Weihnachtsserie Teil 1: Wie Musik zum Fest die Herzen berührt
Das schönste Geschenk?
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Zusammen Singen an Heiligabend gehört für viele dazu. Nur Gesang kommt der Familie unseres Autors aber nicht in die Tüte - für sie steht alljährlich ein weihnachtliches Wohnzimmerkonzert auf dem Programm.
Das schönste Geschenk, das meine Eltern zu Weihnachten bekommen, können sie nicht auspacken. Aber sie können es sehen. Und hören. Jahr für Jahr bekommen sie es aufs Neue, immer wissen sie es vorher – und jedes Mal freuen sie sich trotzdem wieder. Das Geschenk sind ihre neun Enkel, die beim Familientreffen am zweiten Feiertag gemeinsam musizieren. Sie spielen die Klassiker, „Alle Jahre wieder“, „O du fröhliche“, „Stille Nacht“.
Das klingt toll, denn sie beherrschen ihre Instrumente ziemlich gut und ihr Orchester ist vielseitig besetzt – mit Marimbaphon und Schlagzeug, Cello und Geige, Posaune, Gitarre und Kontrabass. Die jüngsten Enkel sind 9 Jahre alt, der älteste ist 20; er arrangiert die Noten für alle so, dass sie perfekt zueinander passen. An den Tagen vor Weihnachten üben die Enkel ein paar Mal, erst für sich, dann zusammen – bis sie den Eindruck haben: Das klappt.
„Habt ihr nicht noch eine Strophe?“
Manchmal musizieren mittlerweile auch einige der Erwachsenen mit, auf Querflöte, Akkordeon und Trompete. Und manchmal singen alle die Lieder mit. Am besten aber wirken sie, wenn nur die Enkel spielen. Das Ritual ist immer dasselbe: Erst gibt’s Kaffee und Kuchen, dann die Musik, dann die Geschenke.
Das Privatkonzert im Wohnzimmer meiner Eltern gibt es nun schon seit einigen Jahren. Anfangs, als die Kinder kleiner waren, klang natürlich noch nicht alles so wunderbar. Da ist schon mal ein Ton verrutscht. Oder gleich eine halbe Strophe. Und der Rhythmus, der saß halt manchmal nicht. Doch meine Eltern hat das nie gestört. Sie saßen da, vor ihrem ganz persönlichen Lieblingsorchester, mit glücklichen Gesichtern, lauschten und fragten am Ende: „Habt ihr nicht noch eine Strophe?“