Kolpingsfamilie Hollage bringt Hilfsgüter in die Ukraine

Dankbarkeit und Luftalarm

Hilfstransport Ukraine

Foto: privat

Der Bulli mit Hilfsgütern wird in Czernowitz entladen.

Auf eine 4000 Kilometer lange Reise machten sich jetzt Mitglieder der Kolpingsfamilie Wallenhorst-Hollage. Sie brachten Hilfsgüter in die Ukraine.

Gemeinsam machten sich Hubert Wächter und Hubert Nöring im Februar auf eine insgesamt 4.000 Kilometer lange Reise, um seitens der Kolpingsfamilie Hollage gespendete Hilfsgüter wie Stromgeneratoren und medizinische Hilfsmittel persönlich an Kolping-Projekte zu übergeben. Ein Reisetagebuch in Stichworten: 

Donnerstag, 20. Februar: Erste Etappe, rund 700 Kilometer bis Windorf bei Passau 

Freitag, 21. Februar: Weiter geht’s: 800 Kilometer bis Nyiegyhaza (Ungarn) 

Samstag, 22. Februar: Noch 460 Kilometer bis Czernowitz. Zwei Grenzübertritte nach Rumänien und in die Ukraine. Es gibt keine großen Probleme, eine übersetze Packliste wäre jedoch hilfreich gewesen. Weiterfahrt nur bis zu einem letzten Kontrollhäuschen, um einen letzten Stempel zu bekommen. In der Ukraine Probleme mit der Navigation in Czernowitz, kein Empfang. Telefonischer Kontakt zu Vasyl Safka, der uns am zentralen Platz abgeholt und zum Hotel bringt. 

Sonntag, 23. Februar: 8.30 Treffen in der Kolpingzentrale Czernowitz. Begrüßung durch Vasyl Safka, Geschäftsführer Kolping Ukraine und Vorsitzender Kolping Europa. Kurze Besichtigung des Kellers, wo viele Spenden gelagert werden. Sortierung und Verteilung von dort. Ein zweites Außenlager für Kleidung, wo sortiert und dokumentiert wird. Kaffee und Milch – Ludwig Markuljak kommt dazu (seit fünf Jahren Rentner und ehrenamtlich für die Suppenküche tätig). Kolping Czernowitz hat 32 Mitglieder, Gründung 1997 mit zehn Personen, ältestes Gründungsmitglied ist Vasyl Sofymanski. Kirchengemeinde Kreuz Christi Himmelfahrt: 250 Mitglieder. Der Priester der Gemeinde Anatoli Schpak ist Präses der Kolpingfamilie. 

Besichtigung der Suppenküche. 550 Portionen werden von montags bis samstags gekocht und verteilt. Spenden durch einen Bäcker der Stadt, jeden Tag 70 Brote seit Beginn der Suppenküche. Sie startete am 26. Februar 2022 in einer Schule mit 100 Portionen, Ort musste nach circa einem Jahr verlassen werden, Umzug ins Ziegelsteinwerk (übergangsweise): 600 € Miete monatlich. 

Die Kolpingsfamilie kaufte das Gebäude neben der Kolpingzentrale, Kosten 1.500 € monatlich zur Tilgung des Kredits, Umbau in Eigenarbeit (Fliesen, Elektrik, Maler) mit Ehrenamtlichen unter Leitung von Ludwig. Ab 6. August 2023 Einzug in das neue Gebäude, jetzt 550 Portionen täglich. Bis Ende 2024 wurden hier 800.000 Portionen gekocht. 

Die Lebensmittel werden gespendet oder durch Spendengelder gekauft. Es gibt keine staatliche Unterstützung! Gerechnet wird mit circa 1 € pro Portion. Verteilung des Essens an ein Veteranenkrankenhaus (180 Portionen) und eine Tuberkulosestation (40 Portionen), zusätzlich Abholung für ein Flüchtlingszentrum (12 km entfernt). Vor Ort Verteilung der übrigen Portionen an Bedürftige. 

Ukrainische Familien werden nicht vom Staat unterstützt, wenn der Vater im Kriegseinsatz ist. Nur im Todesfall gibt es eine Zahlung. Der direkte Dienst an der Front wird mit 2500 € entlohnt. 

Aufbruch zur Stadtbesichtigung: Ein Gebäude, wo die Kolpingsfamilie zwei Räume für soziale Arbeit gemietet hat: das Projekt heißt „Universität Dritte Generation“ für das Alter 50 bis 75 Jahre, täglich 150 Personen an 6 Tagen die Woche. Sprachunterricht: Französisch, Italienisch, Polnisch, Englisch, Deutsch, Ukrainisch, Rumänisch und Spanisch. Zusätzlich Philosophie, Geschichte, Gerontologie, Musik. Im zweiten Raum Basteln, Handarbeiten in drei Gruppen, Nähen, Reparaturen von Kleidung und Tarnanzügen. Kostenlose Theater- und Philharmoniebesuche werden organisiert. Das Wichtigste sind soziale Kontakte! Organisiert und geleitet wird das Projekt ehrenamtlich von Luwigs Frau Larissa. 

Gruppe aus Hollage
Hubert Wächter, Larissa und Ludwig Markuljak und Hubert Nöring (von links) vor der Universität in Czernowitz. 

Weiter geht‘s zur Universität der Stadt Czernowitz – untergebracht im Schloss der Stadt. Larissa Markuljak (Frau von Ludwig)  ist Vizedekanin und Dozentin der Universität. Ihre Fächer sind Philosophie und Theologie – sie unterrichtet an 6 Tagen je 6 bis 8 Stunden. Es kommen bis zu 100 Studenten pro Veranstaltung. Nach der Arbeit organisiert sie ehrenamtlich als Projekt dritte Generation. 

Dann zur Schlosskirche, wo wir Pater Nicola treffen. Er ist verantwortlich für die Priesterausbildung. Wir lernen auch einen jungen Kaplan kennen. In den Räumen der Universität werden wir mit einem ukrainischen Lied von Larissa überrascht.

Anschließend fahren wir zur Basilika Heilig Kreuz Christi Himmelfahrt und besuchten den schon begonnenen Gottesdienst. Im Anschluss treffen wir den Priester der Gemeinde Anatoli Schpak, den Gründer der Kolpingsfamilie Czernowitz Vasyl Sofymanski und einige Gemeindemitglieder. Es gibt noch eine kleine Stadtrundfahrt. 

Montag, 24. Februar: Treffen in der Kolpingzentrale. Ein Hilfstransport aus Baco/ Rumänien ist eingetroffen. Schwester Carmen Theresa vom Orden Heiligenstätter Schulschwestern Maria Magdalena hat die 73. Hilfstour organisiert und mit 3 Transportern nach Czernowitz gebracht.  Wir entladen 3 Tonnen Lebensmittel und andere Hilfsgüter. Anschließend entladen wir unseren Transporter mit sechs Notstromaggregaten, Arzneimitteln, Kleidung usw. Wir fahren zum Krankenhaus Innenstadt (Veteranenkrankenhaus), um dort 180 Portionen Mittagessen auszuliefern. Dort ein kurzes Treffen mit dem Klinikdirektor und der Leiterin des Krankenhauses. Weiter geht‘s zur Tuberkuloseklinik mit 40 weiteren Portionen. Zum Ende dürfen wir noch das medizinische Zentrum der Kolpingfamilie besichtigen. Hier können Patienten sich gegen ein kleines Entgelt behandeln lassen. Im Gebäude nebenan ist ein Außenlager für Kleidung untergebracht, wo zwei Frauen jeden Tag für den Weitertransport ins Krisengebiet Kleidung sortieren, dokumentieren und verpacken. 

Dienstag, 25. Februar: Luftalarm um Punkt 6 Uhr! Sorge, ob der geplante Rückweg möglich sein wird. Nach kurzer Überlegung starteten wir wie geplant Richtung Polen bis St. Annaberg – 750 Kilometer. Übernachtung im Kloster.

Mittwoch, 26. Februar: Weiterfahrt nach Schirgiswalde-Kirschau bei Bautzen. Strecke 345 Kilometer. Am Nachmittag Besuch bei Kolpingbruder Heinrich (96 Jahre). Später Weiterfahrt nach Wittichenau, um Kolpingbruder Joachim Kreuz zu besuchen.  Gegen 19 Uhr Besuch von Kolpingbruder Peter Jungnitsch im Hotel. Alles nette Begegnungen!