Ökumene auf der Ostseeinsel Hiddensee
Die Katholiken von Hiddensee
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In der evangelischen Inselkirche gibt es einiges zu entdecken…
Die Insel Hiddensee in der Ostsee: 300 000 Besucher jährlich, 1000 Einwohner in vier Orten, mit zwölf Fahrradverleihen, drei Häfen und null katholischen Kirchen. Letzteres war nicht immer so, einst gab es blühenden Katholizismus auf Hiddensee, wie jede Karte der Insel verrät: Da, wo heute der Ort Kloster liegt, gab es bis ins 16. Jahrhundert, wenig überraschend, ein Kloster. Die Zisterzienserabtei entstand um 1300 nach dem Sieg über die heidnischen Ranen und beteiligte sich an der Christianisierung Vorpommerns. Geblieben ist von den weißen Mönchen nicht viel: der Ortsname Kloster und ein kleines Kirchlein, das einst vor den Toren der Abtei stand und die Kirche der Inselbevölkerung war. Heute beherbergt es die evangelische Gemeinde und ist ebenso Heimat der wenigen katholischen Insulaner.
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Eine von ihnen ist Hela Lehnen. 1998 kam sie aus dem katholischen Nordrhein-Westfahlen in die Diaspora von Hiddensee, heute führt sie Touristen durch „ihre“ evangelische Kirche. Auch Monika Piechocki ist als Katholikin in der evangelischen Gemeinde aktiv. Sie liest jeden Sonntag die Lesung und erinnert sich noch an die letzten katholischen Messen auf der Insel, die bis circa 1990 von Priestern im Urlaub oder einem Geistlichen aus Stralsund zelebriert wurden: „Als wir 1986 auf die Insel kamen, gingen wir jeden Sonntag um acht Uhr in den katholischen und um zehn Uhr in den evangelischen Gottesdienst. Aber die katholischen Gläubigen waren alle deutlich älter als wir. Schon bald sind wir nur noch in die evangelische Kirche gegangen.“ Dabei hatte der damalige evangelische Pastor Manfred Domröß großen Anteil daran, dass sich Katholiken im evangelischen Gotteshaus wohl fühlen konnten. Er war regelmäßig in Süddeutschland zu Exerzitien und brachte seinen norddeutschen Schäfchen immer etwas mit, zumeist etwas klassisch katholisches: mal eine Stola, mal Weihrauch und eines Tages den Kreuzweg von Sieger Köder, der bis heute in der Kirche hängt. „Das hat mich immer sehr gefreut“, erinnert sich Piechocki.
„Man fühlt sich hier als Katholikin nicht herausgestellt. Die Gemeinde lebt ohnehin von den Urlaubern, unter denen sich auch Katholiken finden. Das erkennt man, wenn sie beim Segen das Kreuzzeichen machen“, sagt Hela Lehnen und Monika Piechocki erklärt: „Früher habe ich auf das Kreuzzeichen verzichtet, um nicht aufzufallen. Inzwischen mache ich es wieder und das stört hier keinen.“ Evangelisch zu werden, das kam den beiden nie in den Sinn. „Ich werde katholisch bleiben, das bin ich meiner Familie aus dem Eichsfeld schuldig“, sagt Piechocki. Ein paar katholische Traditionen pflegen sie bis heute: Namenstage etwa sind noch immer im Kalender markiert. „Und ich rufe trotzdem die Heiligen an, auch wenn die evangelische Kirche keine Heiligenverehrung kennt“, sagt Piechocki. Ein wenig katholisches Leben gibt es also in den vier Orten auf Hiddensee, zwischen Häfen, Dünen und Touristen. Ein eigenes Gotteshaus braucht es dafür gar nicht.