Auf ein Wort

Von Mitleid und Nächstenliebe

Die Liebe zeigt sich in Achtung und Ehrfurcht - das erlebt unser Autor immer wieder. Und dieser Gedanke hilft ihm, wenn er auf Menschen trifft, mit denen er sich schwer tut.

„Das Schwierigste am Klosterleben sind die Mitbrüder“ – so die humorvolle Bemerkung eines Mönchs, der selbst durch seine Originalität seine Gemeinschaft auf die Probe stellt. Die benediktinische Beständigkeit zu leben, ist nicht einfach, stößt man sich doch immer wieder an den Begrenzungen der anderen, aber auch an den eigenen. Das gilt ebenso für andere Lebensentwürfe. Die Freundin, der Partner, die Eltern können zum Erprobungsfeld der Nächstenliebe werden entsprechend dem Eheversprechen: „Ich will dich lieben, achten und ehren.“

Die Liebe zeigt sich in der Achtung und Ehrfurcht, dass der andere uns nicht gleichgültig ist, sondern sein Schicksal im Innersten berührt. Nichts anderes unterstreicht Jesus in der Geschichte vom barmherzigen Samariter. Ausdrücklich heißt es, dass er Mitleid mit dem Verwundeten hat. Dadurch wird er dem Samariter zum Nächsten, sodass er ihm Hilfe leistet.

Dieser Gedanke hat mir schon manchmal geholfen, wenn ich mich mit einem Menschen schwertue oder gar ihn ablehne. Kann ich Mitleid mit ihm haben, sodass er mir dadurch zum Nächsten wird? Kann meine Antipathie zur Empathie werden, da auch dieser Mensch in seiner Bedürftigkeit von Gott geliebt ist? Ein älterer Mitbruder meinte einmal zu mir, als ich mich fürchterlich über einen anderen ärgerte: „Das ist doch gut. So lange du dich aufregst, ist er dir noch nicht gleichgültig, dann beachtest du ihn noch!“ Aus dieser Achtung kann Ehrfurcht werden, ja vielleicht sogar Nächstenliebe.

Johannes Eckert