Auch Kirchengeschichte spielt eine Rolle

Neuer Krimi mit Mönch Enno

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Foto: privat

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Autorin Maike Salhofen wuchs in Aurich auf und begeisterte sich schon als Schülerin für die
Historie der Ihlower Klosterstätte.

Maike Salhofen ist im ostfriesischen Aurich aufgewachsen – und genau in dieser Region spielen auch ihre Mittelalter-Krimis. In dem neuesten Roman geht es erneut um den Mönch Enno und das Brookmerland.

War Klaus Störtebeker in eine friesische Häuptlingstochter verliebt? In Anbetracht der zahllosen
Legenden, die sich um den berühmten Freibeuter ranken, wäre das doch durchaus denkbar. Das
fand auch Maike Salhofen, als sie nach einem geeigneten Stoff für eine Fortsetzungsgeschichte
ihres Protagonisten Bruder Enno suchte. In ihrem zweiten Buch rund um den pfiffigen Mönch mit
dem kriminalistischen Spürsinn dreht sich daher nun alles um „Bruder Enno und das Herz des
Störtebeker“, so der Titel.

Ostfriesland um das Jahr 1400

Schauplatz der Handlung ist Ostfriesland in der Zeit um 1400, auch mit dem Kloster Ihlow. Das Brookmerland wird von einer Serie mysteriöser Todesfälle erschüttert. Mehrere gewalttätige Männer fallen einer qualvollen Seuche zum Opfer, und die Angst vor schwarzer Magie geht um. Der junge Mönch Enno soll der Hexerei auf die Spur kommen und gerät dabei in einen Strudel aus Aberglauben, alten Gelübden und einer verbotenen Liebe, die sein Herz und seinen Glauben auf eine harte Probe stellt.
Währenddessen entbrennt unter den friesischen Häuptlingen ein erbitterter Machtkampf um die
Vorherrschaft in der Region. Mit involviert ist der legendäre Pirat Klaus Störtebeker, der nicht nur
politische Allianzen schmiedet.

Klosterstätte Ihlow
Ein Schauplatz des Geschehens ist das ehemalige Kloster Ihlow, dessen Umrisse vor rund 20Jahren mit einem Gerüst aus Stahl und Holz nachgebaut worden sind. Foto: Werner Jürgens

Die Autorin Maike Salhofen wuchs in Aurich auf und begeisterte sich schon als Schülerin für die Historie der Ihlower Klosterstätte. Wie in ihrem Erstlingswerk „Bruder Enno und die Hand des Störtebeker“ verknüpft sie auch in der Fortsetzung überlieferte Fakten und reale Persönlichkeiten mit fiktiven
Geschehnissen und Charakteren. Ostfriesland gehörte zu jener Zeit, in der die Geschichte spielt, zu den „Sieben Seelanden“. Deren Abgesandte trafen sich regelmäßig am Upstalsboom in Rahe bei Aurich, um Rechtsfragen zu klären. Das Richteramt dieser „Redjeven“ war zwar an Grundbesitz gebunden. Jedoch genossen alle untereinander die gleichen Rechte und wurden in freier Wahl
bestimmt. Trotzdem kristallisierten sich Häuptlingsfamilien heraus, die mehr Macht für sich beanspruchten. Eine davon war das Geschlecht der tom Brok, das seinen Einflussbereich vom heutigen Brookmerland und Norden nach Aurich ausdehnte.

Auch die Kirche mischte mit

Auch die Kirche mischte bei den damaligen Auseinandersetzungen fleißig mit. Ostfriesland fiel in den Zuständigkeitsbereich der Erzbistümer von Münster und Bremen. Die Grenzlinie zwischen beiden verlief mitten durch das Auricherland, dessen bedeutendstes Kloster seinerzeit das in Ihlow war. Es fungierte als Kanzlei und Archiv, in dem wichtige Protokolle, Urkunden, Gesetzestexte,
Siegel und dergleichen aufbewahrt wurden. 

Schriftlich verbrieft ist, dass Ocko I. tom Brok sich 1378 zum Schutzherrn des Klosters erklärte und feierlich am Altar schwor, sie gegen Angriffe zu verteidigen. Als er den Grafen von Holland als Lehnsherrn anerkannte, empfanden viele Ostfriesen das als Verrat. Dies hatte zur Folge, dass Ocko in der Nähe seiner Burg in Aurich erschlagen wurde und fortan seine Witwe Foelke Kampana die Regierungsgeschäfte übernahm. Derweil machten die Vitalienbrüder die Ost- und Nordsee unsicher, indem sie regelmäßig Handelsschiffe überfielen. Ab den 1390er Jahren nutzten diese Piraten verstärkt Ostfriesland als Rückzugsgebiet und kooperierten eng mit den Häuptlingsfamilien und örtlichen Kaufleuten. Das wiederum barg gehöriges Konfliktpotenzial mit der Hanse, deren Mitglieder einen Großteil der Schiffe besaßen, die von Vitalienbrüdern ständig ausgeplündert wurden.

In ihrer Fortsetzungsgeschichte liefert Maike Salhofen erneut ein fundiert recherchiertes und
lebendiges Porträt der damaligen Gesellschaft. Der Roman liest sich selbst ohne entsprechendes
Hintergrundwissen spannend und unterhaltsam. 


 

Werner Jürgens

„Bruder Enno und das Herz des Störtebeker“ ist im Emons Verlag erschienen. Die broschierte
Originalausgabe umfasst 432 Seiten. Das Buch kostet 16 Euro oder 12,99 Euro als E‑Book.