Was uns diese Woche bewegt

Berufsrisiko

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An solche Geschichten erinnern wir uns noch Jahre später: Zu Recherche-Zwecken begleitete ein Kollege das Team eines Seenotrettungskreuzers auf der Nordsee. Der Wind blies ordentlich, eine Welle schwappte über Bord, erwischte meinen Kollegen und machte ihn ordentlich nass. Er fand das nicht besonders lustig, aber die Reportage, die er danach schrieb, war sehr lebendig und unterhaltsam. 

Journalisten sollten den Schreibtisch hin und wieder verlassen. Weil wir direkt beschreiben können, was vor Ort passiert. Auch wenn es manchmal ein bisschen heftiger wird. Wie vorige Woche in Bremen. Bloß gut, dass ich einigermaßen schwindelfrei bin, denn es ging hoch hinaus. Genauer gesagt, aufs Dach der Kapelle des St.-Joseph-Stifts. Mit umgehängter Fotokamera die schmalen Stufen hoch, Kopf einziehen, aufpassen, dass ich mir am Geländer keinen Splitter einziehe, über ein wackliges Holzbrett balancieren, durch eine Luke steigen – endlich angekommen. 

Ein Glockengießer montierte gerade die Aufhängung der sanierten Kapellenglocke. Das musste im Foto festgehalten werden. Ein spannendes Erlebnis. Ich habe außerdem eine Menge über ein altes Handwerk gelernt – und wer kommt schon mal aufs Kapellendach und kann die Aussicht genießen? Na gut, die beste Aussicht hatte immer noch der Glockenexperte, der auf einer langen Leiter in den Dachreiter klettern und sich wie ein Bergsteiger sichern musste. Das wäre mir dann doch zu viel Berufsrisiko gewesen.

Die Kapelle des katholischen Krankenhauses – ursprünglich ein Gebetsort von Franziskanerinnen – wird gut genutzt: zum Kerzen anzünden, für katholische und evangelische Gottesdienste, für Konzerte. Und bald kann dort auch wieder die älteste Weihnachtskrippe Bremens bestaunt werden.

Anja Sabel