Erste Enzyklika von Leo XIV.

Papst fordert Regeln für KI

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Papst Vorstellung Enzyklika
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Foto:  Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

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Präsentation der Enzyklika "Magnifica humanitas - über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" von Papst Leo XIV. in der Synodenaula im Vatikan.

Papst Leo XIV. hat sein erstes mit Spannung erwartetes Lehrschreiben vorgestellt. Schon die Vorstellung der KI-Enzyklika war ein leidenschaftlicher Appell. Für viele hat er damit offenbar den richtigen Ton getroffen.

Im Beisein zahlreicher Zuschauer und unter Mitwirkung eines Giganten aus der Tech-Branche hat Papst Leo XIV. am Pfingstmontag sein erstes Lehrschreiben vorgestellt. Die Enzyklika "Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit) widmet sich dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) und fordert strenge Richtlinien.

In seinem gut 100 Seiten langen Lehrschreiben "Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" hält sich Leo XIV. mit Kritik nicht zurück, ohne aber die Technologie als solche zu verteufeln. Er warnt vor einer Entmenschlichung durch verfehlte Nutzung digitaler Technologien und fordert eine breitere gesellschaftliche Kontrolle von KI.

Leo XIV.: "Fürchten wir uns nicht"

Der Papst betont die Notwendigkeit, die Technologie in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. "Fürchten wir uns nicht vor Künstlicher Intelligenz, sondern halten wir die Frage nach dem Menschen stets im Blick", so Leo XIV.: "Wir dürfen mit unseren mächtigsten technischen Instrumenten nicht leichtsinnig umgehen."

Der Papst forderte zudem eine "Entwaffnung" von KI und verglich diese Forderung mit dem kirchlichen Einsatz für nukleare Abrüstung. Jede große technische Macht, die das Leben der Menschen beeinflussen kann, müsse von einem angemessenen moralischen Urteilsvermögen und öffentlicher Kontrolle begleitet werden.

KI-Pionier Olah selbstkritisch

Zur Präsentation hatte der Vatikan auch einen führenden KI-Pionier geladen: Christopher Olah ist Mitgründer des kalifornischen KI-Unternehmens Anthropic und hat auf dem Markt, den der Papst in seiner Enzyklika kritisiert, Milliarden verdient. Der 33-jährige Tech-Pionier gab sich bei seinem Wortbeitrag selbstkritisch.

Jedes KI-Labor sei Anreizen ausgesetzt, die im Widerspruch zum ethisch Gebotenen stünden, so Olah. Darum brauche es Außenstehende, die Kritik üben und vor Risiken warnen. Der Kirche könne dabei eine wichtige Rolle zukommen, um den Blick auf die Herausforderungen zu lenken, die mit dem Fortschritt von Technologie einhergehen. Ihre Stimme werde etwa gebraucht, wenn es um drohende Arbeitsplatzverluste durch KI gehe.

Der Papst bekräftigte diesen Anspruch der Kirche. Sie solle auch künftig an Debatten über KI teilnehmen: "Wir besitzen keine technischen Antworten und wollen auch nicht diejenigen verdrängen, die über das Fachwissen verfügen. Aber wir bringen eine Weisheit über den Menschen mit, die unsere heutige Zeit dringend braucht."

Wilmer: "wegweisendes Dokument"

Die Kirche in Deutschland nahm das erste Lehrschreiben des Papstes mit großer Zustimmung auf. Es handle sich um "ein wegweisendes Dokument für die Menschlichkeit", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Leo XIV. habe Leitplanken für einen vernünftigen Umgang mit der KI aufgezeigt.

Besonders würdigte der Hildesheimer Bischof den Vorstoß, für Digitalisierung und KI einen Ethikkodex zu schaffen, der auf sozialer Gerechtigkeit basiere. Es brauche eine international verbindliche rechtliche Ordnung: "Wir erleben auch in Deutschland, wie Algorithmen Quantität stärker belohnen als Qualität und Wahrhaftigkeit, wie in Zeiten polarisierter öffentlicher Debatten die Demokratie unter Druck gerät."

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki legte besonderen Fokus auf die Vergebungsbitte des Papstes für das Mitwirken der Kirche an der Sklaverei. Das sei bislang beispiellos: "Er verbindet eine aufrichtige Vergebungsbitte der Kirche für ihre historische Mitschuld an der Sklaverei mit einer prophetischen Anklage der Gegenwart. Und er prägt einen Begriff, der die ethische Debatte unserer Zeit verändern kann: Er fordert, die Künstliche Intelligenz zu entwaffnen."

Einladung zur Mitwirkung

Aus Sicht des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße lädt der Papst mit der Enzyklika die Weltgemeinschaft zur Mitwirkung ein: "Haltet euch nicht raus, sondern engagiert euch. Setzt euch ein. Baut an der Wirklichkeit mit. Und dabei muss man sich die Hände schmutzig machen", so Heße in einer Videobotschaft.

Als "starkes Zeichen für eine Kirche, die die Herausforderungen der Gegenwart erkennt und sich konstruktiv einmischt" würdigte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, die Enzyklika. Eine der stärksten Aussagen sei: "Wir können KI nicht als moralisch neutral betrachten."