Horrorfim über Exorzisten im ZDF

Zweifelhaftes Vergnügen

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Russel Crowe als Exorzist
Nachweis

Foto: ZDF/Jonathan Hession  

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Pater Gabriele Amorth (Russell Crowe) geht auf Dämonenjagd.

In der Reihe Montagskino zeigt das ZDF einen Horrorfilm. Das wäre an sich kein Thema, wäre die Hauptperson nicht ein Exorzist des Vatikans. Und zwar einer, den es wirklich gab und der seine Lebenserinnerungen für den Film freigegeben hat.

Gabriele Amorth, geboren 1925 in Modena und 1951 in Rom zum Priester geweiht, war Exorzist. Ganz offiziell. Ab 1986 Exorzist der Diözese Rom, von 1994 bis 2000 zusätzlich Vorsitzender und anschließend bis zu seinem Tod 2016 Ehrenvorsitzender der Internationalen Exorzistenvereinigung. Auch Bücher hat er geschrieben: „Ein Exorzist erzählt“ heißt das erste, „Neue Berichte eines Exorzisten“ das zweite. 

Darauf wurde der Filmproduzent Michael Patrick Kaczmarek aufmerksam. Er konnte Amorth im Jahr 2015 von der religiösen Seriosität seines Filmvorhabens überzeugen und eine Freigabe der Memoiren erreichen. Dann starb der Priester, und ein Jahr später erwarb ein Freund von Kaczmarek, der Jesuit Eddie Siebert, die Rechte an Amorths Lebensgeschichte. Siebert selbst unterrichtete Film an der Loyola Marymount University in Los Angeles und leitete die universitätseigene Filmproduktionsgesellschaft. Dennoch sah er sich wegen der Größe des Projekts nicht in der Lage, die Verfilmung selbst zu realisieren. So nahm das Unheil seinen Lauf. Denn bald ging es nicht mehr um einen konventionellen Exorzismusfilm und schon gar nicht um eine ernsthafte Biografie. Vielmehr wird der von Russell Crowe gespielte Gabriele Amorth als superheldenartiger Dämonenjäger dargestellt werden – alle ekligen Spezialeffekte des Horrorfilms inklusive.

Gabriele Amorth
Gabriele Amorth. Foto: Gabriele Amorth

Im Keller haust Asmodäus

Und das ist die Story: Julia Vasquez (Alex Essoe) zieht mit ihren Kindern in eine heruntergekommene Abtei in Kastilien. Der Vater ist im Jahr zuvor bei einem Autounfall gestorben; seitdem ist Sohn Henry schwer traumatisiert und spricht nicht mehr. Seine Schwester Amy ist eine trotzige Teenagerin, die immer wieder gegen ihre Mutter rebelliert. 

Als Henry die Kellerräume erkundet, entdeckt er ein gebrochenes Siegel des Vatikans und wird von einem Dämon besessen. Seine Mutter hält sein seltsames Verhalten zunächst für eine psychische Störung, doch Ärzte können nicht helfen. Deshalb wendet sich Julia an den örtlichen Pfarrer Tomás Esquibel (Daniel Zovatto), der jedoch keine Erfahrungen mit Exorzismen hat und den Vatikan alarmiert. Vom Papst persönlich wird Pater Gabriele Amorth so mit dem Fall betraut. 

Ein erster Versuch, den Dämon auszutreiben, scheitert, denn Asmodäus ist ein besonders fieser. Für Bibelkundige: Er trieb schon im biblischen Buch Tobit (3,8) sein Unwesen als Männermörder. Danach war er überall auf der Welt unterwegs – auch im Vatikan, man kennt ihn dort. Im Kampf gegen ihn müssen Tomás Esquibel und Gabriele Amorth nicht nur all ihre Glaubenskräfte einsetzen, sondern auch ihr eigenes Leben. Denn natürlich sind auch sie attraktive Opfer für Asmodäus.

Die Exorzisten distanzieren sich

Als der echte Exorzist Gabriele Amorth seine Memoiren für den Film vergab, hatte er sich das so natürlich nicht gedacht. Daher protestierten seine Nachfolger in der Internationalen Vereinigung der Exorzisten scharf. Die reißerische Darstellung verzerre und verfälsche die wahren Erlebnisse von Exorzisten und sei eine Beleidigung für alle Betroffenen einer Besessenheit. Was aber nur zeigt: Auch wenn Amorth selbst einmal sagte, dass 90 Prozent der Verdachtsfälle an Psychiater überwiesen werden müssen – dass es Dämonen gibt und dass Exorzisten sie durch ihr Gebet austreiben können, daran zweifelte er keine Minute. Nicht im Film und nicht im wahren Leben.

Susanne Haverkamp