Gäste besuchen norddeutsche Bistümer zum Weltmissionssonntag

Ein Freund aus Madagaskar

Image
Priester aus Madagaskar
Nachweis

Foto: missio/Hartmut Schwarzbach

Caption

Oft unterwegs: Pfarrer Eric Stephan legt bis zu 120 Kilometer zu den Gottesdienststandorten zurück.

Eric Stephan aus Madagaskar ist Priester. Ende September kommt er in die norddeutschen Bistümer, um auf die Aktion des Hilfswerks Missio aufmerksam zu machen.

Madagaskar ist Köchen als Produzent der echten Vanilleschoten bekannt, Filmfreunde erinnern sich vielleicht an den Kinofilm mit den Zeichentrickfiguren. Die meisten der Menschen, die Pfarrer Eric Stephan Randrianantenaina in Deutschland treffen wird, haben sich bisher kaum eine Vorstellung von dem Land gemacht. Das könnten die Gespräche ändern. Wie immer, wenn das Missionswerk „Missio“ Gäste aus finanziell unterstützten Ländern zum Dialog nach Deutschland einlädt, sind die Zuhörer nach den Gesprächen ein wenig klüger. Und es entstehen Begegnungen, wie man sie durch Video-Telefonate nicht herstellen kann.

Pfarrer Eric Stephan Randrianantenaina gehört zu einer Gruppe von Priestern und Ordensschwestern aus Madagaskar, die auf Einladung von Missio nach Deutschland kommen. Der Priester besucht das Erzbistum Hamburg und die Bistümer Hildesheim und Osnabrück ab dem 29. September. In Hamburg wird er unter anderem eine Messe gemeinsam mit der madagassischen Gemeinde feiern und auch mit der französischsprachigen Gemeinde. Dabei kann dann auf den Dolmetscher verzichtet werden. Bei den weiteren Gesprächen wird jemand aus dem Französischen übersetzen. 

Im Erzbistum Hamburg besucht der Gast aus Madagaskar unter anderem eine Kita, eine Berufsschule und die Don-Bosco-Schule in Rostock. Im Bistum Osnabrück sind eine Begegnung mit Berufsschülern in Emden und ein Besuch im Mariengymnasium Papenburg geplant. Am Sonntag, 4. Oktober, feiert Pfarrer Eric Stephan die Messe in der Basilika St. Clemens in Hannover. Beginn ist um 10 Uhr.

Als Gemeindepfarrer ist Eric Stephan für 54 Kirchen zuständig

Pfarrer Randrianantenaina ist im Süden Madagaskars in Amboasary-Süd (Diözese Tolanaro/Fort Dauphin) als Gemeindepfarrer tätig und für 54 Kirchen zuständig. Manchmal legt er bis zu 120 Kilometer auf schwer befahrbaren Wegen zurück, um eine weit entfernte Gemeinde zu besuchen. Für viele Menschen ist der 44 Jahre alte Seelsorger ein wichtiger Ansprechpartner und ihm ist die Nähe zu den Gemeinden wichtig. Madagaskar ist von den Folgen jahrelanger Dürre und daraus folgender Nahrungsknappheit und Armut geprägt. Sozialleistungen des Staates gibt es nicht. 

Das Land ist reich an bestimmten Bodenschätzen. Die Insel ist eines der Hauptabbaugebiete für Saphire und einer der Hauptlieferanten für den Rohstoff Glimmer. Glimmer, auf Englisch Mica, ist ein Mineral, das weltweit für Autos, Elektronik und Kosmetik verwendet wird. Es wird in schieferähnlichen Gesteinsschichten gefunden und ist eine wichtige Zutat für alle Oberflächen, die glänzen sollen: Glimmer wird den glitzernden Lackfarben für die Autoindustrie hinzugefügt und sorgt bei Lippenstiften für den Schimmer. Glimmer wird in Madagaskar vor allem von Frauen und Kindern gefördert, die die Gesteinsschichten herausbrechen.

Armut, Umweltbelastungen, fehlende Perspektiven

Nach Saphiren zu suchen, ist eine Arbeit für Männer und ihre Söhne, schon 15-Jährige müssen sich in einen engen Schacht hinabseilen, um Saphirgestein zu schürfen. Doch nur selten bringen die Arbeiter genügend wertvolle Steine hoch.

Im Gebiet der Pfarrei von Pfarrer Randrianantenaina gibt es zahlreiche Mica- und Saphirminen. Viele Familien hoffen dort auf ein Einkommen, doch der Bergbau bringt für sie auch große Herausforderungen mit sich: Armut, unsichere Arbeitsbedingungen, Umweltbelastungen und fehlende Perspektiven für Kinder und Jugendliche prägen den Alltag vieler Menschen in der Gegend. Der Pfarrer begleitet die Familien in diesen besonders schwierigen Lebenssituationen.

Andrea Kolhoff
Stichwort

Der Weltmissionssonntag wurde vor 100 Jahren am 14. Juni 1926 von Papst Pius XI. eingeführt. Seitdem engagieren sich katholische Gläubige für die Kirche in den ärmsten Bistümern. Der Weltmissionssonntag verbindet Menschen über Kontinente hinweg. In Deutschland wird er am vierten Sonntag im Oktober begangen, in diesem Jahr am 25. Oktober; in der Weltkirche ist Weltmissionssonntag am 18. Oktober 2026.