Platt inne Kärke: Teil 1 über Hünensteine im Emsland

De groaten Stähners

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Hünensteine in Mehringen
Nachweis

Foto: Maria Mönch-Tegeder

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An vielen Stellen im Emsland sieht man solche Hünensteine – wie hier in Emsbüren-Mehringen.

Für den einen ist es das Wegekreuz inmitten einer weiten Landschaft, für die andere ein Felsblock unter dem grünen Blätterdach: Es gibt viele Plätze, die Menschen mit ihrem Glauben und ihrer Spiritualität verbinden. Um solche manchmal auch verborgenen Orte geht es in der neuen Serie von „Platt inne Kärke“. Heute erzählt Maria Mönch-Tegeder aus Emsbüren von den Hünensteinen im Emsland. Auf Platt- und Hochdeutsch.

Es em de dicken Stähners in siene Holsken to lästig wörd´n, löt´t denn Riesen Hemolt se drutpultern. So vertellt man sick. Finnen kann man düsse dicken Stähners noch in Mehringen bi Emsbüren, an denn Napoleondamm. Dat bint de Hünenstähners. Nich bloß in Mehringen, 80moal könnt wi se öwer dat heele Emsland verdeelt finnen. 

Kinner hebbt hier groatet Plässeer. Rund üm de dicken Stähners spellt se „Plickjagen“. Se verstoppt sick dorunner, un de met denn gröttsten Moot klöwert up denn höchsten Stähn. Radfahrers rösst sick hier een Settken. 

De Grund, worup du löps, is hillig!

Es ick in de lessden Dage öwer denn weeken Woaldboden dör dat schmalle Pättken noah de Hünenstähners pattkete, duchte mi, dat et in de grönen Äkenblah flisperte: „Treck diene Schoh ut. De Grund, worup du löps, is hillig!“

eine Frau
Maria Mönch-Tegeder. Foto: privat

Ock use Ahnen wollen et nich dorbi beloaten, dat noah dat Lebben hier, up düsse Welt, nix mehr kump. Dorüm hebt se reddig knojt, dat se de Hünengräver upbaut kregen. Unner de dicken Stähners konnen se ehre Doaden begrawen. Se gaffen ehr up ehre lesste Riese gut watt to etten mett. De Doaden stafferden se ock met Waffen, Bernstähn, Muscheln un Pötte ut Keramik ut. Dormet kömp ehr nix Lejpes an.

Denn hilgen Liudger heff us Emsländers glöwen lehrt, dat dat heele Werk nix schadt, man ock nich nödig döt. Van em weetet wi ja, wu dat Maria van Magdala un de annere Maria an dat Graff van Jesus goahn is:

Se möken sick heel froh morgens up denn Patt. Et wör noch nich lecht. Se wollen denn doaden Jesus in sien Graff salben. Dat was dat Leste, wat man in ehre Tiet för ehnen Mensk dohn konn. Man watt verfährden se sick, äs dat up eenmoal anföng to pultern, un de Erde bewde! Een Engel kömp dranflägen und rullde denn groaten Stähn an de Siete! Nu konnen se in dat Graff luren.  Man et was lög! „Verfährt ju nich!“, sechte de Engel to ehr. „Ih brukt gar nich wieder söken, Jesus is hier nich! He is weer upstoahn!“ So was dat: He was weer upstoahn un harr nix bi sick! Nich moal salbt worden was he!

Gott verbindet us alle

Dor pulterte de beeden Fraulöe eenen dicken Stähn van ehr Hette! Jesus left und dormet left alle Doaden!

As Christen dröwt wi doran glöwen, dat Gott us alle verbindet: de, de för 4000 Joahr hier knojt hebbt, met us, de wi use Pättkes noch dör Gottes moje Welt laupt, un met de, de wi up usen Wech liedensgerne bi us hat hebbt. 

De Hünenstähners – in`t Emsland werd se in Ehren hollen. „Lost Places“ bint se nich, solange de Kinner hier Plickjagen spellt, Radfahrers sick hier verhalt und de Watten in den Sinn kump: „De Grund, worup du löps, is hillig.

 

Die Übersetzung auf Hochdeutsch:

Als ihm die dicken Steine in seinen Holzschuhen zu lästig wurden, schüttelte der Riese Hemolt sie aus. So erzählt man sich. Finden kann man diese dicken Steine noch in Mehringen am Napoleondamm bei Emsbüren. Das sind die Hünensteine. Nicht nur in Mehringen, 80mal können wir sie über das ganze Emsland verteilt finden. 

Der Boden, auf dem du gehst, ist heilig

Kinder haben hier viel Spaß. Um die dicken Steine herum spielen sie „Fangen“. Sie verstecken sich darunter und die Mutigsten klettern auf den höchsten Stein. Fahrradfahrer machen hier eine Pause. Als ich in den letzten Tagen über den weichen Waldboden durch den schmalen Weg zu den Hünensteinen ging, kam es mir vor, als würde es aus den Eichenblättern flüstern: „Zieh deine Schuhe aus. Der Boden, auf dem du gehst, ist heilig.“

Auch unsere Ahnen wollten es nicht dabei belassen, dass nach dem Leben hier auf dieser Welt, nichts mehr kommt. Deshalb haben sie schwer gearbeitet, um die Hünengräber aufzubauen. Unter den dicken Steinen konnten sie ihre Toten begraben. Sie gaben ihnen auf ihrer letzten Reise viele Nahrungsmittel mit. Die Toten staffierten sie auch mit Waffen, Bernstein, Muscheln und Töpfen aus Keramik aus. So waren sie gut geschützt. 

ein Engel aus Holz
Aus den Bänken der Emsbürener Kirche ist dieser Engel gefertigt worden - hier steht er auf einem der Hünensteine. Foto: Maria Mönch-Tegeder

Der heilige Liudger lehrte uns, daran zu glauben, dass diese Grabbeigaben nicht schädlich sind, aber notwendig sind sie auch nicht. Von ihm wissen wir ja, wie es Maria von Magdala und der anderen Maria am Grab Jesu ergangen ist:

Gott verbindet uns alle

Sie machten sich sehr früh morgens auf den Weg. Es war noch nicht hell. Sie wollten den toten Jesus in seinem Grab salben. Das war das Letzte, was man in ihrer Zeit für einen Menschen tun konnte. Aber sie erschraken sich, als es plötzlich anfing zu poltern und die Erde bebte! Ein Engel flog heran und rollte den großen Stein zur Seite! Nun konnten sie in das Grab hineinschauen. Aber es war leer! „Erschreckt euch nicht!“, sagte der Engel zu ihnen. „Ihr braucht gar nicht weiterzusuchen, Jesus ist hier nicht! Er ist auferstanden!“ So war das: Er war auferstanden und hatte nichts bei sich. Er war nicht einmal gesalbt worden. Da fiel den beiden Frauen ein dicker Stein vom Herzen. Jesus lebt und damit leben alle Toten.

Als Christen dürfen wir daran glauben, dass Gott uns alle verbindet: die, die vor 4000 Jahren hier so schwer gearbeitet haben, mit uns, die wir unsere Wege noch auf Gottes schöner Welt gehen, und mit denen, die wir liebend gerne bei uns gehabt haben. 

Die Hünensteine – im Emsland werden sie in Ehren gehalten. „Lost Places“ sind sie nicht, solange Kinder hier „Fangen“ spielen, Radfahrer sich hier erholen und dem einen oder anderen in den Sinn kommt: „Der Boden, auf dem du gehst, ist heilig.“

Maria Mönch-Tegeder

Maria Mönch-Tegeder, Bernd Büter, Hildegard Pool und Renate Fuest bilden mit Til Beckers den Arbeitskreis Platt inne Kärke. Seit vielen Jahren engagiert sich die Gruppe unter dem Dach des Emsländischen Heimatbundes dafür, der plattdeutschen Sprache im Kirchenraum mehr Gewicht zu verleihen. Lange schon schreiben die Mitglieder auch plattdeutsche Beiträge für die Kirchenzeitung. https://www.emslaendischer-heimatbund.de/projekte-und-taetigkeiten.html