Bremer Pfarrei rettet Marienstatue

Die weiße Madonna von den Wallanlagen

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weiße Marienfigur in der Kirche St. Thomas Bremen
Nachweis

Foto: Christof Haverkamp

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Die weiße Marienstatue steht jetzt in der Kirche St. Thomas in Bremen. Ein Unbekannter hatte sie zuvor in den Wallanlagen einbetoniert. Foto: Christof Haverkamp

An einem Januarmorgen in diesem Jahr war sie plötzlich da: eine Marienstatue, aufgestellt in den den Bremer Wallanlagen am Herdentor. Ein Unbekannter hatte die weiße Marmorfigur über Nacht einbetoniert. Sie stand auf einer Säule, mit zwei brennenden Lichtern am Fuß des Sockels. Der genaue Standort: direkt neben dem Bronzemann, der über einen Einkaufswagen gebeugt ist.

Der Umweltbetrieb Bremen nahm die unerlaubt stehende Figur aus Sicherheitsgründen mit und lagerte sie ein. Auf der Bremen-Seite der „Kreiszeitung“ berichtete tags darauf der Redakteur Thomas Kuzaj.

Diesen Artikel las ein Ehepaar der Kirchengemeinde St. Raphael im Bremer Osten und leitete ihn auch an andere Gemeindemitglieder weiter. Die Sorge wuchs, dass die Marienstatue entsorgt werden oder in einem Lager verschwinden könnte. Ein Gemeindemitglied erkundigte sich beim Umweltbetrieb Bremen über den Verbleib der Statue. Man melde sich, hieß es. Doch zunächst passierte nichts – bis Ordensschwester Deodata Weber, Schwester von Pfarrer Marc Weber, erneut nachfragte. Ihr wurde mitgeteilt, dass die Kulturbehörde am Thema dran sei.

Schwester Deodata nahm Kontakt mit dem Pressesprecher der Kulturbehörde auf. der ihr sagte, man habe ein Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnis: Die aus Marmorpulver hergestellte Figur habe nur einen ideellen Wert. Für die Kulturbehörde sei die Figur praktisch Müll.

Die Ordensschwester bekundete Interesse, wollte aber wissen, ob die Gemeinde zu befürchten habe, die Marienfigur gegebenenfalls an den Besitzer zurückgeben zu müssen. Dies verneinte die Kulturbehörde. Im Gegenteil. Falls sich der Besitzer, der sie in den Wallanlagen einbetoniert hat, melden würde, erwartet ihn eine Strafanzeige wegen unerlaubter Müllentsorgung.

Marienfigur soll in einer Grotte stehen

Ende April erhielt Schwester Deodata schließlich einen Anruf vom Umweltbetrieb: Sie könne die Figur, mit Sockel und Fundament etwa 2,50 Meter groß und 200 bis 300 Kilo schwer, abholen.  Aber wie transportieren?

Familie Kutz aus St. Raphael lieh sich einen Anhänger aus. Beim Umweltbetrieb hob ein Mitarbeiter die Figur mit Hilfe eines Treckers auf den Anhänger, und Georg Kutz brachte sie auf seinen Hof. Dort begann er, das Fundament von der Figur zu trennen. Als er sah, dass vier Eisenstäbe aus dem Material herausragten, arbeitete er nicht weiter, sondern übergab die Statue einem Bildhauer, der die Figur fachmännisch von ihrem Sockel trennte.

Jetzt steht sie in der Kirche St. Thomas in Blockdiek (gehört zur Raphael-Gemeinde), im Altarraum neben dem Taufbecken. Ihr endgültiger Platz könnte im Pfarrgarten von St. Godehard in Hemelingen sein. Geplant ist, sie in einer Grotte aufzustellen. Für diese Grotte werden nun passende Steine gesucht.

Aber wo bekommt man so eine Marienfigur eigentlich her? Im Internet gibt es Online-Shops, die derartige Statuen anbieten. So ist die Madonna der Rue de Bac in Paris im Online-Shop für 504,86 Euro plus 11,90 Euro Versandkosten erhältlich.

Jede Marienfigur ähnelt einer Darstellung in einem Wallfahrtsort. Die Statue aus den Wallanlagen ist eine Nachbildung der Statue von der Rue de Bac in Paris. Dort will die Ordensschwester Catherine Labourè (1806 bis 1876) im Jahr 1830 die Erscheinung der Jungfrau Maria erlebt haben.

Nach Angaben von Marc Weber, Pfarrer in St. Raphael, sind bis zum Umzug der Statue nach St. Godehard alle Interessierten eingeladen, Maria in St. Thomas zu besuchen und sie um ihre Fürsprache zu bitten. Dies ist täglich von 9-16 Uhr möglich. Die Kirche steht am Grenzwehr 61 in Bremen-Blockdiek.

Christof Haverkamp