Mädchen möchte Nonne werden: Der Film "Glaube"

Willst du das wirklich?

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Foto Film "Glaube"
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Foto: Leonide/David Herranz

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Ainara erwägt, in einen Orden einzutreten. Mutter Oberin freut sich – Ainaras Familie weniger.

Stellen Sie sich vor, Ihre Tochter oder Enkelin kommt auf die Idee, ins Kloster einzutreten. Wie würden Sie reagieren? Vielleicht so wie die Familie von Ainara in dem spanischen Film „Glaube“, der gerade in den Kinos anläuft.

Ainara (Blanca Soroa) geht in Bilbao auf eine katholische Schule. Sie und ihre Freundinnen sind ganz normale Teenager. Sie albern herum, hören Musik, verquatschen auf Klassenfahrt die Nächte und träumen von der Zeit nach der Schule.

Für Ainaras Mittelstandsfamilie steht fest: Sie wird mal studieren. Doch irgendwann rückt die 17-Jährige mit ihrer eigenen Idee heraus: Sie will ins Kloster gehen. Verrückt. Wer will heute noch Nonne werden? Wie kommt sie darauf? Liegt es daran, dass ihre sehr gläubige Mutter früh gestorben ist? Ist es der Wunsch, ihr irgendwie nahe zu sein? Sorge und Entsetzen – das treibt die Erwachsenen um.

Ainara versteht die Aufregung nicht. Sie glaubt eben intensiver als der Durchschnitt. Sie fühlt sich im Kloster, in dem sie immer mal wieder Zeit verbracht hat, wohl: angenommen, verstanden von den Schwestern, glücklich. Und, das Wichtigste: Sie fühlt sich von Gott berufen – oder zumindest will sie „ihre Berufung klären“. Das erzählt sie ihrer Tante Maite (Patricia López Arnaiz), die ein Stück Mutterrolle übernommen hat.

Spanien ist katholisch, denkt man. Aber in dieser Familie ist alles ähnlich wie hier. „Ich habe die Erstkommunion eigentlich nur wegen der Geschenke gemacht“, sagt Onkel Pablo. „Und ich, weil die Oma es so gerne wollte“, ergänzt Tante Maite. Ainaras Versuche, zu erklären, was sie fühlt – die Liebe zu Jesus, der Ruf in die Nachfolge, die Hingabe – treffen auf Unverständnis.

Die Familie wittert Beeinflussung

Der Film vermeidet alle Klischees und verteilt die Sympathien gut. Wenn Ainara argumentiert, glaubt man ihr. Wenn die Erwachsenen warnen, dass sie ihre Liebe zu Jesus überschätzt, dass sie falsche Gründe hat, dann ist auch das völlig verständlich. „Lass dir Zeit“, sagt ihre Tante. „Geh zur Uni, reise, lerne die Welt kennen. Und wenn du danach immer noch Jesus heiraten willst, dann tust du es.“

Noch skeptischer wird die Familie, als ihr Vater Iñaki (Miguel Garcés) Ainaras Geistlichen Begleiter kennenlernt. Padre Txema unterrichtet an ihrer Schule und ist jung, smart und absolut gutaussehend. Ein Mann, für den eine 17-Jährige einfach schwärmen muss. Ist da vielleicht noch eine andere Liebe im Spiel als die zu Jesus? Berät der Padre überhaupt objektiv? Die Familie wittert Beeinflussung, Indoktrination. Und was hat die Enttäuschung mit einem Jungen, der in Ainaras Chor singt, mit der Klosteridee zu tun?

Ainaras Vater ist insgesamt nicht ganz so ablehnend wie ihre Tante Maite. Er hält eine religiöse Berufung immerhin für möglich, während Maite nach einem guten Psychologen ruft. Oder nach einem Auslandsjahr in einem nichtkatholischen Land. Onkel Pablo (Juan Minujín) hat wenig Meinung, er ist eher neugierig. „Wie machst du das mit dem Beten?“, fragt er. Und: „Antwortet Gott dir, wenn du mit ihm sprichst?“ 

Tante Maite fühlt sich im Aufwind, als Anaira beim Knutschen mit besagtem Jungen aus dem Chor erwischt wird. „Das erzählen wir der Priorin“, schlägt sie ihrem Bruder vor. „Dann, wenn wir sie zum Probewohnen ins Kloster bringen.“ Denn die Ordensleitung hat ja auch ein Wort mitzureden, wenn es um den Eintritt geht.

Über die Glaubensfragen hinaus ist der Film, der bereits bei einigen Festivals Preise gewonnen hat, auch musikalisch interessant. Der Schulchor bildet immer wieder mal den Soundtrack – geistlich und modern, eine durchaus ansprechende Mischung. Auch die Schwestern, zu denen Ainara neigt, singen das Stundengebet richtig gut. Ob das aber reicht, um Ainaras Berufung zu festigen, das wird sich zeigen.

Susanne Haverkamp

Glaube. Regie: Alauda Ruizde Azúa. 115 Min. Kinostart: 29. Oktober