezernate (zum Beispiel das Seelsorgeamt), dazu kommt das Offizialat.
Nach Auskunft der Personalverwaltung arbeiten im Bereich des Ordinariats (also der Verwaltung) rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. (red)