Sommerserie: Zeit meines Lebens Teil 6
Ein herzliches Danke auf Baltrum
Fotos: privat
Die katholische Kirche auf Baltrum: Hier hat Carolina Holzer einen besonderen Sommer erlebt.
„InselZeit“ heißt dieses Projekt. Dabei organisieren im Sommer Studierende der Theologie und Religionspädagogik in wechselnden Vierer-Teams jeweils 14 Tage lang ein Programm für die Gäste in der Baltrumer St.-Nikolaus-Kirche. Das reicht von etwas anderen Gottesdiensten mit einem Glas Wein danach über stille Meditationen am Strand bis zu Bastelaktionen für Familien oder Schreibwerkstätten für Frauen. „Eben bewusst ganz unterschiedlich“, sagt Carolina Holzer. Sie hat vor drei Jahren bei der „InselZeit“ mitgemacht und erinnert sich gerne daran: sowohl aus beruflicher als auch aus persönlicher Perspektive. „Vielleicht könnte die Urlaubsseelsorge tatsächlich später ein Arbeitsfeld für mich werden.“
„Realitätscheck auf der Insel“
Noch studiert Holzer katholische Theologie auf Magister in Münster. Zusätzlich arbeitet die 26-Jährige für die katholische Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG). Dort kümmert sie sich unter anderem um die Ehrenamtlichen, die sich in der Petrikirche und der Kapelle des Collegium Marianums im Lektor:innendienst, bei der Kirchenmusik, als Küster:in oder als Kommunionhelfer:in engagieren. An der Uni hatte sie „ganz klassisch am Schwarzen Brett“ auch den Hinweis auf die „InselZeit“ gelesen.

Das Angebot reizt die Münsterländerin gleich. Weil sie damit einmal aus der „akademischen Blase“ herauskommt, praktische Erfahrungen sammeln kann und sich ausprobieren darf – und das verknüpft in dieser Besonderheit der Urlauberseelsorge auf einer Nordseeinsel: in einem neuen, unbekannten Umfeld. „Ich war vorher noch nie auf Baltrum gewesen. Aber diese Freiheit, dort weitgehend selbstständig Angebote zu entwickeln und durchzuführen, auch mal experimentieren zu können – das war echt gut“, sagt Holzer. Sie nennt das im Rückblick selbst einen „Realitätscheck“, ob ihre Vorstellungen und Bilder von pastoraler Arbeit aus dem oft eher theoretischen Studium mit der Praxis vor Ort zusammenpassen.
„Ein erfüllendes Arbeitsfeld“
Dieser Check ist für sie gelungen. Sie hat nicht nur erfahren, dass ihr Studium ihr eine gute Grundlage, ein gutes Fundament mitgibt, sondern mehr noch: „Ich habe da gespürt, dass Pastoral und Seelsorge wirklich ein erfüllendes Arbeitsfeld sein kann.“ Wobei sie natürlich weiß, dass Urlauberseelsorge etwas anderes ist als Erstkommunionkatechese oder Trauergespräche in einer Kirchengemeinde. „Aber es waren Tage, die ich für mich als sehr positiv abgespeichert habe und die mir vielleicht eine berufliche Perspektive für später mitgegeben haben.“
Was ihr noch in bester Erinnerung geblieben ist, sind die Begegnungen mit den Gästen in St. Nikolaus. Nach den Messen, Abendandachten am Strand oder bei Morgenimpulsen gab es oft ein herzliches „Danke“, einen freundlichen Händedruck, ein großes Lächeln oder ein berührendes Gespräch danach. „Wir haben wirklich viel Wohlwollen und Wertschätzung erfahren“, sagt Carolina Holzer. „Und ich hatte das Gefühl, dem einen oder der anderen einen guten Moment schenken und ein anderes Bild von Kirche mitgeben zu können.“
All diese schönen Erinnerungen haben bei Carolina Holzer übrigens dazu geführt, dass sie ein Jahr später gleich noch einmal nach Baltrum gefahren ist: im Spätsommer als Gastküsterin. „Ich schätze die Insel, denn auch wenn sie gar nicht so groß ist, spüre ich dort immer eine große Weite.“