Leidensweg
Die Passion in Pop und Rock
Foto: Marco Heinen
Kjell Kitzing an der Gitarre mit Maria-Darstellerin Miriam Mareen Wolter.
Drei Vorstellungen, dreimal ausverkauft: Mit ihrer Interpretation der Passion hatten Laien- und Profimusiker vor allem aus Itzehoe und Neumünster bereits 2024 großen Erfolg. Sie erzählten die Passionsgeschichte als Musical, wobei sie auf Rock- und Popsongs zurückgriffen, die keinen direkten Bezug zur Bibel hatten, aber trotzdem passten. Und weil es so schön war, gibt es nun eine Neuauflage mit verändertem Text und neuen Liedern. Premiere ist am 21. März im Stadttheater Neumünster, gefolgt von Vorstellungen am 22. März in der Petruskirche Kiel, am 28. März im Theater Itzehoe und am 29. März im Kolosseum in Lübeck. Beginn ist jeweils um 18 Uhr. Parallel probte eine andere Gruppe für Aufführungen in Altentreptow (21. März, 19 Uhr) und Neubrandenburg (22. März, 16 Uhr).
Christoph Merkel und Stephan Reinke – beide sind evangelische Kirchenmusiker und Chorleiter – halten wieder die Fäden in der Hand. Bei rund 150 Beteiligten – Sängerinnen und Sängern der beiden großen Projektchöre, zwei kleinen Chören sowie Bandmusikern und Solisten –, die in der Schlussphase zusammengeführt werden müssen, ist das nicht ganz einfach. Geprobt haben die Beteiligten seit Sommer separat. Anfang Februar kamen sie im Nordkolleg in Rendsburg ein ganzes Wochenende zusammen – zum zweiten Mal alle Chorsänger, zum ersten Mal mit Band. Das Projekt versteht sich als inklusiv und überkonfessionell. Mitmachen konnte jeder, der Lust am Singen hat. Tatsächlich haben längst nicht alle eine enge Glaubens- oder gar Kirchenbindung, obwohl es um die Passion geht.
Judas hat einen Wasserrohrbruch
Die Atmosphäre am Sonntagmorgen ist konzentriert, trotz einiger Ausfälle. Christoph Merkel musste überraschend in einem Gottesdienst vertreten, Jesus-Darsteller Yonatan Pandelaki, professioneller Musicaldarsteller, ist noch mit einer anderen Produktion auf Tour, „und Judas hat einen Wasserrohrbruch“, wie der technische Leiter Tobias von Fragstein in einer Pause berichtet. Er springt ein, wenn mal eine der Männerstimmen fehlt. Die Hauptrollen sind doppelt besetzt, sicherheitshalber. Damit niemand umsonst probt, spielen sie je zwei der Vorstellungen. Für Miriam Mareen Wolter, eine der beiden Maria-Darstellerinnen, ist es „schon etwas Besonderes, sie spielen zu dürfen und auch zu überlegen, wie sie sich in diesen Momenten gefühlt hat“.
Stephan Reinke führt am Klavier, probt die neuralgischen Punkte, korrigiert bei schwierigen Passagen. „Schon recht gut“ laufe es, meint er. Das Libretto bleibe eng an der biblischen Handlung, bestehe aus Bibelzitaten, die mitunter sprachlich ein wenig modernisiert worden seien. Zwei Theaterpädagoginnen seien dabei und Theologen hätten auf den Text geguckt. Die Lieder, alles deutsprachige Songs, „passen jetzt nicht so punktgenau“, räumt Reinke ein. Sie seien mehr eine Art „Interpretationshilfe“. Wenn Jesus etwa „Rebell“ von den Ärzten singt, braucht es schon Fantasie: „Ich bin dagegen, ich sag es noch einmal. Ich bin dagegen, warum, ist doch egal. Ich bin dagegen, auch wenn es euch nicht schmeckt. Ich nenn' es Freiheit, ihr nennt es Mangel an Respekt“, heißt es da in einer Strophe. „Ich denke, Jesus ist anders rebellisch gewesen, als es in diesem Song drinsteht“, sagt Reinke.
Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, die die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat und zur Probe gekommen ist, sagt: „Ich denke, dass diese Musikrichtung nochmal ganz andere Menschen anspricht, die möglicherweise mit biblischen Geschichten überhaupt gar nicht viel Berührungspunkte haben.“ Gerade die Passionsgeschichte sei ja nicht leicht eingängig, „aber sie ist die zentrale Geschichte des Christentums.“ Sich mit der Musik, die man im Radio hört oder von der Playlist kennt, dieser Geschichte zu nähern, das sei „eine richtig große Chance, Menschen zu erreichen“. Karten gibt es im Internet: www.die-passion-2026.de