Fazenda auf Gut Hange

Hof der Hoffnung muss schließen

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Ein Priester steht hinter dem Altar, mehrere Gläubige stehen in den Bänken.
Nachweis

Foto: privat

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Weihbischof Johannes Wübbe zelebrierte den letzten Gottesdienst in der Kapelle der Fazenda. Foto: privat

Es war der Versuch, Drogenrehabilitation im Emsland auf alternative Weise anzubieten. Die geistliche Gemeinschaft, die als Träger fungierte, konnte die
hohen Kosten zuletzt nicht mehr aufbringen.

Mit einem Gottesdienst, zelebriert von Weihbischof Johannes Wübbe, ist vor wenigen Tagen auf Gut Hange bei Freren ein Stück Geschichte des Bistums Osnabrück zu Ende gegangen. Die Fazenda da Esperanca (Hof der Hoffnung) stand hier seit 2015 Männern offen, die ihre Suchtkrankheit behandeln lassen wollten. Die geistliche Gemeinschaft „Familie der Hoffnung“ war Träger der Rehabilitationseinrichtung. Nach Gebet, Arbeit und Zusammenleben versuchten die Bewohner, wieder im normalen Alltag Fuß zu fassen.

Dieses Angebot gibt es jetzt nicht mehr, denn zum einen konnte die Gemeinschaft kein Leitungspersonal mehr stellen, zum anderen wuchsen die Unterhaltungskosten für das große und verhältnismäßig alte Gebäude mehr und mehr, wie es Pater Christian Hein von der Gemeinschaft sagt. Rund 140 000 Euro seien in den vergangenen Jahren für eine neue Heizung und den Austausch von Fenstern investiert worden, das Bistum habe in all den Jahren immer für Unterstützung gesorgt. Aber mit den steigenden Energiekosten sei jetzt eine Grenze erreicht, die Fazenda müsse geschlossen werden. Die nächstgelegenen Einrichtungen sind nun in Xanten am Niederrhein für Männer und in Hellefeld im Sauerland für Frauen.

Es sei ein schmerzhafter Prozess gewesen, Gut Hange aufzugeben, sagt der Pater im Gespäch mit dem Kirchenboten. Zwischendurch keimte noch einmal Hoffnung auf durch die Überlegung, die Fazenda in kleinerer Form an anderer Stelle noch einmal aufleben zu lassen, aber vergebens. Dass den abschließenden Gottesdienst rund 110 Besucherinnen und Besucher und mehrere Pries­ter aus der Umgebung mitgefeiert hätten, sei ein großes Zeichen der Verbundenheit gewesen, so der Pater. Viele Ehrenamtliche hatten sich für die Fazenda engagiert, waren sonntagnachmittags im Café eingekehrt oder hatten die Gottesdienste mitgefeiert. Beteiligt waren auch Mitglieder der portugisischen Gemeinde in Osnabrück, denn die Gemeinschaft stammt ursprünglich aus Brasilien, wo Portugiesisch gesprochen wird. 

Gut Hange wurde im 13. Jahrhundert als Familienbesitz errichtet und später immer wieder erweitert. 1918 eröffneten die Thuiner Franziskanerinnen hier eine landwirtschaftliche Haushaltungsschule. Während der Nazizeit wurde das Haus beschlagnahmt und diente als Entbindungsheim, bevor es wieder der Orden übernahm.

Matthias Petersen