Vietnamesische Gemeinde feierte ihr Patronatsfest

Besonderes Verhältnis zu Maria

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Die vietnamesische Gemeinde im Großraum Leipzig-Halle-Dresden beging ihr Patronatsfest. Gäste kamen auch aus der vietnamesischen Pfarrei in Berlin. In Vietnam wird Maria sehr verehrt.

Junge Vietnamesen in traditioneller Festkleidung tragen eine Figur Unserer lieben Frau von La Vang bei einer kleinen Prozession auf dem Gelände der Pfarrei Heilige Familie in Leipzig-Schönefeld von der Kirche zum Gemeindehaus.    Foto: Eckhard Pohl

 

Mit einem Gottesdienst zu Ehren der Mutter Gottes von La Vang, einer kleinen Prozession und einem festlichen Essen hat die Vietnamesische Gemeinde von Leipzig und Region am 27. Oktober ihr Patronatsfest gefeiert. Dazu kamen rund 250 Vietnamesen in der Kirche der Pfarrei Heilige Familie in Leipzig-Schönefeld zusammen, wo sie sich regelmäßig treffen. Nach Angaben von Jesuiten-Pater Stefan Taeubner, Seelsorger für die vietnamesischen Katholiken in der Region Leipzig-Halle-Dresden, gehören zirka 200 Personen jeden Alters zur Gemeinde von Leipzig. Zum Patronatsfest waren auf Einladung 50 weiterere gemeinsam mit ihrem Pfarrer Do Ngoc Ha aus Berlin gekommen. Dort zählen sich rund 1000 Katholiken zur vietnamesischen Pfarrei, die sich in den Gemeinden St. Aloisius im Wedding und Ss. Corpus Christi im Prenzlauer Berg versammeln. Pfarrer Do Ngoc Ha ist derzeit auch von der Deutschen Bischofskonferenz mit der Gesamtseelsorge für die Vietnamesen in Deutschland beauftragt.

Christen flohen in den Dschungel von La Vang
Zu Beginn des Festgottesdienstes in Leipzig verehrten vier junge Frauen, die erst unlängst vom Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers gefirmt worden waren, mit einem Tanz Unsere Liebe Frau von La Vang. Die hölzerne, zirka 50 Zentimeter große Marienfigur der Gemeinde war auf einer Trage neben dem Altar aufgestellt und reichlich mit Blumen geschmückt.
Maria wird in Vietnam seit einer Christenverfolgung im 18./19. Jahrhundert besonders verehrt. Die Verfolgten flüchteten in ihrer Not in den Dschungel von La Vang, der in Zentralvietnam 50 Kilometer nordwestlich der Kaiserstadt Hué liegt. Viele von ihnen erkrankten oder starben. Regelmäßig kamen sie nachts zum Gebet zusammen und riefen in ihrer Not, wie sie dort überleben könnten, Maria um Hilfe und Fürbitte an. Der Überlieferung zufolge erschien ihnen erstmals 1798 Maria mit dem Jesuskind unter einem großen Baum, was die Gläubigen tröstete und bestärkte. Bald wurde in La Vang zunächst eine Kapelle, als die Christenverfolgung 1886 zu Ende war eine Kirche und  1928 eine größere Kirche gebaut, die im Vietnamkrieg 1972 bis auf den Turm völlig zerstört wurde. Heute entsteht in La Vang eine neue, sehr große, landestypisch gestaltete Basilika. Im Zentrum des Ortes steht eine Marienfigur mit Jesuskind unter einen großen nachempfundenen Urwaldbaum. La Vang ist nationaler Wallfahrtsort Vietnams mit Bedeutung für die Vietnamensen weltweit. Die Gemeinde von Leipzig verehrt durch ihr Patronat „Unsere liebe Frau von La Vang“ besonders.
In seiner Predigt hob der Berliner Pfarrer Do Ngoc Ha die enge Beziehung der Vietnamesen zu Maria hervor. In den Fürbitten wurde auch für die toten Vietnamesen gebetet, die in einem Kühllaster in der englischen Grafschaft Essex gefunden wurden. Am Ende des Festgottesdienstes, den der Kirchenchor der Leipziger Vietnamesen mitgestaltete, wurde Maria von fünf jungen Männern in traditioneller Festkleidung in einer Prozession von der Kirche in die Räume der Vietnamesischen Gemeinde im  Gemeindezentrum getragen. Die Gottesdienstgemeinde schloss sich an.

Von Eckhard Pohl