Franziskaner erzählen von ihrer Arbeit im Kloster
Das Kloster Bardel hat "enorme Strahlkraft"
Fotos: Petra Diek-Münchow
Das Kloster Bardel mit der Kirche als Herzstück und dem Missionsgymnasium St. Antonius rechts daneben.
Pater Wilhelm Ruhe macht die Tür zum Kloster weit auf. „Schön, dass Sie wieder da sind“, sagt der 71-Jährige mit einem herzlichen Lächeln und führt den Besuch in sein Büro. Hier sieht es nach Arbeit aus. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Bücher, in den Regalen stehen viele Aktenordner, auf einem Stuhl liegt ein dicker Packen der jüngsten Fastenmeditationen. Ruhe bemerkt den Blick seines Gastes auf die Hefte, für die er auch im Advent Gebete, Impulse und Geschichten schreibt und zusammenstellt – in enger Zusammenarbeit mit der Dom Buchhandlung für Vertrieb und Versand. 13 000 Fastenhefte und 25 000 Adventsmeditationen werden von dort jedes Jahr verschickt.
„Wir haben noch genug zu tun“
Die Fasten- und Adventsmeditationen sind nicht das Einzige, was von Bardel ausstrahlt. Mit Pater Ruhe als Oberem des Konvents leben dort Pater Bonaventura (81) und Bruder Franz Schmitz (55) unter einem Dach. Mag die Gemeinschaft der Franziskaner auch klein sein, untätig ist das Trio keinesfalls. „Wir haben noch genug zu tun“, sagt Ruhe sachte, aber mit Nachdruck. Und zeigt auf eine lange Liste mit verschiedenen Aufgaben, die von viel Engagement und Glaubensfreude zeugt.
Das ist zuerst die nach wie vor enge Bindung an die brasilianische Ordensprovinz, einst der Anstoß für die Gründung des Hauses. Die Franziskaner in Bardel kümmern sich um die zehn noch aktiven Missionare dort – um Versicherungen, Renten, Spenden, Angehörige, den Heimaturlaub. Das Thema Brasilien zieht zudem Besuchergruppen aus den Bistümern Osnabrück und Münster sowie den nahen Niederlanden ins Haus. Ihnen erzählen die Franziskaner von ihrer Arbeit dort und hier. Und führen sie durch das Brasilien-Museum, das sich im Kloster über zwei Etagen zieht. „Wollen Sie auch mal einen Blick hineinwerfen?“ Aber gerne.
Über die Flure vorbei an historischen Fotos geht es die Treppe hinauf in das Museum. Nach Anmeldung können Gäste hier Exponate aus der Volkskunst und religiöse Kunstwerke sehen, die von der Kultur und vom Leben der indigenen Bevölkerung erzählen. Außerdem können die Besucher Briefmarken mit christlichen Motiven, zeitgenössische Bilder brasilianischer Künstler und Erinnerungen an Pater Beda anschauen. Pater Wilhelm weiß, dass viele Menschen noch immer an seinen 2015 verstorbenen Ordensbruder zurückdenken, der vor allem durch seine Altkleider- und Papiersammlungen für die Arbeit in Brasilien bekannt war. Dieses Andenken zu wahren, ist auch ihm ein Anliegen.
Wie auch die Kirche zu bewahren, Herzstück und Mitte des Gebäudekomplexes. Um die kümmern sich die drei Franziskaner mit vollem Einsatz. Links steht das Kloster, rechts Tür an Tür das Missionsgymnasium St. Antonius (siehe auch „Zur Sache“). Regelmäßig laden die Franziskaner zu Messen in das Gotteshaus ein. Eine treue Schar von Gläubigen kommt samstags und sonntags – nicht nur aus Bad Bentheim, auch aus Gronau und dem niederländischen Losser. Die Grenze ist nah, „und wir haben gute Kontakte dahin“, sagt Ruhe. Gerne zeigt er im Innern den ungewöhnlichen Kreuzweg und das von Schülern gestaltete, knallbunte franziskanische Tau-Kreuz. Jeden Tag ist die Kirche von morgens bis abends geöffnet. Das zieht viele Menschen an. Einige kommen gezielt, um still zu beten und eine Kerze zu entzünden. Andere unterbrechen eine Wanderung oder Radtour für eine meditative Pause in der Kirche. Und bei Besinnungstagen der Franziskaner gehört eine Andacht natürlich dazu.
Richtig voll wird es mit über 300 Gästen bei den Adventskonzerten und in der Karwoche bei dem Chorprojekt „Jesus Christ Superstar“. „Ganz klein haben wir vor 40 Jahren angefangen“, erzählt Ruhe. Jetzt gibt es vier Aufführungen, „da haben wir ein richtiges Stammpublikum, das immer wiederkommt – für die ist sonst kein Ostern“. Beliebt ist die Klosterkirche zudem für Taufen, Silber- und Goldhochzeiten.
Die Kirche als zweites Zuhause
Besonders bei ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums. „Die kommen nach Jahrzehnten wieder und wollen hier ihre Ehejubiläen feiern – für sie ist unsere Kirche ein zweites Zuhause geblieben“, sagt Pater Ruhe. Das spricht für eine enge Verbundenheit mit Kloster und Schule – und die leben der Ordensobere und seine Mitbrüder jeden Tag vor. Ruhe war lange Seelsorger in St. Antoninus und arbeitet trotz Ruhestand weiter engagiert in der Schulpastoral mit – ehrenamtlich. Beim Schuljahresbeginn und am Ende, rund um das Abitur und vor Kirchenfesten gestaltet er Gottesdienste und Meditationen mit. „Das möchte ich gerne beibehalten“, sagt er.
Zur Freude von Schulleiter Markus Lammers. "Bardel ist bis heute ein Leuchtturm mit enormer Strahlkraft" sagt er. "Unser Gymnasium und sein Schulprogramm haben ein starkes, tragfähiges Fundament: Unsere Basis ist franziskanischen Ursprungs." Die Schule setzt nach seinen Worten auf Umweltbildung, internationale Bildung und die christlichen Werte im Umgang miteinander. "Unsere Mission ist der Mensch! Ich bin sehr froh und äußerst dankbar dafür, dass Pater Wilhelm und das Kloster Bardel in vielen Bereichen wie in der Seelsorge, bei Gottesdiensten und religiöse Impulsen so eng mit dem Missionsgymnasium zusammenarbeiten." Schülerinnen und Schülern würden christliche Werte im Alltag auf authentische Art und Weise vorgelebt, sei es durch die Kooperation von Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern in Umweltprojekten, durch die gemeinsame Schulentwicklung "oder eben auch durch die Freundschaft von Pater Wilhelm und mir. Eine bessere Kooperation kann ich mir nicht vorstellen, eine Kooperation, die unsere Schülerinnen und Schüler noch stärker macht."
Wenn Pater Ruhe von seiner Arbeit erzählt, dann spürt man: Er hängt an Bardel, das ist Zuhause und Glaubensheimat. Aber natürlich weiß der 71-Jährige, dass sich mancher mit Blick auf das fortschreitende Alter der Franziskaner, auf ausbleibenden Nachwuchs und leer stehende Räume fragt, wie es um die Zukunft des Gebäudekomplexes und des Konvents bestellt ist. Und an dieser Stelle wird der Obere richtig energisch und hält ein Plädoyer für einen Verbleib.
Er beschränkt sich dabei keineswegs nur auf den Hinweis, dass „wir ganz allein und selbstständig“ für die Unterhaltung des Hauses sorgen, das im Besitz des Bistums Osnabrück ist. „Gas, Wasser, Strom – das zahlen wir alles selbst.“ Viel wichtiger ist ihm die spirituelle Kraft, die in Bardel steckt. „Das hier ist eine Gebetsgemeinschaft, die in die Region ausstrahlt und ein starkes Zeugnis für den Glauben ist. Das darf man nicht unterschätzen.“ Das Leben und Wirken von Ordensleuten, ihre Präsenz, ihre Angebote finden nach seiner Wahrnehmung in Zeiten zunehmenden Relevanzverlustes von Kirche weiter eine hohe Anerkennung. „Das ist wie eine Lebenspredigt. Wo Seelsorge und Kirche so gut laufen – warum sollte man das aufgeben?“ Was in fünf, was in zehn Jahren, was in 15 Jahren sein wird, darüber mag Pater Wilhelm nicht spekulieren. Heute steht für ihn fest: „Wir möchten hier noch lange bleiben und unsere gute Arbeit fortsetzen.“
Das Kloster Bardel steht in einer Bauernschaft nahe Bad Bentheim. Die nordbrasilianische Franziskanerprovinz hat die Einrichtung 1922 gegründet, um den Nachwuchs für die Missionsarbeit sicherzustellen. Seit dieser Zeit sind über 300 Ordensleute von Bardel aus in den Nordosten Brasiliens gegangen, um dort unter anderem in Pfarreien zu arbeiten. In der Nazi-Zeit mussten die Franziskaner ihr Kloster verlassen und konnten erst 1952 in Bardel weitermachen. Zu dem Gebäudekomplex mit der Klosterkirche als Herzstück gehört das Missionsgymnasium St. Antonius in Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums Osnabrück. Etwa 700 Schülerinnen und Schüler werden dort unterrichtet. Mehr Infos: https://www.bardel.de/