Starke Frauen Teil 2
So gibt sie Menschen im Kriegsgebiet wieder Hoffnung
Foto: Privat
Schwester Teodora Shulak kommt aus der Ukraine, fährt immer wieder in die alte Heimat, um den Menschen vor Ort zu helfen. Ganz konkret.
Schwester Teodora Shulak weiß, was Todesangst ist. Sie hat sie selbst gespürt. 2022. In der Ukraine, als Bomben flogen. „Und man nicht wusste, wo sie als nächstes explodieren.“ Bis neun Monate nach Kriegsbeginn war die Missionsschwester im Land. Sie half Menschen, mit der Angst in solchen Momenten umgehen zu lernen. „Um nicht aus der Realität zu fallen und handlungsfähig zu bleiben.“ Nur so konnten sie weiterleben, hoffnungsvoll. Und sich nicht aufgeben.
„Wir haben alles rausgeschrien."
Fast zehn Jahre hat Schwester Teodora (45) als Provinzoberin in der Ukraine gelebt. Sie reiste durch Dörfer, sprach und betete mit Menschen, studierte nebenher Theologie und Psychologie und arbeitete später als Therapeutin. Dann kam der Krieg – und mit ihm Wut und Verzweiflung. „Manchmal bin ich mit meinen Mitschwestern in die Berge gegangen“, sagt sie. „Wir haben alles rausgeschrien.“ Vor allem die Wut. Die sei in ihnen allen gewesen, erinnert sie sich. „Darüber, dass jemand in dein Haus kommt und es sich einfach nehmen will.“
Schwester Teodora wollte helfen. Sie begann, den Menschen zu zeigen, wie man in größter Angst nicht erstarrt. Mit einfachen Übungen: „Ich habe den Menschen beigebracht, sich den ganzen Körper abzuklopfen.“ Das helfe, sich selbst zu spüren in solchen Momenten. Dazu kamen Gruppentreffen, Atemübungen. „Alles, was hilft, zurück in die Realität zu kommen.“ Das gebe Hoffnung, sagt Schwester Teodora. Man merke, dass Weitermachen lohnt. Manchmal sagte sie den Menschen: „Ja, es ist schrecklich. Aber das Böse existiert.“ Und: „Du darfst dich nicht der Angst hingeben.“
Im Oktober 2022 wurde Schwester Teodora in Deutschland zur Generaloberin ihrer Gemeinschaft ernannt und verließ die Ukraine. Heute lebt sie in Kirchheim bei München. Das Land zu verlassen, „das war nicht einfach für mich“, sagt sie. „Aber ich habe gespürt: Diese neue Aufgabe wird wichtig. Dann habe ich gesagt, das mache ich.“ Seitdem reist sie um die Welt, spricht auf Konferenzen über die Barmherzigkeit Gottes. Und über die Realität in der Ukraine. Berichtet vom Leid, aber auch von der Hoffnung in der Ukraine.
„Die Stärke der Ukrainerinnen und Ukrainer, die Kraft Gottes – das gibt mir Kraft.“
Immer wieder teilt sie eine Erinnerung. Erzählt von einer Frau, die ihr Haus bei einem Bombenangriff verlor. Die aber ihren Garten danach noch so liebevoll pflegte wie vorher. Er blühte, trug Früchte. „In so kleinen Sachen“, sagt Schwester Teodora, „haben die Menschen in der Ukraine die Hoffnung gesucht und gefunden.“ Weil sie ihnen zeigen, dass inmitten von Trümmern Neues wachsen kann. Schwester Teodora will mit dieser Geschichte sagen: Alle können, alle müssen Stärke zeigen, um den Krieg durchzustehen. Und jeder kann helfen, auf seine Art.
Gleichzeitig macht die Missionsschwester sich große Sorgen. Es macht ihr Angst, „dass dieser Krieg nicht zu Ende gehen wird“. Sie sagt: „Es ist nicht in der Macht der Ukraine, diesen Krieg allein aufzuhalten, sich und auch Europa vor Putin zu schützen. Es braucht Hilfe von Europa und den anderen Ländern.“ In der Ukraine, sagt Schwester Teodora, sei das allen bewusst: „Ob das den Menschen in Europa so klar ist – das weiß ich nicht.“ Schwester Teodora betet für die Ukraine. Sie sagt: „Die Stärke der Ukrainerinnen und Ukrainer, die Kraft Gottes – das gibt mir Kraft.“