Anstoß 19/2025

Sonntag. Unser Tag.

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„Es sind sogar mehr da als sonst!“ Die Erwartungen sind übertroffen worden. Die Freude darüber springt mir in der SMS der Wort-Gottes-Leiterin entgegen.

Porträt Lissy Eichert
Lissy Eichert
Pastoralreferentin in Berlin

In den Sommerferien kommen am Sonntag um 10 Uhr erfreulich viele Menschen in den Gottesdienst in Nord-Neukölln. „Wie klasse!“, tippe ich begeistert ins Handy, während mich die Wälder Brandenburgs umgeben. Da, wo die Wölfe hausen, Rehe im Wiesengrund friedlich grasen, Hasen herum hoppeln und Füchse neugierig ihre Nasen um die Ecken strecken. Nach dem Regen riecht es intensiver nach Wald. Die Sonne trocknet letzte Regentropfen, bunte Farben schimmern auf den Blättern. Einatmen. Kraft tanken. Ausatmen. Loslassen. Handyempfang ist Glücksache, was zusätzlich entlastet. Wie von selbst passiert ein Gespräch mit der Quelle des Lebens: „Danke, mein Gott, für deine Schöpfung. Danke für diesen Moment, in dem die Seele herrlich frei aufatmen kann!“ Und dann hat es „ping“ gemacht. 

Wir simsen. „Schönen Urlaub!“, wünscht die Wort-Gottes-Leiterin. „Und mach Dir keine Gedanken. Es läuft alles richtig gut.“ Irgendwann später erreicht mich ein Beweisvideo. Zu sehen sind wirklich gut gefüllte Kirchenbänke, zu hören ist voller Gemeindegesang, von der Orgel begleitet, zu spüren, dass der Geist des Gebets im Raum wehte, Halleluja!

Donnerwetter, da wäre ich gern dabei gewesen. Sicher, das Waldbad hat mich in Gottes Gegenwart erfrischt. Doch wie schön ist es, wenn selbst eine Handvoll Glaubensgeschwister zusammenkommen, um aus den Quellen zu schöpfen, die das Wort Gottes bereithält: Hoffnung, Trost, Befreiung, Orientierung in den Zumutungen und so viel mehr. Nachdem keine Vertretungen durch Priester gefunden wurden, hatten sich die Wort-Gottes-Leiter und -Leiterinnen die Sonntage aufgeteilt. Wir feiern seit Jahren regelmäßig zwei Mal im Monat eine Wort-Gottes-Feier, leiten sie im Team. Dabei war lange nicht klar, wie sie angenommen würden. Eine jüngste Umfrage ergab insgesamt ermutigende Rückmeldungen für unsere Gottesdienstgestaltung: Gottesdienstteilnehmer lobten die Vielfalt in der Verkündigung, die inspirierende Atmosphäre, das Gefühl, willkommen zu sein, Gebetskraft und immer wieder die Musik. Meist die Orgel, mal Gitarre, mal die Gospelsängerin, der Kirchenchor oder auch ein Bandoneon unterstützen den Gemeindegesang. 

Mein Fazit, auch als Tipp für Immobilienprozesse: Wo am Sonntag die Gemeinde Jesu Christi zusammenkommt schafft Kirche sich nicht ab. Im Gegenteil, sie lebt auf!

Lissy Eichert