Anfrage
Ein, zwei oder drei Querbalken auf dem Turmkreuz?
Wer Kirchtürme genau betrachtet, entdeckt oft ein einfaches Kreuz – das zentrale Symbol des Christentums. Doch manchmal zeigt es zwei oder sogar drei Querbalken. Was diese verschiedenen Kreuzformen zu bedeuten haben, ist gar nicht so leicht herauszufinden.
Ein Doppelkreuz, auch Patriarchenkreuz genannt, trägt zwei Querbalken, der obere kürzer als der untere. Der kürzere Querbalken entwickelte sich vermutlich aus der am Kreuz Jesu angebrachten Inschriftentafel mit der Aufschrift „INRI“ („Jesus von Nazareth, König der Juden“). Das Doppelkreuz auf dem Paderborner Dom wurde wahrscheinlich nach der Erhebung Paderborns zum Erzbistum angebracht und kennzeichnet das Gotteshaus als Zentralkirche des Bistums. Das Doppelkreuz ist aber kein Exklusivzeichen für Erzbistümer.
In manchen Regionen weist das Doppelkreuz daraufhin, dass in der Kirche eine Kreuzesreliquie aufbewahrt wird, also – zumindest der Tradition nach – ein Teil des Kreuzes Christi. Ein Beispiel dafür ist das Kloster Einsiedeln in der Schweiz. In Österreich und Süddeutschland kommen Doppelkreuze häufiger vor – auf Kirchtürmen, Wallfahrtskapellen oder Kreuzwegstationen. Sie stammen vermutlich aus dem Barock und wurden zum Schutz vor Unglauben oder Glaubensabfall errichtet.
Das Kreuz mit drei Querbalken, die nach oben hin kürzer werden, ist noch seltener. Es steht für das Amt des Papstes und seine dreifache Vollmacht als Lehrer, Hirte und Priester. Da das Papstkreuz aus drei Querbalken besteht, erinnert es in seiner Gestaltung an ein orthodoxes Kreuz. Auch bei diesem Kreuz symbolisiert der obere Querbalken die Inschriftentafel „INRI“. Der untere, schräge Balken soll an den Fußbalken erinnern, auf dem sich Jesus bei seiner Kreuzigung abstützen konnte.
Das dreibalkige Kreuz auf der Nußlberg-Kapelle lässt sich laut Einschätzung der Kunstabteilung des Erzbistums München und Freising keiner Kreuzform eindeutig zuordnen. Es weise Merkmale des Patriarchen- und des orthodoxen Kreuzes auf. Auch die Geschichte der Kapelle erkläre nicht, warum dieses in Bayern ungewöhnliche Kreuz verwendet wurde, so die Kunstabteilung.