Musiktheater in Zeitz

Inklusives Theater begeistert Hunderte

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ein Publikum, in dem Menschen mit und ohne Behinderung sitzen, applaudiert
Nachweis

Fotos: Bernadette Olma


Im Schlosspark in Zeitz führten Bewohner der Caritas-Einrichtungen im Bistum Magdeburg ein Musiktheaterstück auf. Es zeigte, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen Großes auf die Beine stellen können.

Ein Samstagabend, eine Bühne, ein gemeinsames Werk: Im Schlosspark Zeitz kam vor zwei Wochen das Musiktheater „Ent-täuscht. Gemeinsam verändert.“ zur Uraufführung – und zog rund 350 Besucher sprichwörtlich in seinen Bann. Initiiert von Musikpädagoge Stefan Köhler aus der Caritas-Einrichtung Julius vom Pflug in Schelkau, brachte der Abend Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam auf die Bühne. Große und kleine Talente aus verschiedenen Einrichtungen der Caritas im Bistum Magdeburg führten das Stück auf. Aus Schelkau, Burgkemnitz, Dingelstedt, Halberstadt und Naumburg kamen sie in Zeitz zusammen.

Darsteller eines inklusiven Theaterstücks auf der Bühne in ZeitzAber damit nicht genug! Begleitet wurde das Ensemble vom Mehrgenerationen-Orchester Zeitz und der Trommelgruppe Red Attack, die gemeinsam mit den Darstellern für sanfte, emotionale, aber auch kraftvolle, rhythmische Momente sorgten. „Wir sind in fast allen Genres unterwegs“, sagt Stefan Köhler, der das Stück auch geschrieben hatte. Moderne Elektrobeats, begleitet von eindrucksvollen Bildern und Animationen, verliehen der Aufführung eine zusätzliche Dimension. So entstand ein Abend, der Generationen, Musikstile und Lebenswelten miteinander verband.

Das Stück erzählte zunächst von kleinen und großen Enttäuschungen: Eine Welt wird nach und nach von verschiedenen Menschen bevölkert. Sie betreten den Platz bunt gemischt, voller Skepsis. Ein Kind sucht neugierig nach Abenteuer und Spiel – wird aber von den anderen Menschen vehement zurückgewiesen. Alle glauben, Wichtigeres tun zu müssen. Die Stimmung heizt sich auf, die Gesellschaft eskaliert und die bunten Farben verschwinden. Doch dann erscheint ein Clown, der Lachen bringt und echte Freude. Ablehnung wird zu Zuneigung und die Menschen beginnen zu erahnen, dass die Unterschiede zwischeneinander zum Gelingen der Welt beitragen.

Bühne in ZeitzWas den Abend besonders machte, war nicht allein die musikalische Bandbreite, sondern vor allem das gemeinsame Miteinander auf der Bühne. Menschen mit und ohne Behinderungen musizierten, tanzten und performten Seite an Seite. Was so wunderbar leicht aussah, war harte Arbeit: „Rund ein Jahr haben wir geprobt und gelingen kann so ein Projekt nur mit der Unterstützung von ganz vielen“, sagt Stefan Köhler. Über 100 Menschen seien beteiligt gewesen. „Ob in der Technik, beim Fahrdienst, in der Verpflegung oder der Begleitung – nicht alles spielt sich hier oben auf der Bühne ab.“

Für die Caritas im Bistum Magdeburg ist das Musiktheater damit weit mehr als eine kulturelle Veranstaltung: Es ist ein sichtbares und hörbares Zeichen dafür, wie Inklusion im Alltag gelingen kann. Peter Zur, Geschäftsführer bei der Caritas im Bistum trat zum Ende der Veranstaltung zwar ans Mikrofon, doch fehlten ihm zunächst die Worte. „Was für ein unglaublicher Abend“, entfuhr es ihm. Er dankte allen Beteiligten, war stolz und voller Freude. Was aber an diesem Abend noch wichtiger war: „Wir stehen an Eurer Seite. Wir setzen uns jetzt erst recht für die uns anvertrauten Menschen ein“, versprach Zur und spielte damit auf die vergangene Landtagswahl an. Auch dankte er Bischof Gerhard Feige, der schon lange Fan des Musik-theaters ist und auch bei dieser Aufführung nicht fehlte.

Der große Zuspruch von rund 350 Gästen und damit ausverkauften Rängen im Schlosspark Zeitz zeigt, dass dieses Anliegen auf offene Ohren trifft.

Bernadette Olma