Weihnachtsserie Teil 2: Wie Musik zum Fest die Herzen berührt
Ob in der Kirche oder Zuhause: Hier wird es Heiligabend laut
Foto: Marc Schüler
Turmbläser kündigen den Advent an.
„Ruhige Weihnachten im Wohnzimmer kennen wir nicht”, sagt Monika Lüdemann. „Für uns ist Weihnachten, dass wir blasen.“ Wir, das sind die Eltern Monika und Volker Lüdemann und ihre Kinder Clara (20) und Lukas (22). Alle vier sind Hobby-Musiker und spielen Trompete, Posaune und Flügelhorn in verschiedenen Ensembles. „Ich habe das in die Familie eingebracht“, sagt Volker Lüdemann. „Als ich 15 oder 16 war, hat der CVJM einen Posaunenchor gegründet. Ich habe dort Trompete gelernt und dann immer weiter gespielt.“
„Musik ist das, was wir alle mit großer Begeisterung zusammen machen.“
Als die Kinder 9 und 11 Jahre alt waren, fuhr die Familie auf eine Bläser-Freizeit nach Österreich. Der Vater spielte mit, die anderen drei schnupperten in den Anfängerunterricht rein – und hörten nicht wieder auf. „Musik ist das, was wir alle mit großer Begeisterung zusammen machen“, sagt Volker.
Auch zu Weihnachten, wenn Lukas und Clara aus ihren Studienorten nach Hause kommen. „Clara hat ihre Zugverbindung extra so ausgesucht, dass sie schon am Sonntag beim Spielen im Osnabrücker Hauptbahnhof dabei sein kann“, sagt ihre Mutter. „Wenn die ganzen Blechbläser in der Eingangshalle Weihnachtslieder spielen, das ist ein unbeschreiblicher Sound, das wollte sie auf keinen Fall verpassen.“
Auch die Feiertage selbst sind ganz von Musik geprägt. „Heiligabend spielen wir in der Christmette in unserer katholischen Gemeinde“, erzählen sie. Um 22 Uhr beginnt die Feier, aber Lüdemanns werden schon so gegen halb neun den heimischen Tannenbaum verlassen und sich mit dem Ensemble treffen. Probleme, Mitspieler zu finden, hatten sie nicht. „Alle Bläser freuen sich, Heiligabend zu spielen“, sagt Volker Lüdemann. „Das ist doch Weihnachten pur.“
„In der Corona-Zeit waren wir die kleine familiäre Bläsergemeinschaft da oben.“
Am ersten Feiertag geht es dann weiter mit dem Festgottesdienst in der evangelischen Marienkirche, wo alle vier Lüdemanns musikalisch angedockt sind. Und zum Turmblasen hoch oben über Osnabrücks Marktplatz. „In der Corona-Zeit waren wir die kleine familiäre Bläsergemeinschaft da oben“, erinnern sie sich. Jetzt verkündet wieder eine ganze Gruppe von Bläsern der Stadt die Weihnachtsfreude. Und abends gibt es dann ein Bläsertreffen bei Lüdemanns zu Hause. „Unsere Beziehung geht über Musik hinaus. Wir spielen auf Hochzeiten und Beerdigungen – und feiern eben auch zusammen Weihnachten.“
Das beginnt lange vor dem Fest, denn auch der Advent war schon musikalische Hochsaison: diverse Konzerte in Kirchen, Blasen um das Krankenhaus herum und auf Weihnachtsmärkten. Und die Vorbereitung auf Heiligabend. „Zu allen bekannten Weihnachtsliedern gibt es seine Unmenge von Bläsersätzen, wir haben ein ganzes Regal voll“, sagt Volker Lüdemann. Zur Vorfreude auf Weihnachten gehöre bei ihnen, „dass wir mit den Kindern Ideen hin- und herschicken, was wir spielen wollen. Und wenn er Lust hat, schreibt Lukas noch eigene Stimmen.“
Dann geht es in der Kirche richtig ab. Mit Orgel und Gemeindegesang und obendrüber die Bläser. „Tolle Sätze für tolle Musiker“, sagen Lüdemanns. Und schwärmen von O du fröhliche mit Oberstimmen und einer Besetzung, „die aus dem Vollen schöpfen kann“. Weil das für sie eben Weihnachten pur ist.