Nach der Wahl in Rheinland-Pfalz
Wie trägt der Glaube zur Politik bei?
Foto: imago/F. Sämmer
Früher war mehr Anzug. „Inzwischen ist die Kleiderordnung lockerer geworden“, sagt Dieter Skala. Der Leiter des Katholischen Büros spricht von Hunderten Terminen, Anlässen und Empfängen im Jahr, an denen er teilnimmt. „Das politische Rheinland-Pfalz begegnet sich fortlaufend“, betont er. „Wir haben hier eine sehr gute Kultur des Miteinanders. Das Gespräch untereinander wird gesucht.“
Vor 13 Jahren übernahm Skala die Leitung des Katholischen Büros in Mainz. Die Einrichtung bündelt die Kommunikation von fünf (Erz-)Bistümern – Limburg, Mainz, Trier, Speyer und Köln – zur Landespolitik. Seit knapp 30 Jahren ist Skala für die Einrichtung tätig, anfangs als pädagogischer Referent. Bundesweit ist er einer der derzeit dienstältesten Mitarbeiter eines Katholischen Büros. Ende Oktober geht er in den Ruhestand.
Katholische Büros gibt es seit 1948, zuerst auf Bundesebene. Später wurde diese Schnittstelle zwischen der katholischen Kirche und der Politik auf die einzelnen Bundesländer ausgeweitet. Das Mainzer Büro startete 1968.
„Vertrauen ist das höchste Gut“, umreißt Dieter Skala das Hauptmerkmal der Zusammenarbeit. Schulen und Kitas sind zwei wichtige Arbeitsfelder. 75 katholische Schulen gibt es in Rheinland-Pfalz. „Unsere Aufgaben liegen überall dort, wo wir als Kirche von der Landespolitik betroffen sind, auch bei der Caritas oder in der Polizei- und Gefängnisseelsorge“, erklärt er. „Ändert sich hier etwas in der Gesetzgebung oder bei Verordnungen, wird das Katholische Büro informiert und angehört. Auch bioethische Fragen zählen zu unseren Themen.“ Das Katholische Büro sei ein gesellschaftlicher Partner wie andere Interessenvertretungen auch, etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund. Bei Landtagssitzungen ist Skala nur zu besonderen Anlässen präsent, zum Beispiel am rheinland-pfälzischen Verfassungstag am 18. Mai. In diesem Jahr hat sich zu diesem Datum der neue Landtag konstituiert.
Papstbesuche mit Ministerpräsidenten
Dieter Skala bescheinigt allen demokratischen Parteien eine gute Zusammenarbeit mit dem Katholischen Büro. „Wir sind hier fast immer auf eine große Nähe und Offenheit gestoßen“, sagt der Büroleiter, der sich gerne an Besuche beim Papst mit der früheren Ministerpräsidentin Malu Dreyer und mit ihrem Nachfolger Alexander Schweitzer erinnert. Mit Blick auf die AfD ist Skala zurückhaltend und kann aufgrund seiner langen Tätigkeit Folgendes sagen: „Eine wirkliche Zusammenarbeit hat es nie gegeben. Das eine oder andere Gespräch fand in den Anfängen der Partei statt. Aktuell erkennen wir eine deutliche Distanz.“ Eine Entwicklung, „die wir in den Katholischen Büros deutschlandweit feststellen“.
Für die Zukunft sieht Skala die Finanzierung von Schulen und Kitas weiterhin im Fokus der Zusammenarbeit von Landespolitik und Kirche. Auch Migration und die Frage nach gelingender Integration. Was antwortet er auf Stimmen, die sagen, die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen? „Glaube ist immer politisch“, sagt Skala. „Wir als Kirche haben aus unserer Glaubensgeschichte und unserem Evangelium heraus stets neu etwas in diese Gesellschaft einzutragen.“
Anja Weiffen
Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem politischen Engagement?
Der Glaube spielt in meinem politischen Engagement eine wichtige Rolle – das war bereits zu Beginn so und ist es bis zum heutigen Tag. So sind für mich beispielsweise die christlichen Tugenden eine gute Basis für sozialdemokratische Politik. Gerechtigkeit ist untrennbar mit dem sozialdemokratischen Leitgedanken der sozialen Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft verbunden, aber auch Nächstenliebe, Klugheit und Tapferkeit sind wichtige Werte in einer Politik, die den Menschen im Mittelpunkt hat. Darüber hinaus gibt mir der Glaube neben meiner Familie und meinem Umfeld die nötige Kraft, um den Einsatz für eben diese sozialdemokratischen Themen auch in schwierigen Zeiten mit voller Kraft fortzusetzen. Es hilft mir, Energie zu schöpfen und zu erkennen, was für die Menschen wirklich wichtig ist.
Sabine Bätzing-Lichtenthäler, SPD
„Mit 16 Jahren habe ich begonnen, mich in der katholischen Kirche zu engagieren – als Leitung einer Gruppenstunde, bei der Planung und Durchführung von Kinder- und Familiengottesdiensten, als Lektorin und als Kommunionhelferin. Mein Glaube gibt mir einen festen Wertekompass und hat mein Leben und mein Handeln geprägt. Mein politisches Handeln ist immer danach ausgerichtet, Verbesserungen für die Bürgerinnen und Bürger zu erzielen, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und die Entscheidungen am Gemeinwohl auszurichten. Dazu gehört für mich das Zuhören, das Vermitteln, aber auch der Diskurs und ein aktives Handeln, um Dinge voranzubringen. Mein Glaube gibt mir dabei Orientierung und hilft mir, mein politisches und privates Handeln zu reflektieren.
Marion Schneid, CDU
„ Bei all meinem politischen Handeln fühle ich mich dem Vorspruch in unserer Verfassung verpflichtet. Danach gilt es, im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott, dem Urgrund des Rechts und Schöpfer aller menschlichen Gemeinschaft, die Freiheit und Würde des Menschen zu sichern und das Gemeinschaftsleben nach dem Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit zu ordnen. Ich habe mich bewusst für eine Partei entschieden, deren Grundlage der Politik das christliche Verständnis vom Menschen ist. Im Mittelpunkt steht dabei immer die unantastbare Würde des Menschen in jeder Phase seiner Entwicklung. Der Glaube und das christliche Menschenbild sind somit eine Verpflichtung für mich, bei meiner politischen Arbeit immer die daraus abgeleiteten Werte unseres Zusammenlebens im Blick zu haben und ihnen gerecht zu werden.
Christof Reichert, CDU
In meiner Arbeit habe ich meinen Glauben als ständigen Begleiter. Als Grüner vertrete ich aber auch Positionen, die die katholische Kirche nicht uneingeschränkt teilt. Denn ich bin gewählter Vertreter des ganzen Volkes. Ich kritisiere zum Beispiel die Benachteiligung von Homosexuellen ausdrücklich. Eine Position, in der ich im Gegensatz zum Heiligen Vater stehe, wenn es um die Segnung homosexueller Paare geht. Auch beim Bestattungsgesetz kann man Kirchenrecht nicht eins zu eins übertragen, auch wenn ich volles Verständnis für die Position m,einer Amtskirche habe. Das ist eine innere Zerrissenheit, mit der ich leben muss. Solcherlei Probleme überwiegen aber nicht. Als überzeugter Christ und Mitglied in der katholischen Kirche sind die Bewahrung der Schöpfung und das Gebot der Nächstenliebe weiterhin eine wichtige Grundlage für meine politische Arbeit.
Josef Winkler, Grüne
Westerburg
Für mein politisches Engagement ist mir mein Glaube stets Quelle der Inspiration und Orientierung. Werte, die wir uns in unserer Demokratie in die Verfassung geschrieben haben und die die Grundlage unseres politischen Handelns sind: Die Menschenwürde, die Gleichheit aller Menschen oder auch der erste Satz unserer Landesverfassung „Der Mensch ist frei“, das sind Ideen, die sich bereits im Christentum in der Idee der Nächstenliebe finden. Diese Überzeugungen stellen den Menschen als Individuum in das Zentrum des politischen Denkens und Handelns, wenn es darum geht, Politik im Sinne aller Menschen im Land – für jede und jeden von ihnen – zu gestalten.
Hendrik Hering, SPD