Neubau des Ordinariats in Dresden

Herzstück und Eckstein

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Neubau Ordinariat Dresden
Nachweis

Foto: Michael Baudisch

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Das Propst-Beier-Haus liegt an der Schweriner Straße / Ecke Ermischstraße im Zentrum von Dresden nahe der Kathedrale. Es ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln besser erreichbar als das bisherige Ordinariat.

Anfang September wird die Kapelle im neuen Ordinariat geweiht. Denn das Propst-Beier-Haus in Dresden ist fertig. Im Herbst ziehen die Verwaltungsmitarbeiter um. Nötig war der Neubau, weil das bisherige Ordinariat aus DDR-Zeiten nicht mehr sinnvoll saniert werden kann.

In der Kapelle des neuen Ordinariats ist das Fenster wie eine Rosette gestaltet, die Arbeit kommt von einem Handwerksbetrieb aus Ottendorf-Okrilla und ist ein Hingucker. Schaut man nach oben, eröffnet der Blick auch da Ungewöhnliches, denn die Decke ist nicht flach. „Die Wölbung der Decke soll an die bergende Hand Gottes erinnern“, sagt Veronika Hilbig, die im Ordinariat den Neubau von Anfang an begleitet hat. Anfang September wird die Kapelle geweiht. Die Mitarbeiter des Ordinariats können sich dann in dieser „Hand Gottes“ geborgen fühlen. Die Kapelle, zentral gelegen im Eingangsbereich des neuen Propst-Beier-Hauses an der Schweriner Straße in Dresden, ist das Herzstück des Gebäudes. Der Gedanke der Kapelle als „Eckstein“ des Hauses war dem Architekten wichtig und prägt das Gebäude auch von außen: auffällig ragt ihr Umriss aus der Fassade heraus.

Porträt Veronika Hilbig
Veronika Hilbig hat in der Abteilung Liegenschaften und Bau für das Ordinariat den Neubau von Anfang an begleitet.
Foto: Ruth Weinhold-Heße

Klavier und Möbel kommen aus dem bisherigen Ordinariat am Dresdner Käthe-Kollwitz-Ufer. „Es wird soviel weiter genutzt, wie nur geht, einiges wird aufgearbeitet“, erläutert Hilbig und verweist nicht ohne Stolz darauf, dass die Kosten für den Neubau unter der Budgetplanung von 48 Millionen Euro bleiben. „Wir bauen keine Luxus-Büros, aber wollen, dass alles wertig, funktional und nachhaltig ist“, sagt sie. Unterhält man sich mit ihr auf der Baustelle, wird schnell deutlich, wie komplex die Bauplanung ist, wie umfänglich Bauvorschriften und Vorgaben der Stadt: „Wir hatten teilweise 15 bis 20 Baufirmen gleichzeitig auf dem Grundstück.“ Dresden forderte eine höhere Geschosslage in der Innenstadt als ursprünglich gewollt. Arbeitsstättenrichtlinien schreiben die Größe der Büros vor.

Neu ist, dass es unter dem Dach – nun endlich – Platz für eine Registratur der Bistums-Akten geben wird. Neben den Büros der Ordinariatsmitarbeiter, die im Herbst umziehen, wird ein Teil des Gebäudes vermietet. Die Trennwände zwischen beiden Einheiten können je nach Bedarf angepasst werden. Zu den vermieteten Flächen gehören neben Gewerbeflächen auch vier Wohnungen.

Kritik und Nachfragen gab es natürlich schon, warum sich ein kleines Bistum mit so vielfältigen Aufgaben gerade jetzt ein neues, schickes Verwaltungsgebäude baut. Pressesprecher Michael Baudisch verweist darauf, dass der Bau am Käthe-Kollwitz-Ufer über 40 Jahre alt ist und hohen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf aufweist. „In einer Analyse hatten sich Neubau und Umzug als sinnvollste und kostengünstigste Variante erwiesen, verglichen mit Anmietung von Büroflächen oder einem Neubau in Stadtrandlage“, so Baudisch. Eine Erweiterung des Baus am Käthe-Kollwitz-Ufer genehmigt das Bauamt nicht. Inzwischen steht der DDR-Bau sogar unter Denkmalschutz. Baudisch erklärt: „Zwar befindet sich das Gebäude zu 99 Prozent auf einem Kirchengrundstück; der Haupteingang und die einzige Zufahrt jedoch liegen auf städtischem Grund. Wir haben, obwohl wir es 2017 beantragt hatten, bisher nicht einmal Wegerecht erhalten; der Zutritt wird nur geduldet.“ Das liege an der teils abenteuerlichen Handhabung von Grundstücksfragen zu DDR-Zeiten.

Die Vorbereitungsarbeiten für den Neubau an der Schweriner Straße begannen im Februar  2022, Grundsteinlegung war später im Jahr am 10. November.

Ruth Weinhold-Heße