Meppener Stadtpastoral lädt zum Pilgerweg ein

Der Hoffnung auf der Spur

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eine Gruppe vor einer Stele
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Fotos: Lambert Brand

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Auf eine gute Resonanz stößt ein "Pilgerweg der Hoffnung" durch Meppen.

Zu einem "Pilgerweg der Hoffnung" hat die Stadtpastoral Kirche in Meppen (KIM) eingeladen. Fünfzehn Frauen und Männer machen sich auf den acht Kilometer langen Weg, um Orte zu entdecken, an denen Hoffnung bewahrt, geteilt und neu entfacht wird.

Pilgern bedeutet bewusst aufzubrechen, Gewohntes zurückzulassen und Neues über sich selbst zu erfahren, das Leben und Gott zu entdecken. Dieser Leitgedanke steht über dem „Pilgerweg der Hoffnung“ quer durch die Stadt Meppen, den das Team der Stadtpastoral mit Leiterin Simone Paura sowie Schwester Ulrike Diekmann und Otto Quaing vorbereitet hatten. Sie erinnern zu Beginn daran, dass jeder Schritt weiterführt – getragen von der Hoffnung auf Begegnung, Veränderung und ein Ziel.


 

eine Ordensfrau im Kneippbecken
Dass Wasser eine heilende Wirkung hat, macht Schwester Ulrike Diekmann auf der Kneipp-Anlage deutlich.

Die Ziele des Pilgerweges, das waren ganz verschiedene Stationen - immer begleitet von Impulsen zur Vertiefung. Wie der Basar des pro Vitus Fördervereins. Die Vorsitzende Gabriele Kroker berichtet, dass rund 20 Ehrenamtliche den Laden betreiben und ausschließlich gespendete Waren verkaufen. Die Erlöse ermöglichen zahlreiche Projekte für Menschen mit Behinderung im Vitus-Werk, die ohne diese Hilfe nicht realisierbar wären. Für das Team bedeutet Hoffnung, weiterhin mit Freude und Engagement Menschen unterstützen zu können, die Hilfe benötigen.

Was dürfen wir erwarten, hoffen, glauben?

Der Weg führt weiter zum versteckt gelegenen, auf einer Sanddüne angelegten jüdischen Friedhof. Von den einst rund 100 Gräbern sind nach Zerstörungen in der NS-Zeit nur noch 22 erhalten, wie Otto Quaing erzählt. Eine gelbe Stele am Eingang nennt die Namen von 43 Meppener Jüdinnen und Juden, die ermordet wurden und keine Grabstätte haben. Die Gestaltung verweist auf Paul Klees „Neuen Engel“ und stellt die Frage: „Was dürfen wir angesichts der Katastrophe erwarten, hoffen, glauben?“ Die Stele vermittelt die Hoffnung auf ein gutes Leben nach dem Tod – und auf die Hoffnung, dass sich die „Katastrophe“ nie wiederholt. Entsprechend jüdischer Tradition werden die Gräber nicht mit Blumen, sondern mit kleinen Steinen geschmückt.

Weiter geht es zur Kneipp-Anlage nahe der Hase. Dort erklärt Schwester Ulrike, wie Sebastian Kneipp in der Heilkraft des Wassers eine persönliche Spur der Hoffnung entdeckte. Seine fünf Säulen – Wasser, Ernährung, Heilpflanzen, Bewegung und Lebensordnung – zeigen bis heute, dass Menschen aktiv zu ihrer Gesundheit beitragen können. Hoffnung sei bei Kneipp keine Vertröstung, sondern eine Haltung, die stärkt und zum Handeln motiviert. Mutig steigt die Schwester dann zur Überraschung aller ins eiskalte Tretbecken und weist auf die wohltuende Wirkung hin.

"So bunt wie das Leben"

Bei der Meppener Tafel hört die Pilgergruppe, dass sie etwa 1.000 Menschen unterstützt. Vorsitzende Maria Jahn erläutert, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Handel, Erzeugern, Spendern und vielen Unterstützenden ist. Trotz steigender Lebensmittelpreise soll auch Menschen mit geringem Einkommen, insbesondere auch älteren Menschen und Geflüchteten, eine ausreichende Versorgung ermöglicht werden. Lebensmittel zu retten und gleichzeitig Bedürftige zu stärken – darin liege die Hoffnung der Tafel-Arbeit, die von 67 Helfenden getragen wird.

ein Mann vor einer Stele
Die Stele auf dem Jüdischen Friedhof in Meppen erinnert an die „Katastrophe“ und vermittelt auch Hoffnung, wie die Meppener Pilgergruppe von Otto Quaing erfährt. 

„So bunt wie das Leben - Hoffnung im Hospiz“ – unter diesem Leitsatz stellt die Koordinatorin im HospizUlla Rothkötter, ihren Impuls und sagt, dass es im Hospiz nicht nur um das Sterben geht, sondern um das Leben und das, was noch möglich ist. Auch in den letzten Tagen können Hoffnung, Nähe und gemeinsame Erinnerungen wachsen. Angehörige erleben dort Trost, Loslassen und getragen sein – von Menschen, vom Leben oder von Gott. Hoffnung zeigt sich oft leise, wie ein Samenkorn. Die allen Pilgern überreichten Blumensamen sollen daran erinnern, dass Hoffnung an unerwarteten Orten entsteht und das Leben bunt bleibt. 

Zehn Geh-Bote des Pilgerns

Die letzte Station ist wieder KIM, wo sich alle bei Kaffee und Kuchen stärken. Unterwegs aufgesammelte Steinchen stapeln die Pilger mit einem kleinen Kommentar zum „Haufen der Hoffnung“ auf. Orte der Hoffnung, die teilweise unbekannt waren, aufzusuchen und mehr über deren Bedeutung zu erfahren, ist für alle eine gute Erfahrung. Schwester Ulrike stellte die zehn Geh-Bote des Pilgerns vor, die auf einem Zettel in der französischen Pilgerkathedrale Le Puy-en-Velay zu finden sind und bietet an, dass jeder für sich seine eigenen Hoffnungsspuren auf einem „Fußabdruck“ aufzuschreiben kann. Auch im nächsten Jahr soll wieder ein Pilgerweg mit anderen Zielen und Themen stattfinden.

Lambert Brand

Weitere Angebote gibt es bei der Kirche in Meppen.