Menschenrechtszentrum Cottbus

Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung

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das Menschenrechtszentrum in Cottbus
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Fotos: Rocco Thiede

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Das Menschenrechtszentrum in Cottbus.

Aus christlicher Überzeugung setzt sich Heide Schinowsky für Erinnerung an die Vergangenheit und Versöhnung in Gegenwart und Zukunft ein. Sie leitet das Menschenrechtszentrum in Cottbus.

Wenn man die Gedenkstätte betritt, spürt man sofort die Schwere des Ortes. Vergitterte Fenster, Stacheldraht, Mauern, die Geschichten von Leid und Unrecht bergen. „Man kommt auf das Gelände und spürt ein Stück weit, was hier passiert ist. Gefängnisse sind nie schön, das ist klar – aber hier ist man gleich mittendrin“, sagt Heide Schinowsky. Die 50-Jährige gebürtige Brandenburgerin leitet seit drei Jahren das Menschenrechtszentrum Cottbus im ehemaligen Zuchthaus in der Bautzener Straße.

Schinowsky wuchs als Tochter einer Lehrerin und eines Ingenieurs in einer christlichen Familie in der DDR auf. Ihre Eltern eckten immer wieder mit dem Regime an. „Ich erinnere mich noch an das Plakat in meinem Kinderzimmer in den 80er-Jahren: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. Dieser Dreiklang prägt mich bis heute.“ Früh lernte sie, was es bedeutet, für den Glauben und eine eigene Haltung Nachteile in Kauf zu nehmen. Mit 14 erlebte sie den Mauerfall – für sie „eine ganz wichtige, richtige, glückliche Wendung“.

Heide Schinowsky
Heide Schinowsky im Menschenrechtszentrum Cottbus.

Ihr Weg führte sie über ein begonnenes Studium der evangelischen Theologie und ein abgeschlossenes Studium der Sozialarbeit in die Politik. Mehrere Jahre saß sie für die Grünen im Landtag Brandenburg – ein Schwerpunkt war für sie dabei immer die Aufarbeitung von DDR-Unrecht. Heute versteht sie ihre Arbeit für den Verein „Menschenrechtszentrum Cottbus“ auch als Berufung: „Meine Aufgabe ist es, Unrecht beim Namen zu nennen, Betroffene zu unterstützen und immer wieder auch Raum für Verständigung zu schaffen.“

Auch religiöse Verfolgung im Fokus

Die Dauerausstellung spannt den Bogen von der Kaiserzeit über das „Dritte Reich“ bis zur DDR, wo das Gefängnis seit den 1970er-Jahren Schwerpunktanstalt für politische Häftlinge war – rund 80 Prozent waren sogenannte „Republikflüchtlinge“. „Die Grundstruktur als Gefängnis ist erhalten geblieben. Besucher sind so direkt mittendrin – das macht es leichter, Geschichte zu vermitteln.“

Ein besonders aktueller Akzent liegt auf der Sonderausstellung über die Zeugen Jehovas. „Ihre Verfolgung zieht sich durch zwei Diktaturen – NS- und DDR-Zeit. Weil sie keinen Wehrdienst leisteten und sagten: Unser Herr ist Jehova, von dort kommen die Regeln, waren sie staatlichen Repressionen ausgesetzt.“ Die Ausstellung erzählt von Mut, Standhaftigkeit und der harten Realität, wenn Glaubensfreiheit unterdrückt wird.

Auch künstlerische Formate prägen die Arbeit. Das Symposium „Was Menschen Menschen antun“ brachte kürzlich ehemalige politische Häftlinge als Musiker, Künstler und Zeitzeugen zusammen.

Jährlich besuchen rund 5000 Menschen die Gedenkstätte, etwa die Hälfte sind Schulklassen. Workshops, Biografie-Arbeit, Kunstausstellungen und Filmprojekte prägen die politische Bildungsarbeit. „Wir merken, dass der Ton in der Gesellschaft rauer geworden ist. Schüler bringen heute Hakenkreuze in Zeichnungen ein. Umso wichtiger ist es, dass wir hier einen Ort haben, an dem über Werte, Verantwortung und Menschenwürde gesprochen wird.“

Rocco Thiede