St. Mauritius-Sekundarschule in Halle (Saale)
Ein Schulgebäude, das Kohlenstoffdioxid schluckt
Fotos: Johanna Marin
Stein auf Stein mauert Thomas Gelhardt die Lehmziegel des neuen Schulgebäudes der St. Mauritius-Sekundarschule in die Höhe.
Aus Erde Neues und Schönes erschaffen – was in der Bibel Gott zugeschrieben wird, erledigen in Halle (Saale) momentan die Maurer der Firma Pfennig Bau aus Oschatz, die die Wände des neuen Gebäudes für die St. Mauritius-Sekundarschule hochziehen.
„Eigentlich habe ich gesagt, ich baue nicht mehr neu“, sagt der Chef der Firma, David Pfennig, „aber ich freue mich, das jetzt doch wieder tun zu können.“ Seine Maurerfirma ist auf Sanierungen und Umbau spezialisiert und außerdem auf eine nachhaltige Bauweise: den Lehmbau. „Diese Bauweise ist schon lange etabliert“, erklärt Ingenieur Christof Ziegert, „wir hatten sie nur über 30 Jahre vergessen.“ Die Konstruktion des neuen Lehmbaus für die St. Mauritius-Sekundarschule erinnert an alte Fachwerkhäuser – nur moderner: Zwischen stämmigen hellen Holzbalken schichten sich Lehmziegel auf, die die Maurer mit Lehmmörtel versiegeln.
Lehm gebe es in Massen, sagt David Pfennig. Er werde nicht extra angebaut, sondern falle bei Tagebauen einfach ab. „Und wenn Sie den Lehm irgendwann nicht mehr brauchen, können Sie ihn in den Garten werfen – der wird wieder zu Erde“, fügt sein Kollege Thomas Gelhardt hinzu. „Das ist nicht nur was für ‚Öko-Spinner‘, sondern man kann auf diese Weise einfach ganz normal bauen“, sagt Pfennig.
Lehmbau gehört also zur „Kreislaufwirtschaft“. Ein Wort, das vor allem eines bedeutet: Bewahrung der Schöpfung. „Das ist für uns als christlicher Träger die Aufgabe schlechthin“, sagt Steffen Lipowski. Er ist der pädagogische Vorstand der Edith-Stein-Schulstiftung, zu der die St. Mauritius-Sekundarschule gehört. Seit 2008 lernten die Schüler im alten Gebäude einer ehemaligen staatlichen Schule. Ein Provisorium, für das eine neue Lösung hermusste. Im Mai 2025 erfolgte die Grundsteinlegung.
Der Nachteil eines Neubaus: „Bauen ist schlecht für das Klima“, sagt Architektin Ulrike Tietze, „nicht nur ein bisschen, sondern sehr!“ 40 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes werde durch das Bauwesen verursacht. Holz und Lehm seien da eine gute Alternative zu Stahl und Beton. „Holz, das nachhaltig erwirtschaftet wurde, kann CO2 dauerhaft speichern“, erklärt die Architektin. Und nicht nur CO2: Sowohl Holz als auch Lehm können durch ihre thermische Trägheit Wärme gut speichern, sagt Christof Ziegert. Daher böten sie eine gute Dämmung – insbesondere im Sommer. Auch andere Schadstoffe könne der Lehm gut aufnehmen. „Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen“, sagt der Ingenieur und breitet die Arme aus, „aber hier stinkt es nirgendwo nach Baustelle. Man kann doch wunderbar atmen, oder?“
Auch Thomas Gelhardt freut sich über den Baustoff: „Ich brauche nicht mal Handschuhe. Der Lehm ist total verträglich für die Haut.“ Und tatsächlich: Der Mörtel ist kühl, körnig und fühlt sich angenehm zwischen den Fingern an. Zwischen der schlammartigen Masse lugen immer wieder Strohhalme hervor. Stroh mache den Lehm weich und strapazierfähig, sagt Maurermeister David Pfennig. Das muss er auch sein, wenn das Gebäude immer wieder neue Generationen von Schülern beherbergen soll.
Allerdings hat Lehm auch Nachteile: Zum einen gibt es bisher nur wenige Handwerker, die sich auf diese Bauweise spezialisiert haben. Zum anderen braucht er länger zum Trocknen und zersetzt sich bei Feuchtigkeit schnell. Deshalb steht der Neubau der Sekundarschule auch auf einem Fundament aus Beton. Aber: „Wir müssen wieder lernen, Beton nur da einzusetzen, wo es wirklich nötig ist“, sagt Ingenieur Christof Ziegert. Das neue Gebäude der katholischen Schule steht also auf einem festen Fundament und besteht mit all dem Holz und Lehm aus Stoffen, die aus der Erde kommen und eines Tages in die Erde zurückgehen werden.