Statements von Seelsorgerinnen und Seelsorgern
Warum ich für die Kirche arbeite
Illustration: istockphoto/stellalevi
Kirche verbindet Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Trauernde suchen Trost, Kranke Hoffnung, Eltern wünschen sich Begleitung in Lebensfragen. Gute Seelsorger und Seelsorgerinnen gehen darauf ein.
Wir sollten mehr Mut haben, auf Leute zuzugehen
Als Gemeindereferentin in Bad Bentheim und Schüttorf bin ich für die Firmvorbereitung zuständig und in den sechs Senioreneinrichtungen tätig, wo ich Wortgottesfeiern leite. In den Kurkliniken sind wir ebenfalls vertreten. In der Pfarreiengemeinschaft Obergrafschaft bin ich im Beerdigungsdienst eingesetzt und außerdem in der katholischen Grundschule Schüttorf präsent. Pfarrer Goldbeck und ich teilen die Aufgaben eines Dekanatsbeauftragten untereinander auf.
Ich arbeite sehr gerne als Gemeindereferentin, das ist für mich kein Job, sondern Berufung. Ich bin eine Quereinsteigerin; ich war früher Malerin und Lackiererin und habe dann umgesattelt, per Fernstudium die Ausbildung zur Gemeindereferentin absolviert. An meiner Arbeit schätze ich es besonders, dass ich nah an den Menschen bin. Es macht mir Freude, ihnen zuzuhören, Zeit für sie zu haben, ob das im Seniorenheim ist oder im Beerdigungsdienst. Ich nehme auch für mich eine Menge mit.
Die Kinder kommen viel ruhiger als sonst in den Unterricht
Gerade im Beerdigungsdienst merkt man, wie wichtig es ist, dass wir nah an den Menschen sind, sie in schwerer Zeit begleiten. An der Arbeit in der Grundschule gefällt mir besonders, dass ich da für die Kinder keine Lehrkraft, sondern die „Barbara aus der Schule“ bin. Einmal in der Woche gestalte ich dort einen Morgenimpuls, zu dem 20 bis 25 Kinder kommen. Dann zünde ich im Betreuungsraum eine Kerze an und erzähle ihnen eine Geschichte, demnächst wird es um Engel gehen. Die Lehrerinnen haben mir erzählt, dass die Kinder viel ruhiger in den Unterricht kommen als sonst. Das freut mich.
Ich denke, in Zukunft müssten wir noch öfter Angebote machen, bei denen wir zu den Menschen gehen. Wir können nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns in die Kirche kommen. Wir sollten mehr Mut haben, auf Leute zuzugehen, und wir müssen überlegen, wie und wo wir die Menschen erreichen. Ich biete beispielsweise auf den katholischen Friedhöfen in Schüttorf und Bad Bentheim Friedhofsgespräche an. Und wir müssen unsere engagierten Ehrenamtlichen unterstützen und als Hauptamtliche lernen, es auszuhalten, dass Ehrenamtliche manches ganz anders angehen.
Barbara Beine (59), Gemeindereferentin
Wir müssen Angebote schaffen,
die Gottesdienst und Gemeinschaft verbinden
Nach der Schule habe ich eine Ausbildung im Fleischerhandwerk absolviert, später meinen Meister gemacht und in der Lebensmittelindustrie gearbeitet. Dort waren viele Arbeiter aus Osteuropa beschäftigt, und deren Sorgen und Nöte haben mich beschäftigt. Durch persönliche Fragen an das Leben kam ich zu der Überzeugung, dass ich Theologie studieren und Priester werden wollte – ich konnte mit Gott immer irgendwie etwas anfangen, schon als Kind, und ich wollte mich mehr mit meinem Glauben und mit Theologie beschäftigen. Ich habe dann in Lantershofen studiert, ohne Abitur, und letztlich das gefunden, was eher zu mir passt.
Als Pfarrer habe ich viel mit Organisatorischem zu tun. Ich bin aber auch ein geistlicher Mensch. Seit einiger Zeit predige ich frei, mit dem Mikrofon in der Hand, und freue mich, wenn ich den Zuhörern etwas mitgeben kann. Wir haben in Bersenbrück Familiengottesdienste mit dialogischen Predigten, da machen besonders die Kinder gut mit und die Großeltern.
Es ist grundsätzlich eine Herausforderung, Gläubige aus verschiedenen Milieus unter dem Dach der Kirche gut vorkommen zu lassen. Es gibt ein progressives Lager und ein traditionelles Lager, und es ist schwierig, alle unter einen Hut zu bringen. Es gibt Gläubige, die einfach nur katholisch sein wollen. Ich glaube nicht, dass es dabei um ein Rückwärts geht, sondern dass es um mehr Ruhe geht. Wir haben unruhige Zeiten, und es sollte Aufgabe der Kirche sein, einen Raum zu bieten, wo man gut sein kann.
Nicht mehr von Natur aus religiös
Es gibt immer mehr Menschen, denen Religion gleichgültig ist, das merke ich in der Firmvorbereitung. Da kommen die Jugendlichen an einem Wochenende zur Glaubenskatechese. Die meisten haben keinen Bezug zum Glauben. Die Idee, dass der Mensch von Natur aus religiös sei, stimmt nicht mehr. Wir müssen mehr Angebote schaffen, die Gottesdienst und Gemeinschaft verbinden: In Bersenbrück kommen wir nach dem Fronleichnamsgottesdienst zum Grillen zusammen. Wir brauchen eine zu den Menschen gehende Pastoral, aber auch eine kommen-lassende Pastoral: Manche Menschen wollen einfach in die Kirche gehen, um eine Kerze anzuzünden.
Jan Wilhelm Witte (51), Pfarrer
Man muss künftig Dinge neu angehen
und auf einiges verzichten
Mein Wunsch, für die Kirche zu arbeiten, beruhte auf guten Erfahrungen, die ich in der kirchlichen Jugendarbeit machen durfte. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Kirchengemeinde habe ich Theologie studiert. Als ich 2007 meine erste Stelle bei der Kirche antrat, war der Gegenwind in der Gesellschaft nicht so groß wie heute. Heutzutage wird man viel öfter gefragt: „Wie kannst du da arbeiten?“ Dann sage ich, mir gefällt auch nicht alles, was da läuft. Aber: Die christliche Botschaft ist eine gute Botschaft und meine Intention ist es, diese Botschaft weiter unter die Leute zu bringen, und das auf eine gute, den Menschen nahe Weise.
Die Arbeit als Pastoralreferentin in Lingen ist abwechslungsreich, ich arbeite in der Gemeinde und in der Stadtpastoral, bin im Beerdigungsdienst und in der Internetseelsorge aktiv. Ich habe viel mit Menschen zu tun, und ich kann ganz viel gestalten. Man hat sehr viele Möglichkeiten, man muss sie nur nutzen.
Am liebsten arbeite ich mit anderen im Team, zum Beispiel bei der Vorbereitung der Familiengottesdienste. Wir sammeln zusammen Ideen – ich arbeite ungern mit fertigen Konzepten. Jeder und jede trägt etwas dazu bei, meistens bin ich diejenige, die dann aus den Vorschlägen Texte für den Wortgottesdienst schreibt. Diese Familiengottesdienste werden sonntags um 11 Uhr gefeiert, es kommen viele Eltern mit ihren Kindern bis zu zehn Jahren. Bei uns sind aber auch ALLE willkommen, man muss kein Kind mitbringen. Deshalb nennen wir es nicht mehr Familiengottesdienst, sondern „GO(O)D TIME“, also übersetzt gute Zeit oder auch Zeit für Gott.
Unser hauptamtliches Team ist personell immer kleiner geworden, das macht es schwieriger, mit dem Zeitkontingent zu haushalten. Immer mehr Arbeit landet auf weniger Schultern. Ich kann nicht mehr jede Gruppe in der Gemeinde so begleiten wie vorher und zum Beispiel zukünftig nicht in alle unsere Zeltlager und Freizeiten mitfahren. Aber das muss ich auch gar nicht. Wir haben fähige, sehr engagierte Ehrenamtliche! Man muss künftig Dinge neu angehen und vielleicht auch auf einiges verzichten.
Eva Schumacher (45), Pastoralreferentin
Wir haben den Auftrag,
die christliche Botschaft unter die Leute zu bringen
Meine Arbeit für die Kirche hat eine lange Tradition, ich war ja schon als Messdiener und später als Landjugendvorsitzender aktiv. Ich habe zwar Religion studiert, aber nur im Referendariat als Religionslehrer gearbeitet. Stattdessen habe ich bei A + W in Sögel als Ausbilder in der Tischlerei gearbeitet. A + W ist ein Bildungszentrum, das von der Christlichen Arbeiterjugend und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung getragen wird.
2010 wurde ich zum Diakon im Zivilberuf geweiht, seit 2018 arbeite ich als Diakon im Hauptberuf; seit Juni 2024 bin ich mit Büro in Börgerwald in der Pfarreiengemeinschaft St. Barbara tätig. Das Wichtigste an meinem Beruf ist der Kontakt zu den Menschen. Ob das nun im Taufgespräch, im Traugespräch oder in einem Trauergespräch ist, wichtig ist immer, dass wir den Menschen gerecht werden. Das ist manchmal eine Herausforderung. Wenn ich bei den Leuten zu Hause bin, erzählen sie mir viel, aber es darf nicht alles öffentlich erwähnt werden. Eine besondere Herausforderung ist es, wenn ich zu einem Trauerfall gerufen werde, bei dem es um einen Suizid oder um einen plötzlichen Todesfall geht; ich bin ja kein ausgebildeter Notfallseelsorger.
Für die Zukunft mache ich mir Sorgen, dass der hohe Wert der Eucharistiefeier verkannt wird. Es gibt immer öfter einen „Wortgottesdienst mit Kommunionausteilung“, aber das ist mir zu wenig. Da vermischen sich die Dinge. Es gibt doch schöne Wortgottesfeiern, auch ohne Kommunionausteilung. Die Eucharistiefeier sollte als etwas Besonderes gefeiert werden. Aber es sollte auch die Befähigung zur Eucharistiefeier weitergedacht werden und nicht mehr von Geschlecht oder Zölibat abhängen.
Es bleibt unser Auftrag, auch in Zukunft die christliche Botschaft von Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden unter die Leute zu bringen, ich finde, möglichst gemeindenah. Und wenn über existenzielle Dinge wie Schließungen oder Zusammenlegungen nachgedacht wird, ist es wichtig, alle frühzeitig einzubeziehen.
Burkhard Becker (64), Diakon
Ich möchte die Kinder und Jugendlichen
auf ihrem Weg begleiten
Als Sozialpädagoge im Gemeindedienst – einer von elf beim Bistum Osnabrück – bin ich seit einem Jahr hier in Bremen auf dieser Stelle. Ich bin sozusagen die Schnittstelle zu den sozialen Diensten, kümmere mich um den Caritas-Aspekt. Durch mein Studium bin ich für Sozialarbeit ausgebildet, habe aber als Mitarbeiter einer Kirchengemeinde eine einjährige Zusatzausbildung mit theologischen Inhalten gemacht. Ich bin hier sowohl in der Firmvorbereitung als auch in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv. Ich fühle mich in St. Antonius sehr wohl, ich habe meinen Platz gefunden.
Ich freue mich, dass ich für die Familien ein Ansprechpartner sein kann, wenn zum Beispiel finanzielle Probleme verhindern, dass ein Kind an einer Gemeindefreizeit teilnimmt. Dann kann ich gucken, ob es Zuschüsse gibt und wie wir das organisieren können, dass dieses Kind doch mitfahren kann. Es ist auch schön, einfach so mit den Kindern und Jugendlichen zu quatschen, mitzubekommen, was sie beschäftigt oder zur Stelle zu sein, wenn es heißt: „Sven, kannst du mir mal helfen?“
Herausforderungen für die Zukunft: viele Umstrukturierungen
Ich bin auch an der Firmkatechese beteiligt. Die geht hier über ein halbes Jahr, zur Vorbereitung auf das bestärkende Sakrament der Firmung. Am Tag der Firmung bekennt man sich als junger Mensch erstmals selbst zum Glauben. Die Jugendlichen sagen bewusst Ja. Deshalb ist die intensive Auseinandersetzung im Vorfeld wichtig. Die Mädchen und Jungen sind in der neunten Klasse, die sind 14, 15 Jahre alt. Die fragen: Wer bin ich? Wo will ich hin? Was ist Kirche für mich? Die Firmvorbereitung umfasst verschiedene Module, sie können zum Beispiel mit uns nach Taizé fahren.
Als Herausforderung für die Zukunft sehe ich den großen Transformationsprozess im Dekanat. Es wird viele Umstrukturierungen geben. Das ist notwendig, ist aber auch verknüpft mit der Frage: Arbeite ich 2030 noch auf meiner Stelle? Ich selbst würde mir wünschen, dass ich die Kinder und Jugendlichen noch lange begleiten kann.
Sven Diephaus (44), Sozialpädagoge im Gemeindedienst
Aufgezeichnet von Andrea Kolhoff
Im Bistum Osnabrück gibt es:
242 Priester, davon 147 aktive
83 Pastoralreferentinnen und -referenten, davon 78 aktive
95 Diakone, davon 64 aktive
210 Gemeindereferentinnen und -referenten, davon 194 aktive
11 Sozialpädagoginnen und -pädagogen im Gemeindedienst