Ein Katholik im Tal des Todes

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Ein Mann, der in die Kamera lächelt.
Nachweis

Foto: Karl-May-Spiele/Michael Stamp

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Der Segeberger James Bleyer verkörpert bei den Karl-May-Spielen den Pater Octavius.

Bibel, Gottesmutter und Priestergewand sind nur Requisiten. Doch James Bleyer ist ein echter Katholik. Er spielt bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg in dem Freilichtspiel „Im Tal des Todes“ einen Priester.

Winnetou und seine Freunde führt das Bühnenleben in diesem Jahr nach Mexiko, wo ein gewissenloser Geschäftemacher ein Quecksilberwerk betreibt. Gefangene werden gezwungen, inmitten giftiger Dämpfe zu arbeiten, was die unerschrockenen Helden nicht zulassen wollen. Außerdem müssen sie verhindern, dass es zwischen den Maricopas und den Chiricahua-Apachen zum Krieg kommt, weil dann auch das Städtchen San Miguel in Gefahr gerät, das zwischen den beiden Stämmen liegt. Es ist also praktisch wie im wirklichen Leben – nur mit Kostümen und Musik.

Alexander Klaws, einst durch „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt geworden und längst als Musiker etabliert, spielt Winnetou. Sein Gegenspieler ist Florian Fitz als Ganove Roulin, während Isabel Varel die schöne  Señorita Miranda gibt. Hinzu kommen aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler wie Heinrich Schafmeister, Bastian Semm und Joschy Peters. James Bleyer ist vielleicht nicht so bekannt, aber ebenfalls professioneller Schauspieler, wenn auch in einer stummen Rolle.

Priesterrolle nicht nur Klamauk

Der 31-Jährige, der in Bad Segeberg geboren wurde und in Hamburg lebt, spielt einen Priester, der seine Kirche mit dem Wort Gottes verteidigen will. Er hat die Rolle nicht zuletzt deshalb bekommen, weil er weiß, wovon er spricht. Der gläubige Katholik ist Kantor, spielt Orgel in verschiedenen Gemeinden, singt gregorianische Choräle und fühlt sich dem Kloster Nütschau eng verbunden. Glaube ist für ihn kein Lippenbekenntnis. Deshalb ist er auch froh, dass sowohl die Marienfigur wie auch die Bibel reine Requisiten sind. „Das war mir persönlich ganz wichtig“, erzählt er. Obwohl er es anfangs auch „sehr befremdlich“ fand, mit einer schlicht gestalteten Statue und einer unechten Bibel umzugehen, denn, „das ist jetzt das erste Mal, dass ich eine kirchliche Rolle spiele. Und es macht etwas mit einem“, so Bleyer. Denn natürlich geht es bei den Karl-May-Spielen auch um den großen Spaß, doch seine Rolle soll kein Klamauk sein, wie er sonst nicht selten zu sehen ist.

Ein Vaterunser vor dem Auftritt

Besonders ist für James Bleyer jene Szene, in der der in Mexiko gefeierte „Tag der Toten“, der vom Vorabend von Allerheiligen bis Allerseelen dauert, eine Rolle spielt. Nach altmexikanischem Glauben ist dies eine Zeit, in der die Toten zu Besuch kommen und mit den Lebenden feiern, weshalb Rituale mit Knochen und Schädeln aus verschiedensten Materialien dazugehören. Die Verbindung von Volksfrömmigkeit und katholischem Glauben, der Schauspieler empfindet es als „teilweise schwierig“. Und auch den einen oder anderen blöden Spruch, den er zu hören bekommt – und gar nicht so lustig findet.

Dass Gott ihn und alle Beteiligten behüten möge, darum bittet James Bleyer vor jeder Vorstellung: „Ich versuche immer, ein kurzes Kyrie und ein Vaterunser zu beten“, sagt er. Manchmal helfen ihm auch Worte aus Psalmen. Und, „auf dem Weg zur Probe hin oder wieder nach Hause bete ich oft Teile des monastischen Stundengebets.“ Das alles führt sogar dazu, dass Pater Octavius, wie er sich im Stück nennt, seine Rolle eigentlich weniger spielt als vielmehr lebt. Es lässt sich wohl kaum mehr aus einer stummen Rolle herausholen.

Marco Chwalek, Marco Heinen

Infos
Noch bis zum 6. September dauern die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Vorstellungen donnerstags, freitags und samstags um 15 und um 20 Uhr, sonntags um 15 Uhr. Karten gibt es unter www.karl-may-spiele.de im Internet und an der Tages- und Abendkasse.