Anstoß 18/2025
Gesucht und gefunden
Katholische Polizeiseelsorgerin in Mecklenburg-Vorpommern
Ich suche mehrere Tage nach ihr. Im Auto. Im Haus. In den Außentaschen der inzwischen leeren Koffer. Vergeblich. Verzagt rufe ich in dem Freibad an, in dem ich sie zuletzt gesehen habe. Und siehe da: Jemand hat die Uhr gefunden und dort abgegeben. Ich freue mich riesig! Und bin dem ehrlichen Finder sehr dankbar. Denn nun kann ich sie mir zuschicken lassen.
Ich muss an die Bibelgeschichte denken mit der Frau, die nach einem Geldstück sucht. Sie braucht lange dafür. Zum Schluss wird ihre Bemühung von Erfolg gekrönt. Voller Freude feiert sie das Auftauchen des Geldstückes mit Freunden.
In der Bibel steht diese Suche sinnbildlich für das Bemühen Gottes um jeden Einzelnen. Wer zu Gott findet, über den ist die Freude groß.
Mich beschäftigt die Geschichte noch länger: Ich frage mich, wie oft ich überhaupt etwas im Leben suche, das mir wichtig ist. Und wie viel Zeit ich dafür investiere. Sicher, Uhren kann man zum Beispiel nachkaufen. Aber diese Uhr ist mir wichtig, weil ich so eine ähnliche als Studentin mal von meinen Großeltern geschenkt bekam. Seitdem erinnert mich der Blick auf mein Handgelenk an meinen verstorbenen Opa.
Es gibt aber auch Dinge, die ich verliere – und nach denen ich nicht sonderlich suche. Weil die Zeit nicht reicht. Oder das Verlorene für mich nicht wichtig genug ist.
Wenn es Gegenstände sind, ist das einfacher. Bei Beziehungen, Fähigkeiten oder anderen Dingen ist die Situation schon schwieriger. Dann suche ich manchmal verzweifelt und erfolglos.
Wie ist es denn mit Blick auf meine Beziehung zu Gott, überlege ich weiter. Sucht er mich vielleicht auch gerade wie die Frau das Geldstück? Bin ich gefunden worden? Oder gar nicht verloren gegangen? Während ich darüber nachdenke, merke ich, dass ich das auf keinen Fall verlieren möchte: den Draht „nach oben“ Nicht nur, weil ich Seelsorgerin bin. Sondern, weil es mir persönlich viel bedeutet.