Aktion „Wohlfühlstuhl“ im Osnabrücker Bahnhof

„Probleme in Bahnhöfen sind komplex, aber nicht unlösbar“

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Der Hauptbahnhof von Osnabrück
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Foto: Leonie Schwarz

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Hauptbahnhöfe wie der von Osnabrück sollen zu Wohlfühlorten werden.

Die Aktion „Wohlfühlstuhl“ der Caritas Osnabrück soll den Hauptbahnhof der Stadt als sicheren und vielfältigen Ort sichtbar machen. Sie ist Teil des deutschlandweiten Projekts "Sozialraum Bahnhof". Projektleiterin Anna-Maria Pedron erklärt, wie Bahnhöfe zu lebendigen und einladenden Orten werden können.

Am Osnabrücker Bahnhof tauchen am 21. Oktober ungewöhnliche Stühle auf. Die werden nicht in Designbüros gestaltet, sondern von VfL-Fans und Polizistinnen, von Auszubildenden der Deutschen Bahn und Menschen der Bahnhofsmission. Sie alle begegnen sich dort regelmäßig in ihrem Alltag, mal bewusst, mal unbewusst. „Wohlfühlstuhl“ heißt die Aktion am Osnabrücker Bahnhof, die Mika Springwald von der Caritas Osnabrück gemeinsam mit der Deutschen Bahn startete. Mit der Aktion möchten sie sichtbar machen, was der Bahnhof und das Bahnhofsumfeld für die Menschen vor Ort bedeuten – und wie dieser Raum sicher und gemeinschaftlich genutzt werden kann. Die kreativ gestalteten Stühle sollen Aufmerksamkeit erzeugen, zum Verweilen einladen und die Vielfalt der Menschen und Institutionen rund um den Hauptbahnhof widerspiegeln.
Am 21. Oktober können sich auch Reisende sowie Besucherinnen und Besucher des Bahnhofs einbringen und Stühle gestalten. Für die Bahnhofsmission wird eine Bank gestaltet, die dann dauerhaft als Gesprächsangebot vor der Bahnhofsmission stehen wird.

Die Aktion in Osnabrück ist Teil des deutschlandweiten Projekts „Sozialraum Bahnhof“ der Caritas und der Stiftung Mercator. Anna-Maria Pedron leitet das Projekt und erklärt, wie Bahnhöfe zu lebendigen und einladenden Orten werden. 

Porträt von Anna-Maria Pedron
Anna-Maria Pedron. Foto: Heidi Scherm

Warum brauchen wir Bahnhofsumgebungen, in denen sich Leute gerne aufhalten und wohlfühlen? 
Bahnhöfe sind öffentliche Orte und dadurch kommen dort viele verschiedene Bevölkerungsschichten durch: die, die zur Arbeit gehen, die reisen, die dort einen Kiosk oder eine Bäckerei betreiben. Von Bahnhöfen angezogen werden aber auch Menschen, die von Armut oder von Einsamkeit betroffen sind. Für die allermeisten ist es einfach ein Ort von Kommen und Gehen, aber für einige ist es eben auch ein Aufenthaltsort. Manche Menschen kommen dorthin, die eine Tagesstruktur, oder irgendwie Kontakt mit anderen Menschen suchen. Deshalb haben sich auch viele Wohlfahrtsverbände wie die Caritas immer in Bahnhofsnähe angesiedelt.


Was ist Ihre Vision von einem guten Bahnhof? 
Ein Bahnhof soll ein Ort sein, durch den man mit gutem Gefühl gehen kann, an dem man weiß: Hier bin ich sicher, hier sind andere Menschen; hier kann man sich auch mal niederlassen und mal durchatmen. Uns ist natürlich bewusst, dass es nicht überall so ist. Aber wir glauben schon, dass es überall so sein kann und dass es auch ein Ausdruck von einer gesunden Demokratie ist, wenn das funktioniert. Deswegen haben wir mit Hilfe der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung Mercator auch dieses Projekt „Sozialraum Bahnhof“ gestartet, das mit unterschiedlichen Aktionen in ganz Deutschland vertreten ist.


Und wie kann das funktionieren: die Bahnhöfe von heute sicherer und einladender zu machen? 
Wir sind fest davon überzeugt: Wenn jeder seinen Beitrag leistet - also wir als Wohlfahrt, die Gewerbe, die Deutsche Bahn, die Kommunen, vielleicht auch kleinere zivilgesellschaftliche Vereine oder Initiativen - dann lässt sich das erreichen. Dann kann der Bahnhof zu einem Ort werden, an dem sich alle Menschen gut aufgehoben fühlen. Zurzeit ist es an vielen Stellen so, dass zu wenige Akteure zu viele der Probleme aufgelastet bekommen, die es an Bahnhöfen gibt. Aber wenn man das gemeinschaftlicher angeht, dann lassen sich die Themen einfach zum Besseren wenden. Die Probleme in Bahnhöfen und im Bahnhofsumfeld sind zwar schon komplex und groß, aber sie sind nicht unlösbar. 


Gibt es Bahnhöfe und Projekte, wo heute schon gemeinsam gehandelt wird? 
Ich bin zum Beispiel ganz begeistert von der Tatkraft des Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Frankfurt. Die haben eine Kita und ein Familienzentrum direkt in Bahnhofsnähe. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist ja wirklich ein ganz schweres Pflaster. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit Familien, die dort leben. Das sind oft Familien, die von Armut betroffen sind. 
Der SkF hat eine Aufräumaktion zusammen mit diesen Familien gemacht und hat auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Deutschen Bahn und Studierende der Uni eingeladen. Sie sind gemeinsam durch das Viertel gezogen, haben aufgeräumt und haben danach im Innenhof des SkF ein kleines Fest gefeiert. Das ist nur ein Schritt, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Für ein paar Tage war es dort ein bisschen sauberer in den Straßenzügen. Da sind sich Menschen begegnet, die sich sonst nicht begegnet wären und es sind Verständnisse für Lebensrealitäten entstanden, die vorher außerhalb der eigenen Vorstellungskraft lagen. 
Ich glaube, Vertrauen in Demokratie und in Verbesserung entsteht vor Ort und beginnt mit einem ersten Schritt. Deswegen freue ich mich über die vielen kleinen Schritte an den vielen Orten, an denen wir unterwegs sind - in Osnabrück zum Beispiel mit der Wohlfühlstuhl-Aktion.
 

Leonie Schwarz

Am 21. Oktober 2026 werden die gestalteten Stühle der Projektpartner präsentiert. Auch Reisende sowie Besucherinnen und Besucher des Bahnhofs können sich an diesem Tag einbringen und Stühle gestalten. Mehr Infos zur Aktion „Wohlfühlstuhl“ im Osnabrücker Bahnhof finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Projekt „Sozialraum Bahnhof" finden Sie hier.