Anstoß 23/2025

Miteinander geht es

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„Ist es noch weit?“ fragen Jugendliche auf dem Jakobsweg und überlegen, ob man lieber den nächsten Bus nehmen sollte. Durchhalten – leichter gesagt als getan. Das gilt für viele Bereiche des Lebens.

Porträt Marko Dutzschke
Pfarrer Marko Dutzschke, Lübbenau

Ein Geschäft weiterführen, das nicht mehr läuft. Eine Familie zusammenhalten, die immer weiter auseinanderdriftet. Sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern.

Was hilft beim Durchhalten? Manche sagen: Du musst ein Ziel vor Augen haben. Viele haben das und halten doch nicht durch. Im Alten Testament wird im Buch Exodus von einer Schlacht berichtet (Ex 17,8-13). Mose steht auf einem Hügel. Solange er seine Hand erhoben hält, gewinnen die Israeliten. Mose weiß, worum es geht. Er hat eine neue Heimat vor Augen. Trotzdem wird er müde und lässt die Arme sinken. Die Geschichte bietet eine andere Lösung für das Durchhalten. Mose ist nicht allein. Aaron und Hur sind bei ihm. Als Mose nicht mehr kann, greifen sie ihm buchstäblich unter die Arme. Was Mose allein nicht schafft, schaffen sie zusammen.

Durchhalten geht gemeinsam leichter. Das gilt für Mose und seine Aufgabe in der Schlacht. Das gilt auf dem Jakobsweg und für alles, was Menschen im Glauben miteinander tun. Das gilt für unser ganzes Leben und ist alles andere als selbstverständlich.

Der 9. November ist ein zwiespältiger Tag in Deutschland. Er wird immer mit der beschämenden Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 verbunden sein. Aber er erinnert auch an den Fall der Mauer 1989. Ein Tag, der nur möglich wurde, weil Tausende durchgehalten und einander unter die Arme gegriffen haben.

Durchhalten geht miteinander. Das galt 1989 und es gilt bis heute in unserem Land, wenn wir weiter in einer Demokratie mit all ihren Freiheiten und Möglichkeiten leben wollen. Mose hat auf das richtige Pferd gesetzt. Schaffen wir das auch?

Marko Dutzschke