Was tun, wenn der Hund krank wird oder stirbt?
„Zwischen Mensch und Tier geht es um Liebe“
Foto: privat
Peter Otten (hier mit seinem Kleinpudel Greta) ist Pastoralreferent in der Pfarrei St. Agnes in der Kölner Innenstadt. Jedes Jahr organisiert der 56-Jährige einen Gottesdienst für Tiere und ihre Halter.
Sie haben seit sieben Jahren einen Hund. Wie hat sich durch ihn Ihre Arbeit verändert?
Dadurch, dass die Greta jetzt da ist, habe ich mir eine ganz andere Zielgruppe erschlossen. Ich treffe beim Spazierengehen viele Menschen, die alleinstehend sind und auch einen Hund haben. Sie erzählen mir oft von den segensreichen Momenten, die sie mit ihrem Tier erlebt haben. Manche sagen, der Hund ist ein Familienmitglied. Früher hätte ich das nicht verstanden. Heute ist es mir vollkommen plausibel.
Wie hat Ihr Hund Ihre theologische Weltsicht geprägt?
Die Schöpfungsberichte zum Beispiel lese ich jetzt total anders – und sehe Zusammenhänge, die mir früher nie aufgefallen sind. Da kommen erst die Tiere und es heißt sinngemäß: Gott schaut den Menschen zu, wie sie den Tieren einen Namen geben. Wenn ich jemandem aber einen Namen gebe, dann ist das ja ein Bild für: Ich möchte etwas mit dir zu tun haben. Denn du bist nicht irgendwer, sondern jemand Besonderes.
Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Verlust eines Tieres konfrontiert worden?
Schon eine Woche, nachdem ich meinen Hund bekommen hatte. Das erste Gespräch, das ich als Hundebesitzer hatte, war im Beet meines Gartens, da war Greta noch ein kleiner Welpe. Und da kam eine ältere Frau zu mir und sagte: „Was haben Sie da für einen tollen Hund! Ich musste meinen letzte Woche einschläfern lassen.“ Dann liefen ihr die Tränen runter und sie erzählte mir von ihm. Für viele Menschen ist diese Verlusterfahrung ein großer Schmerz, weil es zwischen Mensch und Tier um Zuneigung und Liebe geht.
Sprechen Sie mit den Menschen auch mal darüber, ob ein schwer krankes Tier eingeschläfert werden sollte?
Ja, oft. Und einige Menschen sagen mir, dass sie ein ethisches Problem damit haben.
Wie reagieren Sie darauf?
Ich sage immer: Treue zu einem Tier kann auch heißen, dass man in der Krise bei ihm ist. Der Hund kann sich nicht ausdrücken und dann musst du halt Verantwortung für ihn übernehmen. Wenn ein Tierarzt sagt, der Hund habe nach menschlichem Ermessen wahnsinnig starke Schmerzen, Heilungschancen gebe es nicht mehr und man solle ihn euthanasieren, dann kann es ein Ausdruck von Treue sein, das zu akzeptieren und das Tier dabei nicht allein zu lassen.
Sprechen Sie mit den Menschen auch über mögliche Bestattungsformen?
Die Menschen sind meist sehr gut informiert über Bestattungsmöglichkeiten und erzählen mir dann, wofür sie sich entschieden haben. Andere sind noch auf der Suche und fragen mich um Rat. Mir ist vor allem wichtig, die Leute zu ermutigen, dem Abschied überhaupt eine Form zu geben.
Wieso?
In dem Moment, wo du ein Lebewesen in dein Leben lässt, hast du eine Verantwortung für dieses Wesen. Und ich finde, Verantwortung heißt eben auch, dem Tod des Tieres einen kulturellen Rahmen zu geben. Das bedeutet: Wir haben Regeln und Bilder dafür, wir haben eine Zeremonie, wir nehmen uns Zeit, wir haben einen Raum.
Was halten Sie von christlichen Bestattungsformen für Tiere?
Irgendwann wird der Tag kommen, dass Leute mich fragen: „Unser Hund ist gestorben, kannst du nicht mal vorbeikommen?“ Dann sage ich: „So, lieber Gott, ich gehe da jetzt hin. Was da passiert, weiß ich nicht genau, aber wir kriegen das schon zusammen hin.“
Braucht es für christliche Tierbestattungen klare Regeln von der Kirche?
Es ist ja nicht so, als würden bei der Kirche jeden Tag Leute anrufen, weil ihr Hund gestorben ist. So weit sind wir noch nicht. Deswegen finde ich, man muss die Sache noch nicht offiziell regeln. Aber ich würde mir eine Großherzigkeit wünschen, weil meine Lebenserfahrung ist, dass Tiere bereichernd sind. Sie machen das Leben weit und hell.
Wie meinen Sie das?
Ich bin davon überzeugt, dass uns in der Begegnung mit einem Hund oder mit anderen Tieren Gottes Herrlichkeit begegnen kann und wir darüber in Staunen und Freude versetzt werden können. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, weil ich es selbst schon erlebt habe. In anderen Religionen wie zum Beispiel im Hinduismus gibt es ja sogar Krankenhäuser für Kühe, weil sie dort heilig sind. Da lohnt sich doch die Frage: Warum gibt es Religionen, die Tiere verehren?
Sehen wir unsere verstorbenen Tiere im Himmel wieder?
Ich bin nicht der liebe Gott, ich kenne seinen Plan nicht. Ich kann nur sagen: Ich hoffe, dass das so ist.
Warum?
Was feiern wir denn an Ostern? Wenn wir über Erlösung sprechen, dann müssen wir doch auch über die Erlösung der Schöpfung sprechen. Das bedeutet, dass Gott auch eine Lösung für die Tiere hat. Man kann ja nicht sagen, der Mensch ist erlöst und alles andere ist egal.