Anstoß 07/2025

Kreuze mittragen

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In meiner norddeutschen Heimat, in Rieste-Lage, hängt ein großes schweres Kreuz in der Kirche. Immer wieder kommen Gruppen mit ihren Gebetsanliegen an diesen Ort. Oft geht es in den Gebeten um einen Schwerkranken oder Sterbenden.

Porträt Pater Josef kleine Bornhorst
Pater Josef kleine Bornhorst
Dominikanerkloster Leipzig

Die Gruppen tragen das Kreuz aus der Kirche, gehen um die Kirche und beten dabei den Schmerzhaften Rosenkranz. Sie sind Jesus und den Kranken bei diesem Kreuztragen nahe.

Menschen sind also auch heute bereit, mitzutragen, mitzuhelfen, wenn Menschen unter der Last ihres Kreuzes leiden oder zusammenbrechen. Sie helfen und sind wie Simon von Cyrene, der Jesus half, sein Kreuz zu tragen.

Die Fastenzeit ist auch eine Besinnungszeit, in der ich mich in Frage stelle: Wie verhalte ich mich? Schaue ich zu, wie die Gaffer am Wegesrand oder packe ich an und helfe mit, wo ich helfen kann, wie Simon von Cyrene, nach der Devise, einer trage des anderen Last?

Wenn ich die Augen aufmache und hinschaue, bemerke ich in meiner Nähe, in der Familie, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde Menschen, ganz konkrete Menschen, die ihr Kreuz tragen müssen oder unter der Last leiden und zusammenbrechen.

So sehe ich bei meinen Besuchen im Altenheim viel Leid, sehe sterbenskranke und gebrechliche Menschen, deren Krankheiten ein echtes Kreuz sind – auch für die Angehörigen. Auch hier handelt das Pflegepersonal wie Simon von Cyrene: Sie helfen, das Kreuz zu tragen, damit es für den Betroffenen und den Angehörigen erträglicher wird.

Dieses Mittragen, dieses Kreuztragen ist ein Liebesdienst der Diakonie und der Caritas, ist Gottes- und Nächstenliebe.

Pater Josef kleine Bornhorst