Diözesanarchiv Dresden-Meißen

Faltenfreies Gedächtnis

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Birgit Mitzscherlich, Leiterin des Diözesanarchivs in Bautzen, steht an einem Tisch, auf dem eine alte Urkunde liegt
Nachweis

Foto: Tomas Gärtner

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Birgit Mitzscherlich, Leiterin des Diözesanarchivs in Bautzen, mit einer restaurierten Urkunde von 1347.

Jahrzehntelang ging es wertvollen Urkunden im Diözesanarchiv in Bautzen schlecht. Drei Jahre lang wurden sie gereinigt und restauriert. Nun sind sie fit für die Zukunft.

Fast 680 Jahre alt ist das beschriebene Pergament. König Karl IV. hat es 1347 ausstellen lassen, 1355 wurde er römisch-deutscher Kaiser. Drei Privilegien bestätigt er darin: Volkszählungen, Pachten einzuziehen und ein Gut zu kaufen. „Er war sogar in Bautzen zu Besuch“, weiß Clemens Wöppel zu berichten. Eine unersetzliche Quelle der Erinnerung, die der Archivar so makellos präsentiert, wie das Schriftstück lange nicht ausgesehen hat. Wöppel hatte es der Kategorie „Rot“ zugeordnet. Das waren die 40 Dokumente mit den gravierendsten Schäden: „Sie hatten Fehlstellen, wiesen starke Verunreinigungen auf, teilweise auch Schimmel.“ Der 35 Jahre alte Historiker hat fast tausend Urkunden gesichtet; im Diözesanarchiv in Bautzen, dem Gedächtnis des 968 gegründeten Bistums Meißen, seit 1979 Dresden-Meißen. 269 Urkunden wiesen kleinere Risse auf und kamen in die Gruppe „Gelb“. Den größten Teil jedoch konnte er der Kategorie „Grün“ zuschlagen. „Die mussten nur gereinigt werden.“ Dass es so viele waren, habe ihn überrascht und erleichtert.

Nach drei Jahren sind die wertvollsten Urkunden nun gesichert und können angemessen gelagert werden, sagt Birgit Mitzscherlich, Leiterin des Diözesanarchivs. Das hat fast 84 000 Euro gekostet, mehr als 70 Prozent dieser Summe kamen von Bund und Freistaat. Viele Jahre waren die Dokumente eher sorglos aufbewahrt worden. Im Mittelalter etwa packte man sie in Urkundentruhen. „In einem Karton lagen 24 Urkunden gefaltet aufeinander. Das ist auf Dauer nicht förderlich“, so Mitzscherlich. Pergament, aus Tierhaut gefertigt, wird starr. Will man lesen, was drinsteht und sie dazu ausbreiten, können die Knickstellen brechen.

Mitarbeiterinnen von „Paperminz“, einer Werkstatt in Leipzig, haben die Urkunden mit Latex-Schwämmen nicht nur von Staub oder kleineren Schimmelflecken gereinigt, wie Clemens Wöppel erzählt. „In einer Klimakammer haben sie die Pergamente erst leicht mit Wasserdampf befeuchtet, so dass sie weich wurden, und dann aufgefaltet. Jetzt kann es keine Brüche mehr geben.“

Gelagert sind die Pergamente nun auf Papptafeln mit Abstandshaltern. Halterungen fixieren auch die Siegel. An einem Brief hängen gleich 13 davon. Es sind die von Bischöfen und Erzbischöfen, die 1317 Gläubigen, die in den Bautzner Dom St. Petri kamen, Ablass gewährten. Gesichert verpackt liegen die Dokumente in flachen, blaugrauen Pappkartons, in Metallregalen im Sonderlager. Dessen Stahltüren sind besonders gesichert. Eine Klimaanlage sorgt für konstante 18 Grad. Sollte ein Brand ausbrechen, bläst eine Löschanlage Stickstoff hinein, der die Flammen erstickt.

Eine alte Ablassurkunde
Foto: Rafael Ledschbor

Die älteste Urkunde stammt von 1221. „Mit ihr beginnt die Geschichte des Domkapitels“, sagt Andreas Kutschke, Generalvikar und Domdekan. Aber Auskunft bekomme man hier auch über die Vergangenheit der Oberlausitz, etwa urkundliche Ersterwähnungen von Ortschaften. 1331 wurde in einem Dokument die erste Schule in Bautzen erwähnt. „Unser Archiv ist also auch für die Regionalgeschichte wichtig.“ Bis heute kommen wichtige Akten hinzu, wie die Urkunde von der Seligsprechung Alois Andritzkis 2011 mit der Unterschrift von Papst Benedikt XVI..

Tomas Gärtner