Beispiele aus dem Bistum Limburg
Nächstenliebe zum Fest der Liebe
Foto: imago/Westend61
Über Geschenke freuen sich alle an Weihnachten: Ob es ein offenes Ohr oder ein Kuscheltier ist.
Für alle, die alleine sind
Seit vielen Jahren findet in St. Bonifatius Wiesbaden „Heiligabend gemeinsam feiern“ statt – ein Projekt der Gemeindecaritas. Manche kommen regelmäßig, andere schauen nur in einem Jahr vorbei. Der Eintritt ist frei. Das Fest wird über Spenden finanziert. Es gibt Kaffee, Kuchen und ein Buffet am Abend. Das Team rechnet mit 80 bis 100 Gästen. Sie singen Lieder, Musiker geben Konzerte und die Weihnachtsgeschichte wird vorgelesen. Ein Team von 35 Ehrenamtlichen sorgt dafür, dass das Fest gelingt. „Ich finde, es ist hier ein sehr gemütliches Fest. Meine Familie wohnt in Bayern. Ich sehe sie im Januar. Da sparen wir uns das Gehetze an den Feiertagen“, sagt Renate Röhling, die das vierte Mal dabei ist, und fügt hinzu: „Es macht mich glücklich, hier helfen zu können. Ich bekomme viel Dankbarkeit zurück.“ Sylvia Pracht hilft seit 2017. „Ich mag diese besondere Atmosphäre. Es kommen ganz unterschiedliche Menschen, Ältere, Kinder mit einem Elternteil, manche aus prekären Verhältnissen. Manche haben sonst mit Kirche nichts zu tun. Wir sind ein tolles Team“, sagt sie. Ihre Verwandten besucht sie in Ruhe am nächsten Tag.
Für Familien mit Geldsorgen
Simone Seibert aus Biedenkopf engagiert sich bei der Aktion „Weihnachtszauber“ des Bistums Limburg. Seit 2015 konnten jedes Jahr mehr als 1000 Kinder beschenkt werden. Seibert packt Geschenktüten und gibt sie in der Pfarrei St. Elisabeth an Lahn und Eder ab. Von dort werden sie an soziale Einrichtungen verteilt, die sie Kindern schenken. In den Tüten sind Drogerie-Gutscheine, Malstifte, Zeichenblöcke, ein Spiel oder ein Kuscheltier. „Ich durfte eine schöne sowie sorgenfreie Kindheit genießen, was leider nicht selbstverständlich ist und wofür ich sehr dankbar bin. Freude schenken, Nächstenliebe zeigen ist mir deshalb sehr wichtig. Dies habe ich auch an unsere Kinder mit dieser Aktion weitergeben können. Wir kaufen die Geschenke zusammen und mittlerweile bezahlen die Kinder sie von ihrem Taschengeld“, erzählt sie. Über Social Media macht die Familie Werbung bei Freunden und Verwandten. „Wir können mehr als zehn Tüten abgeben. Jedes Jahr werden es mehr“, sagt die dreifache Mutter.
Für gestrandete LKW-Fahrer
LKW-Fahrer können aufgrund des Feiertagsfahrverbots nicht weiterfahren und verbringen diese allein im Fahrerhaus. Sie hat der Malteser-Hilfsdienst Gliederung Limburg-Weilburg in diesem Jahr besonders im Blick und startet erstmals eine Aktion an den Raststätten in Bad Camberg, Limburg Nord und Beselich. Etwa 15 Ehrenamtliche sind am ersten Feiertag mit dabei. Sie kochen Fleischgerichte sowie Heißgetränke, etwa 150 Portionen, und bringen sie mit kleinen Geschenken zu den Fahrern. Sie nehmen sich Zeit zum Zuhören. Mit dabei ist die Ehrenamtliche Charlotte Scheffler, Helferin der Einsatzdienste der Malteser im Landkreis Limburg-Weilburg. „Für mich war das gar keine Frage: Sehr gerne unterstütze ich Menschen, die das Weihnachtsfest nicht bei ihren Familien verbringen können“, sagt sie. Ihre Aufgabe ist die Organisation und Koordination der Aktion, und sie wird beim Verpacken oder Verladen helfen. Sie denkt, Weihnachten wird dieses Jahr etwas Besonderes: „Diese bewusste Entscheidung, an diesem Tag denen zu helfen, die auf Rastplätzen festsitzen, macht etwas mit mir. Es zeigt uns allen ganz deutlich, dass Weihnachten ein Fest der Nächstenliebe ist. Und das tatsächliche, wirkliche Teilen der Nächstenliebe, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten geschieht.“
Für jeden, der reden möchte
Sandra Schenkel hat an den Weihnachtsfeiertagen bei der Ökumenischen Bahnhofsmission in Frankfurt Dienst. Sie gibt Tee und Kaffee aus und verteilt warme Handschuhe. Ganz wichtig: Sie ist da, um zuzuhören. Seit drei Jahren engagiert sich Schenkel bei der Einrichtung. „Es ist eine andere Stimmung in der Weihnachtszeit. Die Emotionen schwanken von sehr heiter bis zutiefst traurig. Manche Gäste kommen an Weihnachten das erste Mal und kehren dann immer wieder zurück“, erzählt sie. Da sie in der Hotellerie arbeitet, ist sie es gewohnt, an Feiertagen Dienst zu haben. Sie findet die Atmosphäre an Weihnachten in der Bahnhofsmission trotz allem wunderschön: „Manche Kollegen bringen Plätzchen für die Mitarbeitenden mit. Es schweißt das Team unheimlich zusammen, wenn wir da sind, obwohl der eine oder andere vielleicht gerne bei der Familie wäre. Das macht Spaß“, sagt sie.