Impuls zur Sonntagslesung am 6. September

Mit Kraft durch die Woche

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Teilnehmerinnen Werktagsmesse
Nachweis

Foto: Kerstin Ostendorf

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Jeden Dienstag dabei: Anni Schröer, Franzis Goecke, Ursula Casser und Käthe Breulmann (v.l.n.r.)

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“, heißt es an diesem Sonntag im Evangelium. Wo spürt man das besser als in einem Werktagsgottesdienst, wo meist nur wenige zusammenkommen?

Es sind die Tage zwischen zwei Hitzeperioden in diesem Sommer. Draußen vor der Kirche weht ein angenehm frischer Wind, drinnen ist aber noch die Wärme der letzten Tage zu spüren. Es ist stickig, Staub tanzt durch die Luft. Eine ältere Frau begrüßt eine Bekannte an der Kirchentür. Eine andere nickt den Hereinkommenden freundlich zu. Als um Punkt 9 Uhr der Priester aus der Sakristei kommt und die Orgel ertönt, sitzen im großen Kirchenschiff zwölf Besucherinnen und Besucher verstreut in den Bänken. 

Im Evangelium an diesem Sonntag heißt es: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Hier, im westfälischen Recke, kann man das spüren: Wie in vielen Gemeinden treffen sich zur Werktagsmesse mehr als zwei oder drei, aber dennoch nur wenige Gläubige. Die Gemeinschaft untereinander ist dafür umso größer.

Franzis Goecke ist mit 51 Jahren eine der jüngsten Frauen, die regelmäßig dienstagsmorgens in die St.-Dionysius-Kirche kommen. Gemeinsam mit Käthe Breulmann, Anni Schröer und Ursula Casser sitzt sie nach dem Gottesdienst auf der Eckbank am Taufbrunnen. Sie sprechen über das, was sie motiviert, mitten in der Woche herzukommen: ihr Glaube, die gute Andacht – und der Zusammenhalt untereinander. „Wir sind hier eine kleine Gemeinschaft“, sagt Goecke. Man achte aufeinander, wisse genau, wer kommt. „Da fällt es auf, wenn jemand fehlt.“ 

Käthe Breulmann stimmt ihr zu. „Wo zwei oder drei – das sagt doch schon alles. Die Gemeinschaft hier ist schön. Man fühlt sich im Gottesdienst verbunden“, sagt sie und blickt in die Runde. Die anderen nicken. Sie alle haben die 80 überschritten, sind verwitwet oder alleinstehend. „Diese Zeit am Vormittag ist sonst eine so leere Zeit“, sagt Anni Schröer. 

„Das hier ist mein Sonntagsgottesdienst“

Sich statt zum Gottesdienst beim Bäcker zum gemeinsamen Frühstück zu treffen, fiele den Frauen aber nicht ein. „Wir sehen uns hier, können reden – aber auch miteinander beten. Wir haben Ruhe und sind trotzdem nicht allein“, sagt die pensionierte Grundschullehrerin. Kirche bedeute für sie auch Geborgenheit. Schließlich geht Jesu Satz ja weiter mit „… da bin ich mitten unter ihnen“.

Bei Franzis Goecke ist es noch ein anderer Grund, der sie in die Eucharistiefeier am Dienstagmorgen zieht: „Das hier ist mein Sonntagsgottesdienst“, sagt sie. Goecke arbeitet als Krankenschwester. Oft hat sie am Wochenende Schichtdienst und schafft es nicht in die Kirche. Der Dienstag ist für sie aber kein billiger Kompromiss: „Ich liebe diesen Morgen. Die Messe ist so authentisch. Einfach passend. Sie gibt mir Kraft für die ganze Woche.“ Natürlich sei es schön, auch in einer größeren Gemeinschaft die Sonntagsmesse zu feiern. „Aber manchmal nimmt es mir das, was es mir eigentlich geben sollte: die Ruhe, das konzentrierte Hören auf die Texte.“

Und wenn die Lesung aus dem Alten Testament unverständlich bleibt, so wie an diesem Dienstag? Wenn Könige oder Städte genannt werden, wenn von Kriegen die Rede ist – fehlt da nicht die Einordnung durch eine Predigt? „Nein“, sagen die Frauen überzeugt. „Wir sind ja erfahrene Kirchgänger und kennen die meisten Texte schon fast auswendig“, sagt Schröer. Manchmal gebe der Priester ihnen einen Gedanken mit auf den Weg oder gebe in drei Sätzen eine kurze Hintergrundinformation zu den Bibelstellen. „Mehr braucht es nicht“, sagt auch Goecke. „Manchmal ist es ein Lied, ein Gebet oder nur ein Wort, das bei mir hängenbleibt und mich durch den Tag begleitet.“ 

„Ich kann ihm vertrauen,dass er es für mich trägt.“

Oder auch das Lächeln des Priesters: So wie beim nigerianischen Priester aus der Nachbargemeinde, der eine Zeitlang die Werktagsmesse in Recke gefeiert hat. „Wir hatten am Anfang alle unsere Schwierigkeiten, ihn zu verstehen“, sagt Schröer und blickt in die Runde. „Aber am Ende des Gottesdienstes hat er uns einen schönen Tag gewünscht und dabei so gestrahlt. Das fand ich so gut – und das gab mir etwas für den Tag mit.“

Der Gottesdienst am Morgen verändert sie – das erleben die Frauen immer wieder. „Ich setze mich zu Hause nochmal hin und dann überlege ich: Was mache ich heute Besonderes? Was ist jetzt sinnvoll?“, sagt Käthe Breulmann. Manchmal lässt sie dann die Gartenarbeit sein und besucht stattdessen jemanden. „Da bekomme ich im Gottesdienst schon oft den passenden Anstoß.“

So geht es auch Goecke: „Ich gehe gestärkt aus dieser Messe heraus.“ Sie spürt, dass jemand an ihrer Seite ist, schließlich verspricht Jesus ja, mitten unter ihnen zu sein. 

Vor wenigen Wochen hat sie das besonders erlebt. Da hieß es in einem Text, dass man alles Schlechte Gott anvertrauen solle. „Wir erleben wirklich schlimme Sachen im Krankenhaus und all das nehme ich mit in diesen Gottesdienst“, sagt sie. „Und dann denke ich mir: Ich habe alles ihm hingebracht. Mehr kann ich nicht tun – und Gott wird es auf den richtigen Weg bringen.“ Das schenke ihr Kraft im Alltag, sagt Goecke. „Ich kann ihm vertrauen, dass er es für mich trägt.“ Und zwei oder drei andere noch mit dazu.