Christoph Kloft schreibt "Geschichten über den Krebs"

"Bin ich im Himmel?"

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Christoph Kloft in seinem Wohnzimmer
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Foto: Christa Kaddar

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Christoph Kloft will den Tod nicht zu wichtig nehmen. Auch mit seiner Krankheit bewahrt er sich die Freude am Leben.

„Nur nicht untergehen“ heißt das Buch, das der Journalist und Autor Christoph Kloft geschrieben hat. Mit seinen „Geschichten über den Krebs“ will er zeigen, dass das Leben auch mit einer schweren Krankheit bisweilen lustig sein kann.

„Mir hat es geholfen, dass ich noch lachen kann“, sagt Christoph Kloft am Küchentisch in Kölbingen im Westerwald. „Ich bin glücklich. Sollte ich dies etwa nicht mehr sagen dürfen, nur weil sich ein ungebetener Gast in meinem Körper eingenistet hat?“ Diesen Humor beweist er mit der ersten Geschichte in seinem Buch – über einen Krebs, der traurig ist, weil die Menschen eine der schlimmsten Krankheiten nach ihm benannt haben.

Geholfen hat Christoph Kloft vor allem, dass er mit seiner Krankheit offen umgehen und mit seiner Familie und seinem Freundeskreis darüber sprechen kann. Vor allem seine Frau und die vier Söhne zwischen 22 und 31 Jahren sind ein Halt für ihn. Inzwischen wohnen die Söhne nicht mehr zu Hause, pflegen aber ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und untereinander. Gerade Ende Februar haben sie den Geburtstag des jüngsten Bruders gemeinsam mit Freunden im Elternhaus gefeiert.

In diesem Haus arbeitet Christoph Kloft als freier Journalist und Autor. Als seine Kinder noch klein waren, nahm er Elternzeit, während seine Frau als Lehrerin ihrem Beruf nachgehen konnte. Die Welt brach über ihm zusammen, als die Ärzte Ende 2013 ein Nierenkarzinom bei ihm entdeckten. Es wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben.

Die Operation verlief erfolgreich und die Nachsorgeuntersuchungen waren stets unauffällig. Er fing mit dem Laufen an und konnte wieder als Autor arbeiten. Außerdem gab er als Lehrer Deutschunterricht für Geflüchtete in Integrationsklassen, denn er hatte Germanistik und katholische Theologie mit dem Magister und dem Staatsexamen für das Lehramt an Realschulen abgeschlossen. Schon vor seiner Selbständigkeit als freier Autor und Journalist hatte er einige Jahre im Schuldienst gearbeitet.

Als 2022 ein Freund von ihm an Krebs starb, erinnerte seine Frau ihn daran, noch einmal zur Nachsorge zu gehen, denn mit Beginn der Corona-Pandemie hatte er die Untersuchungen etwas vernachlässigt. Und nun, nach neun Jahren, hatte der Krebs in Form einer Metastase zugeschlagen. Es folgten Operationen und Klinikaufenthalte, die belastender waren als 2014.

"Darauf kann ich nur antworten, dass der Glaube schon immer eine stabile Größe in meinem Leben war"

Mit der Therapie, die gewählt wurde, hat Christoph Kloft Hoffnung, recht alt zu werden. Und wenn es nicht so ist, will er trotzdem ein erfülltes Leben führen – jetzt und hier. „Mit der Angst vor dem Tod verderben wir uns das ganze Leben“, sagt er. Seiner Meinung nach wird der Tod viel zu sehr überschätzt: „Er ist doch nicht der mächtige Gegenspieler des Lebens, nicht die andere, die dunkle Seite – er ist lediglich eine bittere Zutat, die wir schlucken müssen, um das Leben auch wirklich genießen zu können.“ Was ihm nicht hilft, sind neugierige Fragen nach seiner Prognose. Er selbst kennt sie nicht und hat auch nicht danach gefragt.

Schon oft wurde Kloft darauf angesprochen, ob seine Erkrankung seinen Glauben an Gott gefestigt habe. „Darauf kann ich nur antworten, dass der Glaube schon immer eine stabile Größe in meinem Leben war. Es bedurfte keiner Festigung durch die Krankheit.“ Er könne dem Krebs also nicht das Verdienst zusprechen, ihn geläutert zu haben. Gott sei ein Freund für ihn, sagt Kloft: „Zwischen uns passt kein Blatt Papier.“ Er stehe ständig in Kontakt mit Gott. In den vergangenen zwei Jahren habe es zwar Situationen gegeben, in denen er selbst nicht mehr beten konnte. „Aber andere haben für mich gebetet und Kerzen angezündet.“

Er erinnert sich an Erlebnisse nach zwei Operationen. „Als ich wach wurde, stand eine Schwester vor mir und ich fragte: Bin ich im Himmel?“ Im vergangenen Herbst hatten nach einer Operation die Ärzte und seine Familie um sein Leben gebangt. Als er aufwachte, stand sein ältester Sohn, der Onkologe ist, neben seinem Bett und Christoph Kloft sagte benommen zu ihm: „Das war jetzt mal schön hier, aber nun gehen wir alle nach Hause.“

Heute sagt Kloft, so schlimm könne der Tod doch nicht sein: „Schließlich war ich vor meiner Geburt auch schon eine Ewigkeit tot, bevor ich für diesen kurzen Augenblick auf die Welt kam.“ Der Vorstellung, dass mit dem Tod alles zu Ende sei, kann er nichts abgewinnen. „Trotzdem strebe ich nicht danach, rasch ans andere Ufer zu gelangen. Ich stelle mir vor, dass ich 105 Jahre alt werde und als grantiger Opa fremde Kinder von meinem Grundstück vertreibe“, sagt er und lacht.

Er will zeigen, wie unterschiedlich Menschen mit der Diagnose umgehen

Christoph Kloft ist 1962 in Kölbingen im Westerwald geboren und in einer katholischen Familie aufgewachsen. Studiert hat er in Mainz, Gießen und Koblenz, hat danach bei einer Tageszeitung ein Volontariat absolviert und 1992 bei einer thüringischen Zeitung in Arnstadt als Redakteur gearbeitet. Besonders in Erinnerung geblieben und dort sogar in einem Museum ausgestellt ist aus jener Zeit sein Kommentar zu einem NPD-Aufmarsch im Oktober 1992. Er verglich den Zug der Neonazis durch die Stadt mit dem Lied „Kälbermarsch“, das Bertolt Brecht 1933 dichtete: „Hinter der Trommel her trotten die Kälber. Das Fell für die Trommel liefern sie selber.“

Seit 1998 arbeitete er für verschiedene Verlage und Zeitungen; beispielsweise hat er 2009 mit der thüringischen Bundestagsabgeordneten Petra Heß im Rhein-Mosel-Verlag das Werk „Der Mauerfall – 20 Jahre danach“ herausgegeben. Zu den Persönlichkeiten, die er dafür befragt hat, gehört auch Udo Lindenberg, mit dem ihn eine Freundschaft verbindet. Befreundet ist er auch mit Pater Rudolf Ammann von der Communio in Christo in Mechernich, auf dessen Anregung das Buch „Leben voraus – ein Mailroman über Krankheit, Tod und ganz viel Licht“ entstanden ist, das 2020 in der Edition Communio erschienen ist.

In seinem jüngsten Buch „Nur nicht untergehen“, das 2024 erschienen ist, leuchtet er mit heiteren Geschichten, manchmal auch mit schwarzem Humor das Thema Krebs aus. Er will zeigen, wie unterschiedlich Patienten, Angehörige, Freunde und das medizinische Personal mit der Diagnose umgehen. Außerdem versetzt er sich in die Lage eines sensiblen Krebses, der unter dem Missbrauch seines Namens durch die Menschen leidet. Derzeit schreibt Christoph Kloft mit seinem Freund, dem aus dem Fernsehen bekannten Rechtsanwalt Franz Obst, an einem Bühnenprogramm über seine Erfahrungen mit der Krankheit. Er ist überzeugt, dass man angesichts der Krankheit noch lachen darf, und hat dafür ein Motto geprägt: „Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Christa Kaddar

Christoph Klofts Buch „Nur nicht untergehen –Geschichten über den Krebs“ ist im Roland Reischl Verlag erschienen. Taschenbuch, 120 Seiten, 12 Euro.