Ostern für alle Generationen
Die Show ist noch nicht vorbei
Foto: Thomas Osterfeld
Karfreitagsstation auf dem Friedhof: Teilnehmer der Kar- und Ostertage vor zwei Jahren in Haus Ohrbeck.
Frau Lübbers, was ist so reizvoll daran, Ostern nicht zu Hause, sondern mit vielen anderen Menschen in einem Bildungshaus zu feiern?
Die Kar- und Ostertage in Haus Ohrbeck sind eine Traditionsveranstaltung – etwas ganz Besonderes. Es gibt Leute, die seit Jahrzehnten daran teilnehmen. Seit einigen Jahren sind wir auch offen für Familien, denn Erwachsene, die schon öfter hier waren, hatten sich gewünscht, Ostern sowohl mit der Familie zu verbringen als auch Zeit zu haben, den eigenen Glaubens- und Lebensfragen nachzugehen. Das muss sich nicht widersprechen. Es ist möglich, Ostern generationenübergreifend zu feiern.
Was genau planen Sie?
Wir haben mehr als 80 Anmeldungen – sind also eine große Gruppe. Die Erwachsenen teilen sich auf vier Workshops auf, in dieser Zeit gibt es eine Kinderbetreuung. Wir bereiten uns auf die Liturgien am Gründonnerstag, Karfreitag und in der Osternacht vor, beschäftigen uns mit Bibelstellen, gestalten die Osterkerze und feiern Gottesdienst. Ines Wallenhorst, Referentin im Bereich „Geistliches Leben“ im Seelsorgeamt Osnabrück, wird auf Wunsch auch wieder eine geistliche Begleitung anbieten.
Das Motto heißt in diesem Jahr „da kommt noch was“. Hoffnung zu haben – ziemlich schwierig in diesen scheinbar hoffnungslosen Zeiten, oder?
Manchmal frage ich mich, ob dieser Scheck mit der Hoffnung noch gedeckt ist. Aber wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. An den Kar- und Ostertagen verknüpfen wir die Lebensgeschichten der Teilnehmer und die biblischen Geschichten miteinander – ein guter Teppich, auf dem man weitergehen kann. Nehmen Sie die Noah-Geschichte. Der Olivenzweig im Schnabel der Taube, die von Noah geschickt wurde, um Land zu suchen – er steht für Zukunft und Hoffnung auf ein friedvolles Miteinander und einen Neuanfang. Wer zum Beispiel die Flutkatastrophe im Ahrtal erlebt hat, weiß, was es heißt, auf dem Dach zu sitzen, während das Wasser steigt.
Das Motto regt auf jeden Fall an, sich mit eigenen Lebensfragen zu beschäftigen.
Ja, und sich vielleicht auf ein Wortspiel einzulassen: Da kommt noch was. Das kann sich hoffnungsvoll anhören: Ich gebe noch nicht auf, weil auch in den dunklen Ecken des Lebens noch ein zartes Pflänzchen wächst. Für manche dagegen ist es eher negativ besetzt: Oh Gott, da kommt noch was!
Auch die Lesungen in der Osternacht erzählen von Veränderungsprozessen im Erleben mit Gott. Wir haben uns in diesem Jahr entschieden, die Erzählung von Abraham, den Gott auffordert, seinen Sohn Isaak zu opfern, in eine Gruppenarbeit zu geben. Harte Kost, aber dahinter steckt der Gedanke: Es ist nicht das Ende der Geschichte, dass Gott dieses Opfer fordert. Der Text regt zum Nachdenken an, zum Beispiel: Wie weit gehe ich mit mir selbst, mit meinen Kindern, mit meinen Zielen?
Worum geht es in den Workshops?
Ein Beispiel: Ich leite einen Workshop mit dem etwas kryptischen Titel „Elvis has left the building“. Durch einen Film bin ich darauf gekommen und finde: Das passt gut zu Ostern: „Jesus has left the building – heißt, Jesus ist von der Bildfläche verschwunden, vom Kreuz, die Show ist vorbei. Oder kommt da noch was? Wir werden uns austauschen über eigene verrückte Geschichten und das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Und überlegen: Was können wir aus Momenten lernen, in denen das Licht auf der Bühne plötzlich aus ist? Wie kommen wir in solchen Situationen auf gute Gedanken und zu der Hoffnung, dass da noch was kommt?
Welches Erlebnis hat Sie besonders berührt?
Wir bringen am Sonntagmorgen immer die Osterkerze aus der Aula, wo wir die Osternacht gefeiert haben, in die Kapelle, wo sie dann das ganze Jahr steht. Im vorigen Jahr haben wir das in einer Menschenkette zelebriert, aufgestellt nach dem Alter. Die ältesten Personen waren in der Kapelle, die jüngsten in der Aula, und die Osterkerze ging einmal durch alle Hände. Das war logistisch herausfordernd, aber sehr berührend. Alle hatten Anteil an diesem Licht, egal wie nah sie der Kirche stehen.
Was nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit nach Hause?
Viele erzählen, dass sie einen neuen Blick auf bestimmte Lebenserfahrungen gewonnen haben, dass sie froh waren, nicht allein zu sein, Freunde wieder getroffen und Gottesdienste in anderer Form erlebt zu haben. Wenn man mit Menschen durch die Dynamik der Kar- und Ostertage geht, in den Zweifel und die Fragwürdigkeit von Dingen hinein und auch wieder heraus – das stärkt möglicherweise die Resilienz und ist eine Kompetenz, die sich im Alltag anwenden lässt. Hier ist ein Ort, an dem Menschen miteinander Widersprüche verhandeln und aushalten – und die trotz allem am Ostersonntag die Osterfreude teilen und einfach das Leben feiern.
Die Kar- und Ostertage in Haus Ohrbeck finden vom 1. bis 5. April 2026 statt. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Für das nächste Jahr empfiehlt sich eine rechtzeitige Anmeldung.